Weinbau im (Klima-)Wandel

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    foto: ap/timm schamberger/dapd

Der Rebstock ist ein indirekter Klimaindikator - doch die Zusammenhänge sind komplex

Der Symbolträger Wein verbindet die Arbeit der WinzerInnen mit den Themenbereichen Natur, Kultur und Nachhaltigkeit. Dies wird beim Thema Klimawandel besonders deutlich.

Große Bedeutung des Weinbaus in Österreich

2,5 Millionen Hektoliter Wein werden jährlich in Österreich produziert, auf rund 50.000 Hektar Fläche wird Wein angebaut. Auf dem Großteil der österreichischen Weinanbaufläche (66 Prozent) werden Weißweinsorten produziert, jedoch ist in den letzten 10 Jahren der Rotwein-Anteil merklich gestiegen.

Anpassung an die Folgen des Klimawandels: Die Betroffenheit des Weinbaus

Der Rebstock ist ein indirekter Klimaindikator: Wie mit einem meteorologischen Messinstrument können schon geringe Änderungen in der Umwelt über die Traubenentwicklung und -qualität gemessen werden.

Zwei Faktoren sind in der landwirtschaftlichen Produktion, vor allem im Weinbau, entscheidend: die Temperatur und die Wasserverfügbarkeit. Der Wärmebedarf von Rebsorten bestimmt, wie weit und bis in welche Höhe sich eine bestimmte Sorte durchsetzt.

Klimaprognosen zeigen: Die Jahresdurchschnittstemperatur im Ostalpenraum wird bis zum Jahr 2100 um ca. 3 bis 3,5 Grad steigen.

Eigentlich könnte man bei Betrachtung der Klima-Prognosen für Österreich vermuten, dass durch den Temperaturanstieg vermehrt Sorten mit einem höheren Wärmebedarf gedeihen könnten und die Gefahr frostbedingter Ernteausfälle sinken könnte.

In Wahrheit sind die Zusammenhänge aber komplexer. Der Anstieg der Durchschnittstemperaturen betrifft nämlich vor allem den Frühling und Frühsommer. Dadurch setzen Austrieb, Blüte und Reifebeginn früher ein. Trotz Temperaturzunahme ist das Risiko für Spätfrost aber praktisch nicht gesunken. Der verfrühte Austrieb erhöht sogar die Gefahr von Spätfrost-Schäden - besonders in empfindlichen Entwicklungsphasen. Bei höheren Temperaturen verschärft sich außerdem die Fäulnisproblematik, vor allem bei einer Häufung von Niederschlägen während der Reife.

Auswirkungen des Klimawandels auf die Qualität des Weins

Wenn der Erntetermin trotz verfrühten Austriebs gleich bleibt, wird den Trauben eine längere Vegetationsperiode ermöglicht. Es können somit reifere, an Inhaltsstoffen reichere Trauben geerntet werden. Allerdings kann sich der spezifische Charakter der Sorten ändern: Durch die Klimaänderung stieg bei den Sorten Grüner Veltliner und Riesling der Zuckergehalt und der Säuregehalt sank.

Im Projekt WEINKLIM wurden mit Traisentaler WinzerInnen verschiedene Maßnahmen zur Anpassung an klimatische Veränderungen, aber auch zur Eindämmung der Auswirkungen des Weinbaus auf den Klimawandel erarbeitet und umgesetzt.

Auf Nachhaltigkeit.at finden Sie sowohl einen Überblick als auch detaillierte Informationen zum Thema Weinbau im (Klima-)Wandel. Unter anderem werden die aus dem WEINKLIM-Projekt abgeleiteten Maßnahmen erläutert und internationale Initiativen vorgestellt. Es sollte klar sein: WinzerInnen sind nicht nur "Opfer" des Klimawandels, sondern können auch selbst aktiv werden und etwas gegen den Klimawandel unternehmen.


Mehr zum Thema Weinbau im (Klima-)Wandel im Internetportal

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AutorInnen: Dr. Friedrich Hinterberger, Maria Riegler, Sustainable Europe Research Institue (SERI). Recherche und Aufbereitung im Auftrag des Lebensministeriums, Abteilung II/3 Nachhaltige Entwicklung und Umweltförderpolitik.

Direkt-Link zum Monatsthema 09/2010
(mit Text-Vollversion und weiterführenden Informationen)

Kopf des Monats war der Traisentaler Winzer Rudolf Hofmann, Gründer der Arbeitsgruppe Sustainable Winegrowing Traisental, der sich nachhaltigen Weinbau zur Aufgabe gemacht hat.

Im Dialog des Monats finden Sie einige Statements verschiedener ExpertInnen zum Thema Weinbau im (Klima-)Wandel.

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