"In Wien werden wir bespuckt"

28. Jänner 2011, 17:42
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"Ab Stadtgrenze" ist in der ÖBB mittlerweile ein Reizwort

Wien - "Ab Stadtgrenze" ist in der ÖBB mittlerweile ein Reizwort. Nicht nur für Kunden, die den Button auf dem Bildschirm der Fahrkartenautomaten vergeblich suchen, wenn sie ein Ticket ab Süßenbrunn, Liesing, Purkersdorf-Sanatorium, Kledering oder Schwechat kaufen wollen. Auch die Mitarbeiter im Kundendienst sind genervt. Sie werden seit Einführung des Winterfahrplans am 12. Dezember mit Beschwerden eingedeckt, weil die ÖBB-Personenverkehr-AG in Regionalzügen keine Fahrkarten mehr verkauft.

Richtig dick bekommen die Wut die Schaffner auf Selbstbedienungsstrecken (SB) ab. Sie müssen Schwarzfahrer aufspüren. Tickets verkaufen, wie es jahrzehntelang üblich war, dürfen sie im Regionalverkehr nicht mehr; auch nicht gegen Einhebung eines Ausgabezuschlags von drei Euro.

Die Gefahr, im Wiener Stadtgebiet in Nahverkehrszügen von ÖBB-Kontrolloren behelligt zu werden, ist trotz neuer Praxis gering. Denn in Regionalzügen wie dem "Wiesel" wird kaum kontrolliert. Zumindest nicht in der Zone 100. "Eine reine Selbstschutzmaßnahme", klärt ein Zugbegleiter auf. "In Wien werden wir bespuckt, beschimpft und tätlich angegriffen. Nicht auszuhalten."

Ab Niederösterreich sei es nicht mehr so gefährlich. Dann wieseln die Schaffner plötzlich durch Doppelstockwagen. Wie die Schwarzfahrerjagd auf diese Weise jährlich fünf Millionen Euro einspielen soll, wie der ÖBB-Vorstand dem Aufsichtsrat versprach, ist nicht überliefert. (ung/DER STANDARD, Printausgabe, 29./30.1.2011)

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