Überraschende Entdeckung: Krebsmittel hilft bei Lähmung

28. Jänner 2011, 18:27
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Forscher bringen durchtrennte Nervenfasern im Rückenmark von Ratten wieder zum Wachsen

Washington - Entdeckt wurde es vor genau 40 Jahren. Damals stießen Forscher bei der Suche nach Anti-Krebs-Mitteln in der Rinde der Pazifischen Eibe auf einen erfolgversprechenden Wirkstoff namens Paclitaxel. Seit 1993 ist es unter dem Handelsnamen Taxol als Medikament gegen Brust- und Eierstockkrebs im Einsatz. Eine Wundermittel ist es aufgrund der Nebenwirkungen eher nicht.

Oder vielleicht doch? Einem Forscherteam rund um Frank Bradke vom Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried bei München gelang nämlich mit Taxol etwas höchst Überraschendes: Sie brachten damit durchtrennte Nervenfasern im Rückenmark von Ratten wieder zum Wachsen, wie sie im Fachblatt "Science" (online) berichten.

Das bisher unüberwindliche Problem bei Querschnittslähmungen besteht darin, dass Nervenfasern des Rückenmarks (und des Gehirns) so gut wie nicht mehr wachsen, wenn sie einmal durchtrennt sind. Die Selbstreparatur wird durch drei Faktoren verhindert: Erstens hemmen bestimmte Proteine das Wachstum, zweitens gerät das Gerüst der Nervenzellen durcheinander und drittens bilden sich Narben.

Kürzlich erst startete ein Versuch mit embryonalen Stammzellen, der Hoffnung auf Nervenwachstum macht. Die Gefahr ist allerdings, dass dadurch auch Tumoren wachsen könnten. Taxol, das bei den Ratten mittels einer Gewebepumpe an der verletzten Stelle verabreicht wurde, hat sich als ein probates Mittel gegen Faktor zwei und drei herausgestellt.

Vergleiche der Videos von den querschnittgelähmten Ratten vor und nach der Taxol-Behandlung sind beeindruckend: Danach liefen die Ratten fast einwandfrei über eine Leiter. Studienleiter Frank Bradke glaubt jedenfalls, auf einem vielversprechenden Weg zu sein. Und der Weg zu den ersten klinischen Studien scheint auch nicht mehr weit. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 29./30. 1. 2011)

  • Vernarbtes Gewebe aus der verletzten Wirbelsäule einer Ratte
    foto: farida hellal

    Vernarbtes Gewebe aus der verletzten Wirbelsäule einer Ratte

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