Lehrer sperren aus Protest die Schulen zu

28. Jänner 2011, 17:12

Mit einem landesweiten Streik protestieren die Lehrer in Serbien gegen niedrige Gehälter und die mangelnde Ausstattung der Schulen

Die Regierung winkt ab. Experten warnen vor einer Eskalation.

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Seit Freitag sind die meisten Schulen in Serbien geschlossen. Vier Lehrergewerkschaften haben zum Streik aufgerufen - mit offenem Ende. Von den Ausmaßen des Streiks scheint nicht nur die Regierung überrascht zu sein, sondern auch die Lehrerschaft.

Serbische Gewerkschaften sind normalerweise zerstritten und wenig kampfbereit. Obwohl es in Serbien über eine Million Arbeitslose gibt und Hunderttausende knapp an oder unter der Armutsgrenze leben, finden Proteste lediglich sporadisch statt und beschränkten sich bisher meist darauf, die Straßen vor dem Regierungsgebäude in Belgrad abzusperren. Daran hat man sich gewöhnt - doch mit organisierten Gewerkschaftsstreiks haben die Serben kaum Erfahrung.

"Wir halten den Druck nicht länger aus", sagt Aleksandra Djeric, die an der Technischen Schule im Belgrader Vorort Obrenovac Englisch unterrichtet. Ein durchschnittliches Lehrereinkommen betrage rund 370 Euro im Monat, damit komme sie als Alleinstehende kaum über die Runden - wie ihre Kollegen mit Familien das meistern könnten, sei ihr schleierhaft.

Die Türen in ihrer Schule seien alle aus Pappe und viele längst durchlöchert, erzählt Djeric. Es gebe kein Geld, neue Türen zu kaufen - geschweige denn moderne Schulbücher. Mit dem Streit gehe es den Lehrern nicht nur um eine Gehaltserhöhung, sondern auch um die Verbesserung der jämmerlichen Zustände an den Schulen. "Es ist zum Verzweifeln", sagt die Lehrerin.

Diese Stimmung der allgemeinen Verarmung beeinflusse auch die Schüler, ist sich Djeric sicher. Die Jugendlichen fragten sich, warum sie überhaupt etwas lernen sollten, wenn sie entweder gar keine Arbeit bekommen oder von ihren Einkommen nicht leben können. Kein Wunder, dass viele T-Shirts mit dem Foto des legendären kolumbianischen Drogenhändlers Pablo Escobar tragen.

"Leere Staatskasse"

Die Regierung gibt sich hart gegenüber den Lehrergewerkschaften. Es gebe einfach kein Geld in der Staatskasse, sagt Finanzministerin Diana Dragutinovic. Wenn man den Lehrern entgegenkomme, würde das den gesamten Staatshaushalt sprengen.

Was die Ministerin nicht sagt, ist, dass die Regierung einen Kettenreaktion von sozialen Forderungen politisch nicht überleben würde. Am Freitag gaben sich die Gewerkschaftsführer kampfbereit: Sie wollen weitermachen.

Dass das Europäische Parlament das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit Serbien vergangene Woche ratifiziert hat, lässt die meisten Bürger kalt - ebenso die Versprechen über den EU-Kandidatenstatus bis Jahresende. Der "große außenpolitische Erfolg" überschneidet sich mit der Nachricht, dass im Februar Brot wieder teurer werden soll.

"Diesen EU-Optimismus können die doch niemandem mehr verkaufen. Hier kann man eher soziale Unruhen wie in Albanien oder Tunesien erwarten als ein glückliches Ende in der Umarmung der EU" , sagt die pensionierte Lehrerin Danica Ilic.

Tatsächlich warnen Soziologen und Politologen vor einer "Akkumulation der Unzufriedenheit" , die einmal eskalieren könnte. Seit Jahren steigen Preise und Arbeitslosigkeit, während der Lebensstandard sinkt. Die Inflation liegt bei über zehn Prozent, der einheimische Dinar ist abgewertet, die Gehälter im öffentlichen Dienst eingefroren, ein Durchschnittseinkommen beträgt rund 280 Euro. Seit der politischen Wende vor einem Jahrzehnt warten die Menschen vergebens, dass sich etwas radikal ändert. Die Stimmung schwankt unterdessen zwischen Frustration und Apathie. (Andrej Ivanji aus Belgrad /DER STANDARD, Printausgabe, 29.1.2011)

Kommentar posten
23 Postings
Gjergj_K
 
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Wöruber beschwehren die sich. Die Verdienen 32% mehr als der Durchschnitt und haben mehr Ferien.

p c2
00
31.1.2011, 14:25
bürokratieabbau...

..wäre schon mal ein guter anfang.

aber das haben politiker noch nie verstanden.

verwundert nicht, wo doch für diese regierung die eurokraten so etwas wie ein vorbild darstellen.

p c2
00
31.1.2011, 21:28

wenn sie sich dessen bewusst sind, wieso hoffen sie dann dass sich gewerkschaften solidarisieren?

gewerkschaften sind selber teil der bürokratie und nur in seltensten fällen wirklich sinnvoll.

Vollmeise
 
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Sie sind sinnvoll, weil man so besser "gemeinsame" Interessen der jeweils Betroffenen durchsetzen kann. Ich finde es gut, dass sich weitere Gewerkschaften angeschlossen haben und hoffe weiterhin, dass es etwas bringt.

Es hat sich zwar bis in die Standard-Foren noch nicht rumgesprochen, aber den Nationalismus kann man nicht essen. Die wirklichen Problemen in Serbien sind Armut, Korruption, Arbeitslosigkeit usw., aber das scheint ja hier niemanden zu interessieren. Bei jedem Kosovo-Thema versammelt sich die serbische Postergemeinschaft und wiederholt "Kosovo ist Serbien", und wenn es um reale Probleme geht, hat keiner was zu sagen.

Na bitte, soll mir recht sein.

p c2
00
Sie sind sinnvoll, weil man so besser "gemeinsame" Interessen der jeweils Betroffenen durchsetzen kann.

klar.

selbst dann wenn die interessen gar nicht finanziert werden können.

"Es hat sich zwar bis in die Standard-Foren noch nicht rumgesprochen, aber den Nationalismus kann man nicht essen."

richtig.

nixversteher (gutmenschen) leisten ebenfalls ihren beitrag dazu, dass das essen teurer wird.

was ja wunderbar zu sehen ist.
aber egal, ich gehe trotzdem nicht davon aus, dass sie das verstehen werden.
was ja auch der grund weshalb diese art von menschen meistens mit "nationalismus" und ählichem bla bla argumentieren.

Vollmeise
 
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<<aber egal, ich gehe trotzdem nicht davon aus, dass sie das verstehen werden. >>

Sehr schön.

Auf Wiedersehen.

Vollmeise
 
00
31.1.2011, 18:06

Aber wer würde auf die Wiege von Korruption und Nepotismus verzichten wollen? Das geht nicht! Wo würde man dann die ganze Familie, entfernte Verwandte, Nachbarn, Freunde, LiebhaberInnen, Ichschuldeihmwas und sonstiges beschäftigen? (Das ist übrigens noch schlimmer in BiH als in Serbien, da der Bürokratieapparat noch größer ist).

Vollmeise
 
01
30.1.2011, 20:49

Ich hoffe, dass sich die Bevölkerung und die anderen Gewerkschaften mit den Lehrern solidarisieren und sie unterschtützen werden.

Kroate061.
65
29.1.2011, 10:44
"Leere Staatskasse" -"Akkumulation der Unzufriedenheit"-Armut-Arbeitslosigkeit-Türen aus Pappe

....aber große klappe haben wollen und weltmacht spielen wollen

Naja2008
00

langsam wird Deine Hetzerei langweilig. Irgendwie ist es immer das selbe was von Dir kommt. *gähn*

Sasa Yugo
24
29.1.2011, 16:18

In Kroatien lebt es sich ja deutlich besser....

Zürcher
13
29.1.2011, 13:05

Ich denke mit Regionalmacht geben sie sich auch zufrieden ;) Der Nachbarschaft geht es genau so schlecht, die ganze Region hat die selben Probleme. Und überall liefet man die gleichen Erklärungen/Lösungen.

Kroate061.
42
29.1.2011, 15:53
Regionalmacht?? ;))

wie? als kriegsverlierer,also ich bitte sie man sollte schon die kirche im dorf lassen.

Gegenflieger
05
29.1.2011, 20:44

Bitte,ich bin selber Kroate,aber in den Nachbarstaaten schaut es auch nicht Rosig aus.
Und Bosnien gärt schon.

Zürcher
02
28.1.2011, 21:04
traurig aber wahr

Wichtig ist, dass sich die Leute nicht mehr mit den EU-Versprechungen ködern lassen. In der jüngeren Vergangenheit wurde die EU als Allheilmittel verkauft, welches alle Probleme lösen wird. Wenn man nicht wüsste wovon die Politiker sprechen, würde man meinen, es handle sich um das Paradies! Nun tritt aber Ernüchterung auf, die EU-Mitglieder haben selbst gewaltige Finanzprobleme und die Serbische Regierung gerät unter Erklärungsnot. Die Leute wollen Lösungen für die realen Alltagsprobleme und keine leeren EU-Versprechungen.
Bin kein EU-Gegner, jedoch ist es lächerlich, die EU als Wunderlösung zu verkaufen und alle Probleme der Finanzkrise zuzuschreiben. Versprechungen wurden schlicht nicht eingehalten, siehe FIAT in Kragujevac etc.

Valjevac
05
29.1.2011, 10:25
Wollen wir mal hoffen das die GELBROTE Regierung bald abgesetzt wird.

Old Surehand
00
30.1.2011, 10:08
Wen wünschten Sie sich denn

in die Regierung?

pierNick
 
08
28.1.2011, 20:05
Das wäre ein Thema für die EU.

Stabilisierung, aber richtig.
Statt dessen werden übergeschnappte Banker gefödert. Und wer nimmt dann die serbischen Wirtschaftsflüchtlinge als Hilfsarbeiter auf? Genau!
Dieselbe EU, A und D allen voran. Kolonialismus reloaded. Sch..verein.

Kroate0612
51
29.1.2011, 08:04
was hat die EU damit zu tun?

Sasa Yugo
20
29.1.2011, 16:19
Eine Menge....

einen wirtschaftlichen isolierten Staat, weiterhin ausbeuten und bis aufs letzte aussaugen

Old Surehand
11
30.1.2011, 10:12
????

Die EU saugt Setbien aus? Empfehle sich betr. der EU-Zahlungen an Serbien zunächst zu informieren. Achgottogott, diese unsägliche Messe der Halbwahrheiten, Desinformation & Eigneschöneweltkonstruktion...unsäglich

tramtatam
01
29.1.2011, 11:16

siehe Beitrag des Vorposters.

pierNick
 
12
29.1.2011, 10:47
Die EU hat damit zu tun, weil sie sich einen

Dreck um die Menschen kümmert, sondern ihre "Leistungsträger" sich damit beschäftigen, irgendwelchen Ganoven in "Hoffnungsmärkten" Millionen in den Arsch zu blasen, um dann die erhofften Gewinne zurück in den Westen zu schaffen,
am besten nach Liechtenstein.
Die HAAG Kärnten, die Sanader-Clique sind ein treffliches Beispiel, lieber Kroate. Wenn´s schief geht, zahlt der Steuerzahler. Und wie gesagt, die übrug gebliebenen Menschen sickern dann in den Westen und verkaufen ihre Muskeln für ein paar Euro.

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