Ex-Geheimdienst SHIK von Unterwelt finanziert

28. Jänner 2011, 17:06
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SHIK galt als Polizei der Demokratischen Partei Thacis

Prishtina - Der ehemalige kosovarische Geheimdienst SHIK hat sich angeblich von der Unterwelt finanzieren lassen. Das berichtete die Tageszeitung "Koha Ditore" am Freitag in Prishtina (Pristina). Laut einem Bericht von US-Geheimdienstmitarbeitern in der internationalen Schutztruppe KFOR, auf den sich das kosovarische Blatt nun beruft, hatte SHIK "enge Kontakte" zu einer großen Anzahl krimineller Organisationen unterhalten. Man habe zudem zu Einschüchterungstaktik gegriffen, um sich von Unternehmen finanzielle Unterstützung zu sichern, berichtete die Zeitung.

Dem Blatt zufolge galt der gleich nach dem Kosovo-Krieg (1998-99) gebildete Geheimdienst eigentlich als die Polizei der Demokratischen Partei (PDK) des derzeitigen Premiers Hashim Thaci. Er hatte etwa 3.000 Angehörige aus den Reihen der "Befreiungsarmee des Kosovo" (UCK). Ebenso viele Angehörige zählte auch das inzwischen ebenfalls aufgelöste Kosovo-Schutzkorps, das nach der UCK-Auflösung gebildet wurde.

SHIK geriet ins Rampenlicht, als ein ehemaliger Angehöriger im November 2009 mehrere PDK-Spitzenfunktionäre beschuldigte, zwischen 1999 und 2006 an 17 Morden an politischen Gegnern beteiligt gewesen zu sein. Zwei Personen sind in diesem Fall bisher angeklagt worden. Der Geheimdienst wurde nach der Verkündung der Unabhängigkeit des Kosovo vor knapp drei Jahren offiziell aufgelöst, in Prishtina gibt es aber immer wieder Gerüchte, dass er seine Aktivitäten nicht eingestellt habe.

In einem Bericht des Europarates wurde Premier Thaci Mitte Dezember beschuldigt, an der Spitze einer kriminellen kosovarischen Gruppe zu stehen, die nach dem Krieg in Organhandel verwickelt gewesen sein soll. (APA)

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