Zehntausende bei Trauermarsch für getötete Demonstranten

28. Jänner 2011, 19:06
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Polizei riegelt Regierungssitz ab

Tirana - Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen sind in der albanischen Hauptstadt Tirana am Freitag Zehntausende zur Erinnerung an drei vor einer Woche getötete Demonstranten auf die Straße gegangen. Der Trauermarsch, zu dem die sozialistische Opposition aufgerufen hatte, verlief friedlich und ohne Zwischenfälle. Die Polizei hatte zuvor vor Ausschreitungen gewarnt. Vor dem Regierungssitz, der durch eine dreifache Kette von Polizisten sowie mehrere Dutzend bewaffneter Mitglieder der Sondereinsatzkräfte abgeschirmt war, wurden riesige Bilder der drei erschossenen Demonstranten aufgestellt.

Der Marsch wurde von Tiranas Bürgermeister Edi Rama, der auch Parteichef der oppositionellen Sozialisten ist, und den Familien der Toten angeführt. Zahlreiche Teilnehmer trugen Blumen, die Kinder der Opfer weinten beim Anblick der Bilder ihrer erschossenen Väter. Nach Angaben der Veranstalter nahmen rund 200.000 Menschen an der Kundgebung teil, die Polizei wollte keine Zahl nennen. Der Zug löste sich am späten Nachmittag auf, ohne dass Zwischenfälle gemeldet wurden.

"Es wird Blumen und Kerzen geben"

Das Fernsehen hatte am Vormittag wiederholt eine Botschaft Edi Ramas gesendet, in der er seine Anhänger zur Zurückhaltung aufrief. "Ich will euch versichern, dass es friedlich und ruhig sein wird, es wird Blumen und Kerzen geben", sagte er. Er ersuchte die Teilnehmer, sich aller Provokationen zu enthalten. Anders als vorher angekündigt, sprach er dann aber nicht direkt zu den Demonstranten.

Die Polizei hatte zuvor gewarnt, dass die Demonstration "eine Gefahr für die nationale Sicherheit" darstelle, und dass sie nach den vergangenen Protesten den sicheren Verlauf des Marsches "nicht garantieren" könne. Ministerpräsident Sali Berisha hatte am Mittwoch auf internationalen Druck hin eine für Samstag geplante Demonstration seiner Anhänger abgesagt.

Am Freitag befand sich der litauische Vize-Außenminister Evaldas Ignatavicius im Auftrag der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zu Gesprächen mit Regierung und Opposition in Tirana. Wie die Präsidentschaft mitteilte, ermahnte er bei einem Treffen mit Staatspräsident Bamir Topi alle politischen Parteien, sich um ein Ende der Krise zu bemühen.

Am vergangenen Freitag war es bei einer gegen die konservative Regierung gerichteten Demonstration in Tirana zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei gekommen, dabei wurden die drei Männer durch Schüsse getötet. (APA)

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