Polizei riegelt Regierungssitz ab
Tirana - Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen sind in der
albanischen Hauptstadt Tirana am Freitag Zehntausende zur Erinnerung an drei vor
einer Woche getötete Demonstranten auf die Straße gegangen. Der Trauermarsch, zu
dem die sozialistische Opposition aufgerufen hatte, verlief friedlich und ohne
Zwischenfälle. Die Polizei hatte zuvor vor Ausschreitungen gewarnt. Vor dem
Regierungssitz, der durch eine dreifache Kette von Polizisten sowie mehrere
Dutzend bewaffneter Mitglieder der Sondereinsatzkräfte abgeschirmt war, wurden
riesige Bilder der drei erschossenen Demonstranten aufgestellt.
Der Marsch wurde von Tiranas Bürgermeister Edi Rama, der auch Parteichef der
oppositionellen Sozialisten ist, und den Familien der Toten angeführt.
Zahlreiche Teilnehmer trugen Blumen, die Kinder der Opfer weinten beim Anblick
der Bilder ihrer erschossenen Väter. Nach Angaben der Veranstalter nahmen rund
200.000 Menschen an der Kundgebung teil, die Polizei wollte keine Zahl nennen.
Der Zug löste sich am späten Nachmittag auf, ohne dass Zwischenfälle gemeldet
wurden.
"Es wird Blumen und Kerzen geben"
Das Fernsehen hatte am Vormittag wiederholt eine Botschaft Edi Ramas
gesendet, in der er seine Anhänger zur Zurückhaltung aufrief. "Ich will euch
versichern, dass es friedlich und ruhig sein wird, es wird Blumen und Kerzen
geben", sagte er. Er ersuchte die Teilnehmer, sich aller Provokationen zu
enthalten. Anders als vorher angekündigt, sprach er dann aber nicht direkt zu
den Demonstranten.
Die Polizei hatte zuvor gewarnt, dass die Demonstration "eine Gefahr für die
nationale Sicherheit" darstelle, und dass sie nach den vergangenen Protesten den
sicheren Verlauf des Marsches "nicht garantieren" könne. Ministerpräsident Sali
Berisha hatte am Mittwoch auf internationalen Druck hin eine für Samstag
geplante Demonstration seiner Anhänger abgesagt.
Am Freitag befand sich der litauische Vize-Außenminister Evaldas Ignatavicius
im Auftrag der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE)
zu Gesprächen mit Regierung und Opposition in Tirana. Wie die Präsidentschaft
mitteilte, ermahnte er bei einem Treffen mit Staatspräsident Bamir Topi alle
politischen Parteien, sich um ein Ende der Krise zu bemühen.
Am vergangenen Freitag war es bei einer gegen die konservative Regierung
gerichteten Demonstration in Tirana zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei
gekommen, dabei wurden die drei Männer durch Schüsse getötet. (APA)