Wie, wann und warum gerade einen MBA?

30. Jänner 2011, 16:45
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Der Master of Business Administration (MBA) steht hoch im Kurs und ist ein Karrieretreiber, wenn man den richtigen wählt

Wer glaube, dass der berufliche Erfolg einen MBA notwendig mache, täusche sich, schreibt Matt Symonds im Economist "Which MBA". Sicher gerate man - vor allem in den traditionellen MBA-Anbieter-Ländern - in die Situation, in Zugzwang treten zu müssen, wenn man feststellt, dass etwa in Indien die Nachfrage nach postgradualer Business-Ausbildung sich aktuell in unvorhersehbare Höhen schwinge.

In solchen Momenten mache man sich Gedanken über seine persönliche Konkurrenzfähigkeit, über seinen "Wert am Markt" und vor allem über dessen Steigerung. Stelle sich also der MBA als eine Option dar, harrten gleich weitere Fragen einer möglichst raschen Antwort. So etwa die Frage, ob ein nicht unerhebliches Investment für einen MBA für einen dann nicht garantierten beruflichen Aufstieg stehe. Als problematisch stelle sich auch die Tatsache dar, seinen Arbeitsplatz zu verlassen - für ein bis zwei Jahre - und auf Einkommen zu verzichten, wenn man es denn auf eigene Faust versuchen möchte. Und davon solle man zunächst ausgehen, so Symonds sinngemäß.

Die meisten Schulen werben damit, dass ihren Studenten bzw. Absolventen über einen MBA eine Vielzahl an Karrieremöglichkeiten eröffnet werden, ebenso wie neue Bereiche für die Erweiterung individueller Expertise. Aber was ist, wenn - aufgrund der geringen inhaltlichen Unterschiede - der MBA letztlich zu einem sehr austauschbaren Produkt geworden ist? Ist das der Karriere auch zuträglich? Symonds klare Antwort darauf lautet: Ja. Noch immer. Aber nur mit dem richtig gewählten Programm stelle sich auch der gewünschte Erfolg ein, sagt er.

Bei der MBA-Wahl sollten weniger Rankings eine Rolle spielen, es sollte sich im Zuge der Suche klar herausstellen, warum man einen MBA machen möchte und was genau man mit dem Abschluss verfolgt. Wichtige Treiber für die richtige Wahl:

  • Neue Karriereausrichtung Die meisten Menschen, die ein MBA-Studium belegen, vertiefen und erweitern damit ihre Expertise. "Kein Personaler würde sie in einen Fachbereich aufnehmen wollen, mit dem sie vorher rein gar nichts oder nur marginal zu tun gehabt haben - außer sie tragen ein Kürzel mit drei Buchstaben hinter ihrem Namen", zitiert Symonds einen Chef-Recruiter.

Um einen völlig neuen Pfad erfolgreich einschlagen und fortsetzen zu können, raten Experten zu Programmen an Top-Schulen, an denen Organisationen nach Zukunftspotenzialen Ausschau halten, weniger nach aktuellen Kompetenzen. für das Gelingen sein.

  • Gründung eines eigenen Unternehmens Aus einem nicht unternehmerisch aufgestellten Menschen wird auch ein Top-MBA keinen Unternehmer machen. Allerdings könne eine solche Ausbildung vorhandene Kompetenzen durchaus schärfen.

Die besten Anbieter, so Symonds, bieten in den Klassen eine gute Durchmischung aus "klassischen" Akademikern und Menschen, die ihr eigenes Geschäft bereits aufgebaut haben und nach akademischem Input suchen. Lehrgangsgruppen sollten aus unterschiedlichsten Kulturen und Nationalitäten zusammengestellt sein. Warum? Weil Start-ups dieser Tage sofort in einem globalen Kontext positioniert werden können. Allein dafür sei es für den Unternehmenserfolg wichtig, aus erster Hand über Unternehmensführung (z. B.) in Schlüsselmärkten zu erfahren, heißt es.

  • Mehr Gehalt, ein besserer Job, höhere Mobilität Der bessere Job, mehr Geld und die berufliche Erfüllung - diese Dinge werden selten von einem auf den anderen Tag wahr. Auch seien die Tage, in denen einem der Blick auf den ersten Gehaltszettel vor Glück die Tränen in die Augen trieb, vorbei, so Symonds. Auch manifestieren sich die echten Vorteile einer hochwertigen und kostspieligen Ausbildung meist in zeitlicher Verschiebung. Entsprechend sollte man Ausschau nach Angeboten halten, die einen dabei unterstützen, die eigenen Fähigkeiten weiterzuentwickeln, die auf lange Sicht betrachtet sinnvoll sein können.

Auch sollte man in diesem Zusammenhang darüber nachdenken, wo sich die Schule befindet, also wo man die folgenden Jahre auch geografisch verortet sein möchte. Viele Schulen sind regional stark verankert, arbeiten eng mit umliegenden Unternehmen zusammen, aber nicht alle verfügen über globale Reputation und Einfluss.

  • Internationales Netzwerk aufbauen Viele ehemalige MBA-Absolventen sagen, dass das Brauchbarste, das sie aus der Studienzeit mitgenommen haben, ein Adressenverzeichnis ist, so Symonds. "Überlegen Sie, von welcher Art von Netzwerk Sie am meisten profitieren würden", sagt er. Viele Schulen investieren viel Zeit und Geld darin, möglichst durchmischte internationale Gruppen aufzubauen - entsprechend seien diese Netzwerke wichtig, wenn eine internationale Wirtschaftskarriere aufgebaut werden soll. Weniger brauchbar sei ein Netzwerk dieser Art, wenn man sich auf den öffentlichen Sektor im eigenen Land fokussieren wolle.
  • Internationale Erfahrung sammeln Immer mehr fassen einen MBA im Ausland ins Auge. Nette Umgebung und angenehmes Klima sollten dabei als Entscheidungskriterien eher hinten gereiht sein. Die Effizienz der Internationalität ergibt sich vielmehr aus folgenden Kriterien: Werden internationale Austauschprogramme oder Studienreisen angeboten? In welchen Ländern bekommen Absolventen ihre Jobs?
  • Wissen und Erfahrung vertiefen, ohne sich dabei zu verschulden MBA-Ausbildungen, vor allem die guten, sind teuer. Dennoch sollte das allein Ihnen nicht den Wind komplett aus den Segeln nehmen. Es gibt - auch bei den Top-US-Anbietern - mittlerweile ganz ansprechende Finanzierungssysteme, die sich z. B. nach zukünftigen Gehältern ausrichten. Oder Darlehen, die innerhalb von sieben Jahren nach Abschluss beglichen werden können.(haa/DER STANDARD; Printausgabe, 29./30.1.2011)
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    Ein MBA soll Bares bringen.

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