Neues Wiener Regional-TV geht an Bohmann-Verlag

28. Jänner 2011, 17:38
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Der Fachverlag will noch heuer einen neuen TV-Sender für Ostösterreich starten - Die Stadt Wien bot schon Kooperationen an - Interesse an burgenländischem BKF

Rudolf Mathias behielt recht. "Ernsthafte" Bewerber sah der Manager des großen Presse- und Informationsdiensts (PID) der Stadt Wien im November 2010 für die neu ausgeschriebene regionale Fernsehlizenz, die den Osten Österreichs über Antenne abdeckt, darunter Bohmann. Freitag erhielt der Wiener Fachverlag mit 30 Millionen Euro Jahresumsatz, 180 Mitarbeitern und großen Aufträgen der Stadt etwa für Wien.at, den Zuschlag.

Gerhard Milletich, Geschäftsführer und Hälfteeigentümer, bestätigt dem STANDARD: Noch 2011 soll der regionale Fernsehkanal über die digitale Plattform Multiplex B on air gehen. Arbeitstitel: "Schau-TV" mit auffällig bunter Figur als Logo-Entwurf. Als bildschirmtauglich muss sich es sich noch erweisen.

Bohmann plant Regionalprogramm von Politik, Chronik, Kultur, Kultur und Sport bis Shopping, Reise, Events, Genuss und neue Medien. Auf Sicht zwei Stunden täglich neues Programm in Wiederholung.

Unter vier TV-Bewerbern habe das Projekt die Auswahlkriterien - von Regional- und Österreichbezug über Kultur bis Meinungsvielfalt - "am besten erfüllt" , sagt ORS-Sprecher Michael Weber und verweist auf ein Gutachten von Kommunikationswissenschafter Fritz Hausjell. Die ORF-Sendertochter betreibt die digitale TV-Plattform.

Interesse an BKF

Milletich will mit Mitbewerbern wie Okto, Medienberater Michael Grabner und TV-Produzent Rudolf Klingohr (Interspot) über Partnerschaften und Beteiligungen verhandeln. "Interesse" bestätigt Milletich am burgenländischen Regionalkabelfernsehen.

Erst 2010 scheiterte der niederösterreichische Kabelunternehmer N1TV mit einer regionalen Antennen-Plattform für Ostösterreich (Multiplex C), den der Betreiber inzwischen der Medienbehörde zurückgegeben hat. Wirtschaftliche Tragfähigkeit des Projekts und seiner Betreiber war eines der wesentlichen Auswahlkriterien der 0RS bei der nunmehrigen Vergabe des Programmplatzes auf Multiplex B, erklärt ORS-Mann Weber. Der Bohmann-Verlag besteht seit 73 Jahren, er gehört nach dem Gründer und seinem Sohn Rudolf Bohmann, dem internationalen Verlagsmulti Wolters Kluwer nun seit 2004 den Geschäftsführern Milletich und Gabriele Ambros. Und die gewichtige Stadt Wien verfolgt das TV-Projekt offenbar mit Wohlwollen.

"Schwer, aber nicht auszuschließen"

Mittelfristig soll der Kanal für Ostösterreich laut Milletich auch über Kabel und Satellit die "Zentropa" -Region bestrahlen. Der Verlagsmanager sieht wirtschaftliche Chancen für den neuen Sender und hofft nach einer Anlaufphase auch auf entsprechende Werbekunden.

Puls 4, heute bundesweit, startete auch als Regional-TV. "Über nationale Werbekunden ist ein solcher Sender nicht finanzierbar", kann Puls-Chef Markus Breitenecker "aus Erfahrung sagen." Aber:"Wenn man andere Finanzierungsmodelle hat, ist das schwer, aber nicht auszuschließen."

PID-Manager Rudolf Mathias konnte sich schon im November im STANDARD "Partnerschaften" mit dem neuen Regionalfernsehsender auf Leistungsebene vorstellen. (Harald Fidler, DER STANDARD; Printausgabe, 29/30.1.2011)

  • Bohmann-Geschäftsführer und -Gesellschafter Gerhard Milletich
    foto: bohmann-verlag

    Bohmann-Geschäftsführer und -Gesellschafter Gerhard Milletich

  • Auffällig bunt der Logo-Entwurf für "Schau-TV" , das der Bohmann-Verlag plant.
    foto: schau

    Auffällig bunt der Logo-Entwurf für "Schau-TV" , das der Bohmann-Verlag plant.

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