Tierphobien: Nicht angeboren, aber im Ansatz angelegt und flugs erlernt

30. Jänner 2011, 12:02
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Offenbar können wir aber von Geburt an "verdächtiges" Kleingetier schneller erkennen als andere Objekte

New York - Tierphobien sind nicht angeboren, wie eine US-Studie an Kleinkindern verschiedenen Alters vor kurzem einmal mehr demonstrierte. Sie zeigte aber auch, dass die Angst vor beispielsweise Schlangen oder Spinnen in der frühen Lebensphase auffällig schnell erlernt werden kann - und dass diese Tiere schneller menschliche Aufmerksamkeit wecken als andere Objekte.

Das Forscherteam von der Rutgers-Universität in New Jersey zeigte Kindern im Alter von sieben Monaten nebeneinander zwei Videos: Eines zeigte eine Schlange, das andere ein Tier, das niemand mit Phobien in Zusammenhang bringt - übrigens gänzlich ungeachtet dessen tatsächlichen Gefahrenpotenzials: etwa einen Elefanten. Angst zeigten die Kinder bei beiden nicht - erst durch die Kombination mit ängstlichen Stimmen oder Bilder von angsterfüllten Gesichtern setzte ein "Lernprozess" ein. Der braucht allerdings Zeit.

Was wirklich angeboren sein dürfte

Interessant war aber auch, dass die Aufmerksamkeit für beispielsweise Schlangen oder Spinnen größer war als für anderes: In einem weiteren Versuch sahen Dreijährige eine Reihe von Fotos, die Schlangen und "harmlose" Objekte wie Blumen zeigten. Sollten sie eines davon auswählen, so entschieden sie sich schneller für Schlangen als für andere Motive. Diese Tiere wurden in einer Bildzusammenstellung schneller identifiziert als andere Objekte - ein Muster, das sich auch bei erwachsenen Versuchsteilnehmen zeigte. Diese Verzerrung war unabhängig davon, ob vor dem Tier Angst empfunden wurde oder nicht.

Die Forscher schließen daraus, dass es tatsächlich einen evolutionären Hintergrund gibt, der uns von Geburt an auf Schlangen, Spinnen & Co besonders aufmerksam macht. Diese Aufmerksamkeit ist zunächst jedoch nicht mit Angst verbunden - letzteres erlernen wir erst, wenn wir in frühester Kindheit entsprechende Reaktionen unserer Umgebung registriert haben. "Zwei Aspekte machen Schlangen und Spinnen besonders", resümiert Vanessa LoBue, die die Studie im Fachblatt "Current Directions in Psychological Science" vorstellt. "Zum einen entdecken wir sie sehr schnell. Und wir lernen sehr schnell, uns davor zu fürchten." (APA/red)

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    Aus der "richtigen" Perspektive betrachtet, weckt dieses Werk der französischen Künstlerin Louise Bourgeois Erinnerungen an den Gruselklassiker "Tarantula". (Wir wollten Sie beim Thema Arachnophobie zur Abwechslung mal nicht mit einem aus der Biologie gegriffenen Bild schocken.)

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