Epilepsie: Wie Gehirn­regionen kommunizieren

28. Jänner 2011, 14:39
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Bonner Wissenschafter untersuchten epileptische Anfälle und Phasen zwischen den Anfällen

Bonn - In der Epilepsieforschung ist immer noch wenig bekannt darüber, wie und warum es zu epileptischen Anfällen kommt. Forscher der Universität Bonn liefern nun in einer neuen Studie wichtige Erkenntnisse darüber, welche Reaktionen im Gehirn eines Epilepsiepatienten ablaufen. Dabei haben sie nicht nur den Zeitraum, in dem ein Anfall geschieht, sondern auch normale Phasen untersucht und sind zu überraschenden Ergebnissen gekommen. Die Studie ist in der Zeitschrift "Chaos" erschienen.

Die Forscher in der Universitätsklinik für Epileptologie haben untersucht, wie Hirnregionen bei Epilepsiepatienten miteinander kommunizieren und wie sich diese Kommunikation bei einem Anfall verändert. Dazu haben sie die Hirnaktivität mit Elektroden im Schädel gemessen. Dabei haben die Wissenschaftler haben nicht nur, wie bislang üblich, wenige Minuten während des Anfalls gemessen, sondern über mindestens zwei Tage, im längsten Fall sogar über zehn Tage. Diese lange Dauer der Untersuchung sei bislang einzigartig, hieß es seitens der Universität in einer Aussendung. Zumal sich die Patienten während der Untersuchung verhielten wie in ihrem normalen Alltag: Sie schauten fern, lasen oder telefonierten. Insgesamt wurden 13 Patienten untersucht.

Über ihre Messungen konnten die Forscher rekonstruieren, wie die Regionen im Gehirn miteinander kommunizieren. Mit Hilfe dieser Netzwerkanalysen hoffen die Forscher in Zukunft, Anfälle besser vorher zu sehen. "Man sollte meinen, dass man mit diesen Methoden Vorboten für Anfälle im Gehirn sieht. Aber das ist bislang nicht der Fall", erklärt die Leiterin der Untersuchung, Marie-Therese Kuhnert.

Geringe Netzwerkänderungen bei Anfällen

Tagsüber ist die Kopplung verschiedener Regionen im Gehirn gering, nachts arbeiten sie eher im Gleichklang. Während eines epileptischen Anfalls, so wird angenommen, ist die Gleichschaltung jedoch noch viel stärker. Überraschenderweise zeigten die Netzwerkanalysen aber, dass Veränderungen der Kommunikation zwischen den Hirnregionen durch den Tag-Nacht-Wechsel oder auch durch Medikamente viel deutlicher waren als vor oder sogar während epileptischer Anfälle. "Wir müssen nun die 'normalen' Phasen zwischen den Anfällen besser verstehen", betont Kuhnert. "Wir wollen aber auch die Analysemethoden weiter verbessern, um mögliche Veränderungen vor einem epileptischen Anfall besser zu erkennen." Die Wissenschafter waren vom Ausgang ihrer Untersuchung selbst überrascht. "Vor allem hätten wir nicht gedacht, dass die Netzwerkänderungen bei epileptischen Anfällen so gering sind", so Kuhnert. (red)

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