Danke für die Doris!

28. Jänner 2011, 17:32
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Wie Programmier-Schelme Handy-Kunden foppen

Manche Fehler rächen sich bitter. Halb aus Nachlässigkeit, halb aus Torheit habe ich es verabsäumt, dem Rechtschreibprogramm auf meinem iPhone das Maul zu stopfen, weshalb es aus den Untiefen der Software heraus ständig ungestraft Allotria treiben kann.

Kürzlich schickte mir meine liebe Freundin M. ein paar Fotos. Ich bedankte mich per SMS und schrieb: "Danke für die Fotos." Das Rechtschreibprogramm besserte auf "Danke für die Doris" aus. Echt funky. Zum Glück habe ich die "Verbesserung" rechtzeitig entdeckt und rückgängig gemacht. Es ist sozial unvorteilhaft, wenn man eine SMS mit dem Inhalt "Danke für die Doris" verschickt. Die Empfänger halten einen für alkoholisiert, vollgekokst oder geistig verwirrt und denken sich ihren Teil.

Es ist schwer, einen deutschen Satz auszuhecken, in dem "Doris" und "Fotos" sinnvoll gegeneinander ausgetauscht werden könnten: "Nicht versäumen: Heute Abend ,Helden von morgem' mit Fotos Golpaschin." "Heuer habe ich im Urlaub viele gute Doris geknipst." In beiden Fällen: Kannitverstan. Semantik nix gut. Ein Rechtschreibprogramm, das "Fotos" durch "Doris" ersetzt, hat das Sprachgefühl eines kroatischen Grottenolms. Und es wurde wohl von einem jener zweifelhaften Scherzkekse programmiert, wie sie zu Tausenden in unseren Softwareschmieden herumlungern.

Rechtschreibprogramm-Programmierer sind die Parias der Programmierwelt. Outcasts, die es nicht geschafft haben, "Farmville" oder "Angry Birds" zu programmieren. Ressentimentgeladene Loser, die den globalen SMS-Verkehr unter dem Vorwand der orthografischen Weltverbesserung mit fiesen Fehlern verunzieren. Danke für die Doris! Was kommt als Nächstes? Danke für die Dosis? Danke für die Wirrnis? Danke für den Penis? Danke für den Iltis? Ich sehe die Programmier-Schelme vor mir, wie sie sich im blauen Dämmerlicht der Computerbildschirme schmutzig die Hände reiben und kindisch keckern.

Mit mir aber nicht, liebe Freunde! Ich werde jetzt mein iPhone durchflöhen, bis ich den Aus-Knopf für die Rechtschreibsoftware gefunden habe, und ihr dann auf Nimmerwiedersehen das Gas abdrehen. Und wenn ich den Knopf nicht finde? Dann müssen ein paar feste Hammerschläge oder ein Säurebad her. Im Zweifelsfall ist die Hardware-Lösung eh immer die sauberere. (Christoph Winder, DER STANDARD - Printausgabe, 29./30. Jänner 2011)

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