"Frauen nicht mit Quoten reinpressen"

28. Jänner 2011, 17:21
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Françoise Gri, die Frankreich-Chefin des weltweit größten Arbeitsvermittlers Manpower, hält nichts von Quotenregelungen für Managementposten, wohl aber von solchen für Aufsichtsräte, sagte sie Alexandra Föderl-Schmid

Standard: Beim Weltwirtschaftsforum ist eines der zentralen Themen, wie man die Repräsentanz von Frauen in Toppositionen erhöhen kann. Wobei die vorgeschlagene Quote der Organisatoren, dass die Unternehmen für fünf Männer mindestens eine Frau nach Davos schicken, nicht erfüllt wurde. Sind Sie für Quotenregelung?

Françoise Gri: Nein, ich halte nichts davon. Die Geschäftswelt ist derzeit männlich dominiert. Es macht keinen Sinn. Man soll Frauen nicht mit Quoten reinpressen. Man muss zuerst mehr Frauen in die Geschäftswelt und in Toppositionen bringen.

Standard: Aber wie schafft man das? In Norwegen gibt es etwa eine 40-Prozent-Quotenregelung für weibliche Aufsichtsräte.

Gil: Quoten für Managementpositionen sind nicht sinnvoll, aber in Frankreich wurde 2010 ein Gesetz verabschiedet, das Quoten für Aufsichtsräte vorschreibt. 20 Prozent innerhalb von drei Jahren, 40 Prozent nach sechs Jahren. Das ist machbar. Große Fortschritte wurden in den vergangenen Monaten erzielt, denn bisher gab es weniger als acht Prozent. Und wer kein weibliches Mitglied hat, musste binnen sechs Monaten eines benennen. Das ist symbolisch sehr wichtig.

Standard: Nur symbolisch, nicht praktisch?

Gil: Man kann dies für Debatten über mehr Frauen in Führungspositionen sehr gut nutzen. Es hilft Frauen auch, Fragen in ihren Unternehmen zu stellen: Wie sieht die Diversifikationsstrategie aus? Wie werden talentierte Frauen gefördert? Wer kümmert sich um Frauen nach der Babypause? An diesem kritischen Punkt gehen viele Talente verloren.

Standard: In Österreich gibt es derzeit eine große Debatte über gleiche Bezahlung von Männern und Frauen. In Frankreich gibt es seit 2006 ein Gesetz zur Lohngleichheit für Männer und Frauen. Es verpflichtet Unternehmen, bis zum 31. Dezember 2010 unter anderem Maßnahmen zur Beseitigung der Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern zu ergreifen. Was hat das gebracht?

Gil: Alle Unternehmen, die ihre Bilanz veröffentlichen, müssen seit vier Jahren jedes Jahr die Gehälter nach Einkommensstufen und Geschlecht geordnet veröffentlichen. Die Erfahrung ist: Es gibt nur sehr langsame Fortschritte. Aber es gibt Firmen wie Axa, die sich entschlossen haben, voranzumarschieren. Sie haben einen längerfristigen Plan entwickelt, wie die Gehälter von Frauen angehoben werden. Das hat Priorität in dem Unternehmen. Diese guten Beispiele halten auch die Diskussion am Laufen.

Standard: Raten Sie Firmen, Frauen zu ermutigen, nach der Geburt rasch in den Beruf einzusteigen? Gil: Natürlich. Da gibt es einen großen Talentpool. In Österreich sind zwar viele Fortschritte erreicht worden, wie man auf die Arbeit von Frauen schaut. Aber in Österreich arbeiten viele Teilzeit. Diese Frauen haben dann für viele Jahre keinen Zugang, um Führungspositionen zu erreichen.

Standard: Frankreich hat sehr gute Kinderbetreuungseinrichtungen und ist ein Beispiel dafür, wie man die Erwerbsquote von Frauen steigern kann.

Gil: Ja, Mütter können und wollen auch arbeiten. Ich selbst habe zwei Kinder, und man kann beides vereinbaren. Es ist nicht so kompliziert, wenn es von staatlicher Seite Unterstützung gibt. Es geht auch darum, wie man die Sachen anpackt und wie die Gesellschaft darauf antwortet. Dass man Frauen als schlechte Mütter bezeichnet, wenn sie arbeiten, ist falsch.

(Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD Printausgabe 29./30.01.2011)

FranÇoise Gri (53) wurde vom Magazin "Fortune" zum siebenten Mal in Folge auf die Liste der 50 einflussreichsten Frauen der internationalen Geschäftswelt gesetzt. Gil leitet die französische Niederlassung des Arbeitsvermittlers Manpower, die mit fünf Milliarden Euro ein Drittel zum Gesamtergebnis des weltweiten Konzerns beiträgt.

  • Sie ist Arbeitsvermittlerin, Mutter von zwei Kindern und gehört zu den 
fünfzig einflussreichsten Frauen der internationalen Geschäftswelt: 
Françoise Gri. Dass Frauen, die Kinder haben und arbeiten, als schlechte
 Mütter bezeichnet werden, hält sie für falsch. "Mütter können und 
wollen arbeiten."
    foto: manpower

    Sie ist Arbeitsvermittlerin, Mutter von zwei Kindern und gehört zu den fünfzig einflussreichsten Frauen der internationalen Geschäftswelt: Françoise Gri. Dass Frauen, die Kinder haben und arbeiten, als schlechte Mütter bezeichnet werden, hält sie für falsch. "Mütter können und wollen arbeiten."

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