Die meisten Ägypten-Urlauber bleiben im Land

29. Jänner 2011, 19:46
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Österreichische Heimkehrer fühlten sich sicher - Aber Zusatzflüge von British Airways von Kairo nach London zur vorzeitigen Heimholung

Wien - Die Ägypten-Urlauber der drei größten deutschen Touristikanbieter brechen ihre Reisen trotz der Unruhen in dem Land nicht ab. Von den mehreren Tausend aus Deutschland angereisten Touristen habe niemand eine vorzeitige Rückreise beantragt, sagten Sprecher von TUI, Thomas Cook und Rewe Touristik am Samstag. Auch laut dem Sprecher des österreichischen Reiseleiterverbandes, Josef Peterleithner, gibt es wegen der Unruhen lediglich viele Anfragen, aber nur wenige Absagen. Die Agentur dapd berichtete allerdings, zwischen 1.500 und 2.000 Urlauber seien am Samstag am Flughafen von Kairo zusammengekommen, um das Land zu verlassen - die meisten von ihnen ohne Reservierungen.

Sowohl die österreichischen Urlauber aus Sharm el-Sheikh am Roten Meer als auch diejenigen aus Kairo waren sich bei ihrer Ankunft in Wien-Schwechat am Samstag einig, dass sie während ihres Aufenthalts in Ägypten keine Angst hatten und sich sicher fühlten. Beim Abflug beider Maschinen habe es keine Probleme gegeben, so die Urlauber.

Eine ältere Dame aus Österreich meinte, dass sie von den Unruhen in Ägypten nur durch das Fernsehen erfahren habe und "auch die Ägypter ganz ruhig und gelassen in Sharm el-Sheikh" seien. "Sharm el-Sheikh ist super!", sagte ein weiterer Urlauber österreichischer Herkunft euphorisch. "War ganz toll! Super Wetter und die Leute sind super!" Auf die Frage, ob er sich unwohl gefühlt habe, antwortete er "als wir ORF, also RTL geguckt haben, haben wir schon ein bisschen gezweifelt". Allerdings sei "alles toll" und kein Grund zur Sorge gewesen.

Die Heimkehrer aus Kairo konnten ein wenig mehr über die Unruhen in der Hauptstadt berichten. Allerdings hatte sich keine der Befragten Personen mitten im Geschehen aufgehalten. Auch sie erlangten vorwiegend durch das Fernsehen Einblick in die Situation rund um die Unruhen. Sie berichteten von Beobachtungen, die sie von der auf einem höheren Niveau liegenden Autobahn auf der Fahrt von Kairo zum Flughafen machen konnten: "Als wir Richtung Flughafen gefahren sind, haben wir zwei große Häuser gesehen. Sie haben gebrannt. Unten waren Panzer. Und sonst war es eigentlich ruhig. Es war weniger Verkehr", schilderte eine Wienerin. "Wir haben nichts mitbekommen." Dies sei durch den Aufenthalt in einem Hotel außerhalb der Stadt bedingt gewesen.

Eine weitere österreichische Heimkehrerin sagte: "Es war alles unter Kontrolle von unseren Reiseleitern und alles gut organisiert. Es war keinen Moment eine Gefahr, aber wir sind froh, dass wir wieder hier sind." Auch auf dem Flughafen von Kairo sei die Situation entspannt gewesen. Es habe kein erhöhtes Sicherheitsaufgebot oder vermehrte Polizeipräsenz gegeben, so ein Österreicher, der auf seinem Weg von Südafrika nach Wien in Kairo umsteigen musste.

"Alle Touristenorte sind sicher"

"Alle Touristenorte sind sicher", sagte auch ein Sprecher des Deutschen Reiseverbands (DRV). Eine Sprecherin von Marktführer TUI sagte, in den Urlaubsregionen Ägyptens sein die Lage ruhig. Rewe betreut nach eigenen Angaben derzeit etwa 3.100 Touristen in Ägypten. TUI und Thomas Cook äußerten sich nicht zur Zahl ihrer Ägypten-Reisenden.

TUI Österreich bietet seinen Gästen kostenlose Umbuchungen und Stornierungen an, zunächst bis einschließlich Abflug 15. Februar. Die Gäste würden über die neuesten Entwicklungen informiert, Ausflugsprogramme nach Kairo vorsorglich bereits vor Tagen abgesagt, wie TUI-Konzernsprecher Peterleithner in einer Aussendung am Samstag erklärte. Eine Hotline wurde unter der Nummer 050 884 5388 eingerichtet. Ähnliches gilt auch für andere große Anbieter wie Rewe, Thomas Cook AG - Neckermann Reisen, Thomas Cook, Bucher Last Minute, Air Marin und Öger Tours. Bei Nilkreuzfahrten würden geplante Anschlussaufenthalte in Kairo durch das Rote Meer ersetzt, hieß es von den Veranstaltern der REWE Touristik ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg.

Alle jene Kunden von Flyniki (Niki), die einen Flug ab Österreich nach Ägypten gebucht hätten, "können diese Flüge heute und morgen kostenfrei umbuchen oder stornieren", erklärte Niki-Sprecherin Milene Platzer auf Anfrage. Österreich hatte eine Reisewarnung ausgesprochen. Außenamtssprecher Peter Launsky-Tieffenthal berichtete am Samstag im Gespräch mit der APA nach einer Sitzung des Krisenstabes, heimische Unterstützungsteams seien mittlerweile in den Touristenzentren Hurghada und Sharm el-Sheikh am Roten Meer eingetroffen, ein weiteres nach Kairo unterwegs. Nachdem derzeit keine Österreicher von den Unruhen direkt betroffen sind, ist laut Launsky-Tieffenthal vorerst keine gezielte Rückholaktion aus Ägypten geplant.

Gestrichene Flüge

Wegen der Unruhen und der von den ägyptischen Behörden verhängten Ausgangssperren verschoben oder stornierten mehrere Fluggesellschaften im Gegensatz zu Österreich Verbindungen von Deutschland nach Ägypten, darunter Lufthansa und Air Berlin. Lufthansa annullierte am Samstag zwei Flüge aus Frankfurt und München nach Kairo. Die polnische LOT sagte einen für Samstagabend geplanten Flug von Warschau nach Kairo und den Rückflug am Sonntag ab.

British Airways verlegte die Abflugzeiten, damit ihre Jets nicht während des nächtlichen Ausgehverbots in Kairo landen, und organisierte am Samstag einen Zusatzflug von Kairo nach London. Grund sei die hohe Nachfrage von Menschen, die die Stadt verlassen wollten, erklärte das Unternehmen. Die israelische Fluggesellschaft El Al holte am Samstag - obwohl Sabbat - mit einem Sonderflug rund 200 Israelis aus Ägypten zurück. Unter ihnen seien Dutzende Touristen und Angehörige von Diplomaten, erklärte ein Gewährsmann.

Das deutsche Auswärtige Amt hatte angesichts der gewaltsamen Proteste in Ägypten dringend empfohlen, Menschenansammlungen und Demonstrationen weiträumig zu meiden und hatte vom Aufenthalt in den größeren Städten des Landes abgeraten, aber keine offizielle Reisewarnung ausgesprochen. Das Außenministerium in Warschau berichtete, mehrere polnische Touristen hätten sich mit Mietwagen in ägyptische Städte aufgemacht, in denen es zu Protesten gegen die Regierung komme. Ein solches Verhalten sei überaus verantwortungslos, sagte Ministeriumssprecher Marcin Bosacki. (APA)

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