Experten sorgen sich um Unabhängigkeit bei Uni-Qualitätssicherung

28. Jänner 2011, 14:03
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Rektoren und bestehende Agenturen bemängeln großen Einfluss von Politik und Interessensvertretungen - FH wollen indes mehr Macht für Praktiker

Wien - Auf punktuelle Kritik bis generelle Ablehnung stößt der Gesetzesentwurf für die von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) geplante neue Agentur, die künftig Unis, Fachhochschulen (FH) sowie Privatunis auf die Finger schauen soll. Bisher waren FH-Rat, Akkreditierungsrat und die Qualitätssicherungsagentur "AQA" für Überprüfung bzw. Zulassung tertiärer Bildungsangebote zuständig. Hochschulvertreter und die bestehenden drei Agenturen haben in ihren Stellungnahmen zum neuen "Qualitätssicherungsrahmengesetz" vor allem die Unabhängigkeit der geplanten neuen Einrichtung in Frage gestellt. Darin, dass es künftig nur noch eine Einrichtung geben soll, herrscht jedoch weitgehend Einigkeit.

Die neue "Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung - Austria" (AQA.Austria) soll sicherstellen, dass für alle Hochschultypen - exklusive der im Unterrichtsministerium ressortierenden Pädagogischen Hochschulen (PH) - sowie Lehrgänge universitären Charakters dieselben Standards gelten. Damit soll das gegenseitige Vertrauen in die Einrichtungen gestärkt und die Anrechnung von Studienleistungen verbessert werden. FH müssen laut neuem Gesetz bestehende Lehrgänge nicht mehr regelmäßig neu akkreditieren, Unis müssen sich dagegen künftig verpflichtend Audits stellen, bei denen von Expertenkommissionen ihre Qualitätsmanagement-Systeme überprüft werden. Bei Mängeln gibt die Kommission Empfehlungen ab, Konsequenzen gibt es keine. Geht es nach Karl, soll das Gesetz frühestens mit Juli in Kraft treten.

Uniko kritisiert Zusammensetzung

Die Universitätenkonferenz (uniko) sieht in ihrer Stellungnahme zur AQA.Austria "überdimensionalen Einfluss traditioneller sozialpartnerschaftlicher Strukturen, gepaart mit weitestreichenden Durchgriffsrechten der staatlichen Verwaltung". Vor allem die Besetzung des für die Entscheidungen zuständigen, aus 14 Personen bestehenden Board steht im Kreuzfeuer der Kritik: Es sei zu groß, viel zu stark national besetzt und "in inadäquater Weise verschiedensten Einflüssen von Interessensgruppen ausgesetzt", so die uniko. Der Fachhochschulrat (FHR) bemängelt zusätzlich die "enorme Aufgabenfülle", für die die AQA.Austria zuständig sein soll und stellt in Frage, ob diese bei der vorgesehenen Struktur "qualitätsvoll zu bewältigen ist".

Die Mehrheit der Board-Mitglieder soll laut Entwurf von einem Beirat nominiert werden, in dem auch Funktionäre und Interessensvertretungen wie ÖGB, Wirtschaftskammer, uniko, FH-Konferenz etc. sitzen. Der AQA missfällt dabei, dass auch Funktionäre oder Vertreter von Institutionen aus dem Beirat selbst als Board-Mitglieder nominiert werden können. Auch die Bestellung von Präsident und Vizepräsident des Boards durch den Wissenschaftsminister "wird abgelehnt". Dieser unmittelbare Einfluss auf ein "auf Unabhängigkeit angewiesenes Expertengremium" sei "unangemessen". Der Wissenschaftsrat würde sich wiederum nur exzellente Wissenschafter in dem Gremium wünschen, von denen die Hälfte aus dem Ausland kommen sollte. In eine andere Richtung geht die Kritik der Fachhochschulkonferenz (FHK) an der neuen Agentur: Aus ihrer Sicht sind die Praktiker im Board unterrepräsentiert, außerdem sollte der Beirat mehr Macht bekommen.

Vorwurf: Ungleichbehandlung der verschiedenen Hochschultypen

Sowohl uniko als auch FHK orten außerdem Ungleichbehandlung der verschiedenen Hochschultypen, im Nachteil sehen sie sich jeweils selbst. So ist es für die Uni-Rektoren eine "weitere, sachlich nicht nachvollziehbare Unstimmigkeit zwischen den rechtlichen Rahmenbedingungen", dass die FH von Studenten aus Nicht-EU-Ländern künftig höhere Studiengebühren einheben dürfen. Die FHK kritisiert wiederum, dass diese maximal kostendeckend sein dürfen. Nicht einzusehen ist für sie außerdem, dass akkreditierte FH-Institutionen und -Studiengänge laut Entwurf kontinuierlich begleitend kontrolliert und neue FH-Lehrgänge zur Weiterbildung künftig akkreditiert werden sollen; für Unis gilt dies aber nicht. (APA)

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