Blutgefäße

Stents regulieren den Fluss

30. Jänner 2011, 18:23
  • Artikelbild
    foto: apa/akh wien

    Seit zwanzig Jahren ist der Eingriff mittels Stent Routine. Im Bild: Noch nicht entfaltete Stent-Prothese (li.) und entfaltete Stent-Prothese nach Zurückziehen der Einführungsschiene (re.).

Wenn Blutgefäße durch Ablagerungen verengt sind, ist das gefährlich - Stents reduzieren diese Gefahren - Neue Studien belegen deren Risiken und Nutzen

Verstopfte Blutgefäße mit einem Ballonkatheter aufweiten und mit einem Metallgitter (Stent) stützen: Seit 20 Jahren ist dieser Eingriff Routine. Viele glauben, Stents seien schonender als eine Operation, weil der Arzt den Katheter in lokaler Betäubung über eine Arterie in der Leiste einführt.

Zwei neue Studien widerlegen nun diese Ansicht: So harmlos sind Stents am Herz und an der Halsschlagader (Arteria carotis) nicht immer. Die eine Studie ist eine Langzeitbeobachtung von 1800 europäischen und US-amerikanischen Patienten mit verengten Herzkranzgefäßen. Die Forscher präsentierten kürzlich ihre Ergebnisse auf einem EACTS-Kongress in Genf.

Die andere Studie ist eine Meta-Analyse, in der Wissenschafter aus Harvard die Daten von 7477 Patienten mit verengter Halsschlagader (Carotisstenose) aus 13 einzelnen Studien auswerten (Arch Neurol, online). "Nicht alle wollen wahrhaben, dass Stents nicht die einzige Lösung ist", sagt Wolfgang Hofmann, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Gefäßchirurgie. "Beide Studien zeigen, dass herkömmliche Operationen einen wichtigen Platz haben und bestimmte Patienten damit weniger Komplikationen erleiden oder seltener sterben als nach einer Stent-Einlage."

Besonders riskant scheint der Stent als Alternative zur Operation an der Halsschlagader (Carotis): In der Carotis-Studie zeigen die Harvard-Forscher, dass Patienten nach einer Stent-Einlage ein höheres Risiko als Operierte hatten, innerhalb eines Monats einen Schlaganfall zu bekommen oder zu sterben: Während es bei den Operierten ungefähr vier von 100 waren, waren es bei denen mit Stent sechs von 100. Auch nach durchschnittlich drei Jahren war das Risiko immer noch etwas höher. Außerdem verschloss sich bei dreimal mehr Stent-Patienten das Gefäß nach dem Eingriff wieder - genau das soll der Stent eigentlich verhindern.

Operationsrisiken

"Als Carotis-Stents aufkamen, haben die Hersteller das extrem positiv verbreitet", sagt Hofmann. "Jetzt haben wir aber klare Daten, dass viele eher von einer Operation profitieren." Der Eingriff sei längst nicht so groß, wie viele sich vorstellten. "Häufig brauchen wir nicht einmal eine Vollnarkose." Ein Problem der Operation bleiben allerdings Nervenverletzungen, die zu einer Lähmung von Gesichts- oder Zungenmuskeln führen können. Diese traten in der Harvard-Studie bei Operierten häufiger auf. "Die Lähmungen verschwinden aber meist nach einer Weile von selbst", verspricht Hofmann. Ein weiterer Nachteil der Operation können Herzprobleme sein: Die Operierten bekamen in der Studie etwas häufiger einen Herzinfarkt. "Um das richtig beurteilen zu können, haben wir noch zu wenige Daten." Einen Stent empfiehlt er nur in besonderen Fällen, zum Beispiel wenn ein Patient im Halsbereich operiert oder bestrahlt wurde oder zu krank für eine Operation ist.

Während die Ergebnisse bei Halsschlagader-Verengungen eher für eine Operation sprechen, kommt es beim Herz auf das Ausmaß der Erkrankung an: "Vor allem Patienten mit schwerer Krankheit profitieren von einer Operation", sagt Ardawan Rastan, Herzchirurg an der Universität Leipzig und einer der Autoren der Herz-Studie. "Waren bei einem Patienten drei Herzkranzgefäße gleichzeitig verengt oder befand sich die Engstelle in der großen linken Herzkranzarterie, bekamen Operierte seltener einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall als Patienten mit einem Stent."

Außerdem mussten weniger noch einmal behandelt werden, weil sich das Gefäß wieder verschlossen hatte. "Aber wenn nur ein oder zwei Gefäße verschlossen sind, ist der Stent wahrscheinlich nicht schlechter als die Operation." Stent und Operation seien keine konkurrierenden Verfahren.

Wichtiger als die Art des Eingriffes könnte die Erfahrung des Arztes sein: "Die Komplikationsraten für Eingriffe an der Halsschlagader schwanken zwischen verschiedenen Kliniken sowohl für die Operation als auch für Stents zwischen einem und 20 Prozent", sagt Martin Schillinger, Angiologe an der Med-Uni Wien. Das bedeutet, dass bei einem bis 20 von 100 Patienten Komplikationen durch den Eingriff auftreten, zum Beispiel Blutungen, Nervenlähmungen, Infektionen oder ein Schlaganfall.

"Studien weisen darauf hin, dass Ärzte etwa 150 Operationen oder Stent-Einlagen durchgeführt haben müssen, bis sie den Eingriff wirklich beherrschen." Hinzu kommt das individuelle Risiko des einzelnen Patienten: "Hat jemand Ablagerungen in der Halsschlagader, die sich leicht lösen, ein Blutgefäß im Hirn verschließen und einen Schlaganfall verursachen könnten, bietet sich eher ein Stent an. Denn mit dem Ballon kann man die lockere Ablagerung rasch an die Wand drücken."

Ringen um Richtlinien

Für Verengungen der Herzkranzgefäße gibt es seit längerem Entscheidungskriterien, ob Operation oder Stent. Für die Carotisstenose fehlen bislang solche Regeln. Inzwischen ist aber ein Team von Wissenschaftern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz dabei, sie zu entwickeln. "Die Frage ist, ob stattdessen nicht auch Medikamente reichen", sagt Johannes Trenkler, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Neuroradiologie. Klare Kriterien sind vor allem wichtig für Patienten ohne Beschwerden, bei denen Ärzte die Verengung zufällig entdecken.

Bisher kam es auf den Grad der Verengung an, "inzwischen wissen wir aber, dass dies vermutlich kein sehr verlässliches Kriterium ist, sagt Trenkler". Wichtiger könnte die Hirndurchblutung sein. "Wir vermuten, dass vor allem diejenigen operiert werden oder einen Stent bekommen sollten, bei denen das Hirn nicht mehr gut durchblutet wird. Denn dadurch haben sie ein höheres Risiko für Hirnfunktionsstörungen. Die anderen könnten mit Me-dikamenten gut auskommen." (Felicitas Witte, DER STANDARD, Printausgabe, 31.01.2011)

 

Kommentar posten
23 Postings
ibinswieda
 
10
Hier ein Ayurvedisches Rezept um die Ablagerungen loszuwerden3:

Ich bin weder westlicher Arzt noch Ayurvedaarzt.
Hab allerdings sehr hohen Cholesterinspiegel und einiges Übergewicht, und trotzdem supersaubere Blutgefässe. Der Karl-Heinz hätte seine Freude wäre seine Weste so sauber.
Das Rezept ist von einem Yogi.
Wer vor dieser Kur und nach der Kur die Gefässe anschauen lässt, wäre sehr interessant.

ministry
00

kurze Frage: haben sie eine Angiographie aller Gefässe erhalten, oder eine intravaskulären ultraschalls?
Woher wissen wie von der Geschaffenheit ihrer gefässe?

Balkonbepflanzer
01

Und dann hüpfen Sie noch einbeinig gegen den Uhrzeigersinn 2 Runden um Ihr Bett, in Minute 2 und 7 nach der Einnahme dieses Wundermittels, dann wirkts sicher noch besser.

Bonair
01

Immer wieder erstaunlich (bzw. entsetzlich), was für Unfug hier verbreitet wird...

Oder kann ich davon ausgehen, dass dieser Yogi in RCTs Endothelmarker gemessen hat?

ibinswieda
 
10
Hier ein Ayurvedisches Rezept um die Ablagerungen loszuwerden 2:

vor der Operaion nochmal untersuchen lassen. Wahrscheinlich wird keine Operation mehr nötig sein.
(Das Zeug schmeckt nicht so schlecht. Morges, nüchterner Magen, und 1/4 Stde. nichts zu Dir nehmen, auch kein Wasser).
Ja, Honigmenge bis zu 1/4 kg, Diabetiker weniger nach eigenem Ermessen.

ibinswieda
 
20
Hier ein Ayurvedisches Rezept um die Ablagerungen loszuwerden1:

Man nehme: Etwas mehr als 1/8 Liter frisch gepressten Limettensaft (Limetten, nicht Zitronen).
Jeweils gleiche Menge frisch gepressten Knoblauchsaft und frisch gepressten Inghwersaft und nochmals gleiche Menge Apfelessig.
Das alles Zusammenschütten und solange köcheln, bis ca Hälfte der Menge verdunstet.
Abkühlen lassen und wenn es nur mehr warm ist, Honig dazugeben.
Nun jeden Tag in der früh auf nüchternen MAgen 1TL nehmen, erst eine Viertelstunde später frühstücken. NAch einer Woche zwei TL einnehmen. Solange, bis alles weg ist.
Das ganze ab dem 40. LEbensjahr alle zwei/drei JAhre präventiv.
Oder wenn die Ärzte schon zur Operaion raten. Operationstermin geben lassen, aber vorher noch diese Kur machen und vor der Operation nochmal unte

Dagmar Rehak Wien
 
00

Warum Limetten und nicht Zitronen? Was haben Limetten, was Zitronen nicht haben?
Und wie wirkt das?

Balkonbepflanzer
02
31.1.2011, 09:58
Und jetzt kommt gleich Dagmar

Und erklärt uns, dass ein viel höherer Salzkonsum doch viel besser wäre.

Dagmar Rehak Wien
 
00
31.1.2011, 13:08
Korrekt.

Blut mit höherem Wasseranteil (=0,9%ige Salzlösung) und dadurch niedrigerem Blutzuckerspiegel und niedrigerem Feststoffanteil und dadurch wiederum schwächeren Scherkräften schont die Gefäßinnenwände, so dass diese weniger Pflaster (=Cholesterin) brauchen.
Was man isst, ist dabei ziemlich wurscht. Der Körper baut sich seine Fette schon selber zusammen.

skipper2002
00
31.1.2011, 01:10
3mal die woche laufen

ist die beste therapie.

ridgero
00
31.1.2011, 14:20

Ich halte es für einen Mythos...

Regelmäßige Bewegung (damit ist kein übermäßiger Sport gemeint), eine ausgewogene Ernährung, soziale Ausgeglichenheit und Möglichkeiten Stress abzubauen und keine genetische Prädisposition halte ich persönlich für die wichtigsten Faktoren.

erich1963
00
31.1.2011, 07:28
Hab ich auch einmal geglaubt.

metall81
00
31.1.2011, 09:00
Sie haben sicher auch geglaubt,....

...dass Einzelfälle und Trends dasselbe sind, oder?

presumption of innocence
01
30.1.2011, 21:40
Warum untersucht man nicht wie Omega-3 Fettsäuren die Ablagerungen sanft beseitigen?

Bonair
00
31.1.2011, 12:44

Weil es nicht stimmt. Omega 3-Fettsäuren können die Zusammensetzung der Cholesterine positiv beeinflussen, sodass sich weniger in den Gefäßwänden ablagert, aber rückgängig machen, können sie diese nicht.
Dazu sind derzeit (und meist auch nur in sehr begrenztem Maße) die Statine fähig.
Die nächste Generation an Cholesterinsenkern hat dazu im Tierversuch recht gute Ergebnisse verbuchen können, aber ich glaub, die sind noch in vorklinischen Studien unterwegs...

Dagmar Rehak Wien
 
00
31.1.2011, 13:03

Bonair!!! Was du schon wieder dampfplauderst!
Ob sich was ablagert oder nicht, bestimmt der Grad der Entzündung der Gefäßinnenwände. Die Zusammensetzung der Cholesterine ist völlig irrelavant. Auch die "schlechtesten" lagern sich nicht ab, wenn die Gefäßinnenwände kein Pflaster brauchen.
Das musst du doch auch in der Schule gelernt haben.

Bonair
01
31.1.2011, 13:17
Bonair!!! Was du schon wieder dampfplauderst!

Ich bin kein Beschäftigungstherapeut für die geistig Immobilen unter uns, deswegen keine Diskussion, Dagmar.

Dagmar Rehak Wien
 
00
31.1.2011, 15:41

Dabei plauderst du doch sonst so gern, am liebsten, wenn du wen als dumm beschimpfen kannst. Warum kneifst auf einmal?
Weilsd dich nicht auskennst und Angst hast, dass du dich selber als Dampfplauderer aufblattelst, stimmt's?
Falls nicht, erzähl doch einfach mehr über "die nächste Generation Cholesterinsenker", du kleiner Insider, du!

stereo denken
10
31.1.2011, 17:36
Hallo Frl. Rehak,

hast die Bücher schon gelesen die ich dir empfohlen hab? Lesen bildet! Glg

laundei1
05
30.1.2011, 23:27

weils die leute nicht mehr kaufen würden, wenns die ergebnisse wüssten.

Dagmar Rehak Wien
 
00
31.1.2011, 16:39

Wahrscheinlich ist die Herstellung extrem billig oder da wird ein Abfallprodukt zu Gold gesponnen, und deshalb müssen die Leute das kaufen.
Kann mir einmal wer nachschauen, wie Omega-3-Kapseln hergestellt werden?

Pascal_M
10
31.1.2011, 07:46

Wie meinen sie das?

Regis 1
00
31.1.2011, 10:07
wie meinen ...

weil omega-3 fettsäuen die ablagerungen nicht beseitigen (zumindest gibt es keine beweise dafür) ....

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.