Österreich hofiert Zentralasien

27. Jänner 2011, 20:32
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Drei Regierungsmitglieder hätten in Davos diskutieren sollen, aufs Podium schaffte es nur Außenminister Spindelegger

Der Kracher war am Donnerstag in Davos ein kleiner Sprengsatz, der in der Früh im Posthotel hochging. Eine Scheibe ging zu Bruch. Einigen Konzernlenkern, die in der Luxusherberge frühstückten, fuhr ein gehöriger Schrecken in die Knochen. Danach allerdings wurde es im steifgefrorenen Graubündener Luftkurort wieder ruhig.

Daran änderte auch eine geballte österreichische Präsenz beim Weltwirtschaftsforum nichts. Zumal die Delegation geschrumpft war: Vizekanzler Josef Pröll, von einem Besuch beim Nachtslalom in Schladming gezeichnet, sagte krankheitsbedingt ab. Bundeskanzler Werner Faymann nahm an einer Podiumsdiskussion aus Termingründen nicht teil. Beide Politiker schienen jedoch in den offiziellen Programmen auf. Faymann hätte sogar bei einer der wenigen Diskussionsrunden im großen Saal teilnehmen sollen.

Dafür stellten sich beim von Faymann und Außenminister Michael Spindelegger ("Im Juni wird Wien zu Davos" ) gegebenen Österreich-Luncheon, bei dem das im Juni in Wien stattfindende WEF-Regionalforum zur Schwarzmeer-Region und Zentralasien vorgestellt wurde, prominente Gäste ein: Ukraines Präsident Wiktor Janukowitsch erschien, ebenso sein aserbaidschanischer Amtskollege Ilham Aliyev, der kasachische Premier Karim Massimov und OECD-Generalsekretär Ángel Gurría.

Der stellte eine Studie seiner Organisation vor, die vor allem Zentralasien ökonomisches Potenzial bescheinigt: In den vergangenen Jahren sei die Wirtschaft um je acht Prozent gewachsen, das Investitionsvolumen ausländischer Unternehmen habe sich verachtfacht. Die energiereichen wie autokratisch regierten Staaten Kasachstan und Aserbaidschan schwimmen zusätzlich in Öl- und Gasgeld.

Bundeskanzler Faymann bot der Region in seiner Rede folgerichtig Hilfe bei der Modernisierung ihrer Infrastruktur an. Janukowitsch lobte indes die Ukraine dafür, dass sie die "Korruption überwunden" habe. Und Alijew verwies auf den Gas-See, auf dem Aserbaidschan sitzt und den die OMV mit ihrer Nabucco-Pipeline anzapfen möchte. Die prekäre Menschenrechtslage in diesen Ländern blieb unerwähnt.

Österreichische Wirtschaftskapitäne beurteilten die Bemühungen durchwachsen: "Wer neue Märkte erobern will, muss seinen eigenen Markt erst einmal im Griff haben" , sagte Ex-Magna-Chef Siegfried Wolf. Es tue ihm leid, dass Österreich seine Stärken nicht ausspiele, sondern sich dauernd selbst innenpolitisch kleinrede. Voest-Chef Wolfgang Eder konstatierte immerhin, "in der Intensität ist noch nie versucht worden, politische und wirtschaftliche Initiativen zu koordinieren" .

Während Faymann Davos rasch wieder verließ, traf sich Außenminister Spindelegger am Donnerstagnachmittag für zehn Minuten mit Amre Moussa, dem Chef der Arabischen Liga.

Kurz davor hatte im Plenum Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ein flammendes Plädoyer für den Euro gehalten. "Alle, die gegen den Euro wetten: Passt auf Euer Geld auf, denn wir sind vollkommen entschlossen, den Euro zu verteidigen" , sagte Sarkozy. "Frau Merkel und ich werden niemals - hören Sie mir zu: niemals - den Euro fallen lassen." Mit dem Vorstandschef der US-Investmentbank JP Morgan Chase, Jamie Dimon, lieferte sich Sarkozy einen Schlagabtausch über die Verantwortung der Banken für die Finanzkrise. "Die Welt hat mit zig Millionen Arbeitslosen bezahlt, die waren überhaupt nicht Schuld und haben für alles bezahlt." Sarkozy kündigte an, die G-20-Präsidentschaft für Regeln zur Eindämmung von Rohstoffspekulation zu nutzen.

Der griechische Premierminister Giorgos Papandreou verwehrte sich in Davos gegen eine Umschuldung seines Landes, wie dies verschiedene Experten empfahlen. "Wir werden nicht zahlungsunfähig und werden uns nicht in die Richtung bewegen." Zuvor hatten unter anderem OECD-Chef Gurría erklärt, Griechenland solle eine Umschuldung ins Auge fassen.  (Alexandra Föderl-Schmid und Christoph Prantner aus Davos, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.01.2011)

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