Hosni Mubarak - Ein Präsident verspielt sein politisches Erbe

27. Jänner 2011, 20:35
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Die "rote Linie" existiert nur mehr in den Köpfen von Regimemitgliedern: Auf den Straßen Ägyptens erschallt einstimmig der Ruf nach dem Rücktritt von Präsident Hosni Mubarak. Dass er sein politisches Erbe so verspielt hat und am Ende ein zerrüttetes Ägypten hinterlassen wird, hat etwas Tragisches. Denn sein Name war, ob man das gut fand oder nicht, jahrelang mit dem Wort "Stabilität" verbunden.

Hosni Mubarak hatte, bevor er 1981 Präsident wurde, einen Job, den es heute nicht mehr gibt in Ägypten: Er war Vizepräsident unter Anwar al-Sadat, dem er 1981, nach dessen Ermordung durch Islamisten, nachfolgte. Sadat war Vizepräsident Nassers gewesen. Manche betrachten die Tatsache, dass sich Mubarak selbst keinen Vize an die Seite gestellt hat, als dem Aberglauben geschuldet. Aber nach 30 Regierungsjahren könnte es der 82-Jährige langsam riskieren. Sein Gesundheitszustand ist schlecht - man munkelt sogar von Pankreaskrebs.

Aber nicht nur Mubarak selbst, sondern auch seine Entourage von Jasagern - die immer wieder brav beteuern, dass Seine Exzellenz ja bei den Präsidentschaftswahlen im Herbst 2011 noch einmal kandidieren könnte - tut ebenso wie die Demonstranten auf den Straßen heute so, als würde Mubarak ewig leben. Aber natürlich geht es nicht nur um ihn: Befürchtet wird, dass seinem Sohn Gamal die Nachfolge geebnet wird. Von diesem wird gesagt, dass er selbst den Präsidentensessel eigentlich gar nicht will: Seine Mutter Suzanne und ein Teil der Regimepartei stünden dahinter. Übrigens soll nach der Ermordung Sadats dessen Frau ein paar Stunden lang ebenfalls versucht haben, ihren Sohnemann zu installieren.

Mubarak kommt, wie die Präsidenten vor ihm, aus dem Militär, aus der Air Force. Zwar hatte er dort eine steile Karriere hinter sich und galt auch als persönlicher Vertrauensmann Sadats, dennoch wurde er zu Beginn seiner Präsidentschaft eher als Leichtgewicht betrachtet. Allein seine Herkunft aus der bäuerlichen Provinz Minufiya war den Ägyptern, die Witze lieben, Anlass für Spott.

Aber er pflegte seine Hausmacht in Armee und Partei, und so gewöhnten sie sich schnell an ihn - wie an den Ausnahmezustand, den er nach 1981 nie mehr aufheben ließ. In der Auseinandersetzung mit Islamisten galt er - wie andere republikanische arabische Autokraten auch - als Bollwerk. Den Jungen reicht das heute nicht mehr, und auch nicht die wirtschaftliche Öffnung, die Ägypten in den letzten Jahren erlebt hat.  (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 28.1.2011)

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    Hosni Mubarak, 82, seit 30 Jahren Autokrat Ägyptens.

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