Berlusconis Standvermögen

27. Jänner 2011, 20:36
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Wenn es um den Machterhalt geht, lässt sich Italiens Premier durch nichts beirren - Von Gerhard Mumelter

Von der Weltpresse geächtet, von der Bischofskonferenz gerügt, vom Industriellenverband verlassen - wenn es um den Machterhalt geht, lässt sich Italiens Premier Silvio Berlusconi durch nichts beirren.

Ein handlungsunfähiges Parlament, eine gelähmte Regierung, Monate politischen Stillstands, ein drohender institutioneller Konflikt, die Spaltung des Landes, Italiens internationaler Ruf - all das ist für den Cavaliere zweitrangig, wenn es um sein ureigenstes Prinzip geht: die Erhaltung der persönlichen Macht um jeden Preis. Die jüngsten Umfragen scheinen ihm recht zu geben.

Wer sich darüber wundert, dass der Premier heute bei Neuwahlen erneut siegen würde, der vergisst, wie tief der Berlusconismus die italienische Gesellschaft bereits geprägt hat. Seine Medien haben das Wertesystem der Italiener gründlicher umgekrempelt als Mussolinis Faschismus.

Das aus den Telefonmitschnitten der Staatsanwälte gewobene Sittenbild könnte aussagekräftiger kaum sein: Väter, die ihre 20-jährigen Töchter dazu anspornen, energischer um den 74-Jährigen zu buhlen; Mütter, die sich bei ihren Töchtern nach einem Besuch in Berlusconis Villa nach der Zahl der erhaltenen Tausender erkundigen. "Fünf?" "Nein, sieben." Treffender als eines von Berlusconis Showgirls kann man die Quintessenz dieser Philosophie kaum formulieren: "Mit einer Arbeit würde ich heute 1000 Euro im Monat verdienen. Was soll ich denn mit 1000 Euro?"   (DER STANDARD, Printausgabe, 28.1.2011)

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