Belo-Monte-Wasserwerk

"Damit ist Amazonien am Ende"

27. Jänner 2011, 18:34

Grünes Licht gibt es für die Rodung von rund 240 Hektar Wald für das Belo-Monte-Wasserwerk am Xingu in Brasilien

São Paulo - Die brasilianische Umweltbehörde hat am Mittwoch mit einer Teilgenehmigung den Baubeginn für ein umstrittenes Staudammprojekt im Amazonas-Regenwald ermöglicht. Es erlaubt dem Baukonsortium Norte Energia die Rodung von rund 240 Hektar Wald am geplanten Standort des Wasserkraftwerks Belo Monte am Fluss Xingu. Zudem können Straßen dorthin gebaut werden, teilte die Umweltbehörde mit.

Das 11.000-Megawatt-Projekt am Xingu, der in den Amazonas mündet, stößt bei Ureinwohnern und Umweltschützern - darunter der österreichisch-brasilianische Bischof Erwin Kräutler - auf Widerstand. Sollte es wie geplant 2015 fertiggestellt sein, wäre es das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt. Die Fischgründe der Ureinwohner würden zerstört, 15.000 Menschen müssten umgesiedelt werden. Bis dahin müssen aber noch mehrere rechtliche Hürden überwunden werden. Eine Reihe europäischer Unternehmen, darunter die österreichische Andritz AG, beabsichtigen, sich an der Errichtung von Belo Monte zu beteiligen.

Das Projekt befinde sich immer noch im Angebotsstadium, sagte Andritz-Sprecher Oliver Pokorny zum Standard. Eine Entscheidung, ob die Andritz AG sich am Bau des Wasserkraftwerks beteiligen werde, falle erst in einem Zeitraum von "Wochen bis Monaten". Auch das Projektvolumen sei noch nicht klar, da sich mehrere Firmen um den Auftrag bemühten. Anlässlich der Vergabe des Alternativen Nobelpreises an Bischof Erwin Kräutler Anfang Dezember letzten Jahres war es zu einer Protestaktion gekommen. Das Welthaus Wien und die Dreikönigsaktion (DKA), Hilfswerk der Katholischen Jungschar, protestierten vor der Wiener Niederlassung der Grazer Andritz AG in Wien-Meidling gegen die Beteiligung der Firma am Staudammprojekt.

Polizeischutz für Bischof

Kräutler, Bischof von Altamira-Xingu, erhielt am 6. Dezember 2010 den Alternativen Nobelpreis in Stockholm in Würdigung seines lebenslangen Einsatzes für die Rechte der indigenen Völker und für sein Engagement gegen die Zerstörung des Amazonas-Gebietes. Er gilt seit 30 Jahren als Gegner des Staudammprojekts. Wegen seines Einsatzes gegen den Bau hatte er mehrfach Morddrohungen erhalten. Seit 2006 befindet sich Kräutler, seit 1981 Bischof der Prälatur Xingu, unter permanentem Polizeischutz.

"Seit 30 Jahren kämpfen wir gegen Belo Monte. Es ist ein Wahnsinnsprojekt", so der 71-jährige Bischof: "Ich habe es immer als , Dolchstoß ins Herz von Amazonien' definiert. Es geht nicht nur um Belo Monte. Es geht um den Domino-Effekt. Wenn Belo Monte durchgeführt wird, kommen drei weitere Dämme am Xingu infrage und auch am Tapajos." Insgesamt seien im gesamten Amazonas-Gebiet über 100 derartige Projekte vorgesehen, so Kräutler. "Damit ist Amazonien am Ende, und das hat Folgen. Nicht nur für Amazonien, sondern für die ganze Welt." Die Baukosten des Kraftwerkprojekts werden auf elf Milliarden Dollar (8,7 Milliarden Euro) veranschlagt. Noch höhere Leistungen als das geplante Wasserwerk Belo Monte erbringen der Drei-Schluchten-Stausee in China mit 18.000 Megawatt und der Staudamm Itaipu im Grenzgebiet zwischen Brasilien und Paraguay mit 14.000 Megawatt. In Spitzenzeiten soll Belo Monte über 11.200 Megawatt Strom produzieren. Dies wäre aber wegen unterschiedlicher Wasserstände nur einige Monate im Jahr der Fall. (APA, red/DER STANDARD, Printausgabe, 28. Jänner 2011)

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R. P.
01
Unterschreiben gegen das Mega-Kraftwerk Belo Monte am Xingu-Fluß

Ein "Tropfen auf den trockenen Wald":
Solidarität mit dem Vorarlberger Bischof Kräutler, Träger des Alternativen Friedensnobelpreises 2010, für die Menschen am Rio Xingu

Vielleicht gibt es doch noch Hoffnung, das Mega-Kraftwerk Belo Monte am Xingu-Fluß zu verhindern.

AVAAZ.ORG, eine große internationale Lobbying-Plattform, hat sich jetzt der Sache angenommen und so werden sich weltweit Hunderttausende Stimmen mit der Stimme von Bischof Erwin Kräutler verbinden, der seit Jahren gegen dieses Projekt ankämpft, das eine Katastrophe für die Region Altamira, den Fluss Xingu und die dort lebenden Indigenen Völker und Flussbewohner wäre. Unter der Regierung Lula wurde der Bau gegen alle Umweltbedenken beschlossen. Jetzt, unter der neuen Regierun

R. P.
01
Fortsetzung: Unterschreiben gegen das Mega-Kraftwerk Belo Monte am Xingu-Fluß

Jetzt, unter der neuen Regierung, könnte sich vielleicht etwas zum Guten bewegen, wer weiß? Wenn genug Druck gemacht wird? Es ist ganz wichtig, dass möglichst viele Menschen den Protest unterschreiben und die Mail an andere mögliche UnterstützerInnen weiterleiten! Es geht um die Bewahrung des Amazonasurwalds, ja letztlich um die Bewahrung der Schöpfung gegen den wirtschaftlichen Wachstumswahn, der den Planeten zerstört.

https://secure.avaaz.org/de/amazon... threat/?vl

flaute
00
30.1.2011, 14:14

Und die Andritz, als hätte sie nicht schon genug andere schockierende Projekte (Ilisu, Papierfabrik Tasmanien), macht auch noch Profit mit dieser Schweinerei.
Ich glaub ich kenn kein österreichisches Unternehmen, was noch gewissenloser agiert (bis vielleicht auf Waffenproduzenten...)

OPRohrmoser
02
28.1.2011, 21:15
Leute, was geht mit euch...

Wo das Problem ist? Ich kann es fast nicht glauben, wie kurzsichtig man eigentlich sein kann.

Mal abgesehen vom Üblichen, dass man Wald rodet, bla bla bla, sind das nicht irgendwelche paar Bäumchen, da leben Millionen von Pflanzen und Tieren, die damit ratzeputz weg sind. Dass die großteils noch unentdeckt sind oder auf der Artenschutzliste stehen ist dann noch zum Drüberstreuen.

Und wenn mir das schon egal ist, dann gibts ja immer noch die Menschen, die da schon seit Jahrtausenden leben und sich jetzt verpissen sollen- für das Gemeinwohl. Für eine Gemeinschaft, die erst irgendwann in dieses Land kam. Für eine Gemeinschaft, die kein Recht auf dieses Land hat.

Und du fragst, wo das Problem ist...

Jene
00
28.1.2011, 17:12
Jetzt ist es beschlossene Sache:

Ich lasse den verkommen(d)en Planeten Erde hinter mir und emigriere zu den Marsmännchen!

Nutze den Tag
81
28.1.2011, 16:32
240ha = ca. 1,5 x 1,5km großer See, und?

Da wirds jede Menge Fische, viel Wasserpflanzen viel Leben geben + saubere Energie.
Wo ist das Problem?

I bis
00
28.1.2011, 17:52

Das Problem ist, dass die 240ha nur die erste Teilrodung sind, nicht der gesamte Flächenbedarf. Die beiden Stauseen werden ca. 500km² einnehmen (=ca. Bodensee).

Ist für Wasserkraftwerke gar nicht so übel. Durch den ägyptischen Assuan-Damm wurde die 10-fache Fläche überflutet, die Stromproduktion ist nur ein Bruchteil.

yomellamo
02
28.1.2011, 17:05

240 ha ist das was jetzt gerodet wird.

Der stausee selbst wird dann nämlich 668 km2 groß sein. Und der Einflussbereich der Umweltzerstörung natürlich noch viel viel größer...

http://en.wikipedia.org/wiki/Belo_Monte_Dam

sixela
00
28.1.2011, 13:33

Und das unter Lula und seiner Nachfolgerin Rousseff? Sind die gar nicht besser als die Konservativen?

Ratten Heinzi
00
28.1.2011, 16:36
Haha

Das ist genau die Verblendung der europäischen Sozialromatik. Die sogenannte "Linke" die zur Zeit in Lateinamerika an der Macht ist hat mit "progressiv" leider nur sehr wenig zu tun.

mister moster
00
28.1.2011, 16:58

In Brasilien werden die gewählt, die es sich mit den dortigen Oligarchen gut stellen. Da is es diesbezüglich wurscht, ob links oder rechts.
Aber die rechte Ecke dort ist nicht so nett wie die Linke, das muss man schon sagen.

McShew
00
28.1.2011, 12:37
O2-Steuer

Was beschweren wir uns, wo wir seit Jahrzehnten die Luft verpesten und Leben zerstören, wenn Regenwaldländer genau das tun, was wir auch gemacht hätten/machen, um unsere Energiegier zu befriedigen?! Bin neugierig, wann ein Wald-reiches Land beginnt, Sauerstoffzertifikate an andere Länder zu verkaufen...

Ratten Heinzi
00
28.1.2011, 16:37

Was sind bitte "Sauerstoffzertifikate"??

Der Jurist
121
28.1.2011, 12:06
...bitte 240ha ist meine jagd gross....

aber im amazonas delta fliegt man 2 stunden lang nur über grünen regenwald - die 240ha sind nichts dort

yomellamo
00
28.1.2011, 15:24

das ist ja nur der bereich der jetzt gerodet wird. ...

Karl Labruni
02
28.1.2011, 15:24
Ist in Amazonien erst eine Strasse geschlagen und angelegt,

können Sie diese 240 ha Fläche getrost vertausendfachen... Das wäre für Amazonien immer noch nicht viel, wenn dies das einzige Übel wäre - ist es aber nicht.

worry1
09
28.1.2011, 13:11
Es ist immer NICHTS bis NICHTS mehr da ist

teddy baer
05
28.1.2011, 12:46
genau dieses Argument verwenden sie alle,

die der Welt einen derartigen Schaden zufügen. Und irgendwann werden sich all die "ist ja gar nichts" - Flächen zu einer Grossen verbinden. Und ich hoffe, dass ich dann nicht mehr lebe

Kang & Kodos
43
28.1.2011, 10:32
Mal ehrlich, was sind die Alternativen?

Photovoltaik schön und gut, aber irgendwo muss man Anlagen in dieser Größe auch aufstellen. Und ich trau mich wetten, dass im Falles des Falles auch wieder der Regenwald dran glauben müsste.

flaute
00
30.1.2011, 14:08

Belo Monte ist auf jeden Fall keine Alternative

yomellamo
01
28.1.2011, 15:27

photovoltaik können sie auf jedes dach draufknallen. Sie können auch Solarthermie nehmen, Windradeln kann man auch dazustellen. Für ein paar wohneinheiten kann man dann zb. einen druckluftspeicher oder einen wärmespeicher oder ähnliches in den keller stellen. Bei neubauten kann man einen saisonalen wärme speicher eingraben. Off-shore kann man große windparks bauen, in Wüstenregionen passen PV oder große solarthermie-KWs.

frastanzer
07
28.1.2011, 13:15
weniger Energie verbrauchen?

I bis
00
28.1.2011, 18:10
Stromverbrauch senken? Meinst du das ernst?!?

Wir reden hier von Brasilien!

Da leben Millionen von Menschen ohne Stromanschluss, der Pro-Kopf-Verbrauch liegt gerade einmal bei einem Viertel des österreichischen Niveaus.

Du verbrauchst wahrscheinlich ganz alleine mehr Strom als so manche brasilianische Großfamilie und empfiehlst denen so locker, weniger Strom zu verbrauchen? Sehr glaubwürdig ist das nicht.

Und realistisch schon gar nicht.

frastanzer
00
Wird der gewonnene Strom den Menschen in der Region zur verfügung gestellt ...

... oder eher zur ernergieintensiven Weiterverarbeitung von Bodenschätzen verwendet?

Die regionale Bevölkerung soll jegliche Unterstützung zur Entwicklung erhalten! Hierzu sind aber lokale Kleinkraftwerke viel besser geeignet anstatt solch ein zerstörungswütiges Riesenprojekt.

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