Bund will sich nicht mehr um Flüchtlingshäuser kümmern

27. Jänner 2011, 17:39
14 Postings

Der Integrationsfonds versucht, nach dem Kardinal-König-Integrationshaus zwei weitere Wohnheime loszuwerden - Die Stadt Wien protestiert

Wien - Sowohl das Liese-Prokop-Haus in Mödling als auch das namenlose Wohnheim in der Nußdorfer Straße in Wien-Alsergrund möchte der Integrationsfonds (IF) so schnell wie möglich abgeben. "Wir sind derzeit auf der Suche nach Partnern, die diese Einrichtungen übernehmen", sagt IF-Pressesprecherin Ursula Schallaböck. Denn die Unterbringung von Asylberechtigten passe nicht mehr zur strategischen Ausrichtung des Fonds. Nachdem man vergangenen November das Bildungshaus Habibi im dritten Bezirk eröffnet hat, will man sich künftig mehr auf die Bereiche Spracherwerb und Bildung konzentrieren. Der Fonds ist Besitz der Republik und fällt in die Zuständigkeit von Innenministerin Maria Fekter (VP). Derzeit leben im Mödlinger Haus 100 anerkannte Flüchtlinge vorübergehend, in der Nußdorfer Straße sind es 70.

"Ungeheuerlich"

Als mögliche Abnehmer der Häuser nennt Schallaböck "die Länder beziehungsweise NGOs". In Wien hält sich die Begeisterung, das Haus am Alsergrund zu übernehmen, allerdings in Grenzen. "Es ist ungeheuerlich, wie das Innenministerium hier vorgeht", sagt Peter Hacker, Chef des Fonds Soziales Wien. "Es ist nicht einzusehen, dass sich der Bund aus der Unterbringung von Flüchtlingen zurückzieht und das auf die Länder abwälzen will."

Es stelle sich die Frage, wozu es den Fonds denn überhaupt noch gebe, wenn er sich aus diesem wichtigen Bereich zurückziehe. "Eine Frechheit ist außerdem, dass das Innenministerium dauernd so tut, als habe man das mit den Ländern so vereinbart - denn das ist nicht der Fall." Auch Caritas und Volkshilfe haben kein Interesse an den Wohnheimen. "Eine Übernahme ist für uns kein Thema", sagt Caritas-Sprecher Klaus Schwertner.

Zum grundsätzlichen Plan, die Einrichtungen zu schließen, will sich die Caritas nicht äußern. Anders als vor eineinhalb Jahren, als der Integrationsfonds das Kardinal-König-Integrationshaus in Simmering aufgab. Damals hatte Caritas-Direktor Michael Landau die Schließung des von Kardinal König 1998 eröffneten Hauses scharf kritisiert. Das Gebäude ist inzwischen eine Schubhaftanstalt für Familien - der Standard berichtete. Angesichts sinkender Asylwerberzahlen könne man den Sinn eines solchen Hauses hinterfragen, sagt Stephan Amann von der Volkshilfe.

"Außerdem versuchen wir, anerkannten Flüchtlingen von Beginn an Wohnungen zu vermitteln, in denen sie länger bleiben können." Auch der Integrationsfonds hat Asylberechtigten bisher Wohnungen zur Verfügung gestellt. Damit soll bald ebenfalls Schluss sein. "Die Kompetenz ist da in den Ländern verankert", sagt Schallaböck. Sollte sich bis Jahresende kein Abnehmer finden, werde man die Häuser schließen und Ausweichquartiere suchen. (Martina Stemmer/DER STANDARD, Printausgabe, 28.1.2011)

derStandard.at/Panorama auf Facebook

  • Der Integrationsfonds würde der Stadt das Wohnheim im 9. Bezirk gern überlassen. Die hat allerdings kein Interesse daran.
    foto: der standard/matthias cremer

    Der Integrationsfonds würde der Stadt das Wohnheim im 9. Bezirk gern überlassen. Die hat allerdings kein Interesse daran.

Share if you care.