Rechtes Fest

Fünf Fragen und Antworten zum WKR-Ball

28. Jänner 2011, 07:45

Wer geht hin? Was passiert dort? Wieso dürfen Rechte und Rechtsextreme in der Hofburg feiern? derStandard.at hat nachgeforscht

Heute findet wieder der Ball des Wiener Korporationsrings (WKR) statt - einer der Höhepunkte des Jahres für die rechte Burschenschafter- und Politikszene. Während die Demonstranten gegen den Ball mit einem Platzverbot belegt wurden, tanzen nationale und internationale Rechte und Rechtsextreme auch heuer wieder in der Hofburg. derStandard.at hat nachgefragt wer dort eigentlich auftaucht, was dahinter steckt und wieso es denn genau die Hofburg sein muss.

***

1) Was ist der "Korporationsring"?

"Der Wiener Korporationsring (WKR) ist die Arbeitsgemeinschaft der farbentragenden Wiener Hochschulkorporationen", so die Selbstbeschreibung des WKR auf seiner Homepage. Man sieht sich als einen Zusammenschluss zum Zweck der "Vertretung gemeinsamer Interessen, vor allem in allen rein hochschulpolitischen Fragen." Der WKR, so das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) gegenüber derStandard.at, sei zwar nicht per se rechtsextrem, wird aber von Burschenschaftern aus rechtsextremen Verbindungen dominiert.

"Es ist ein freiwilliger Zusammenschluss deutschnationaler Verbindungen", so Andreas Peham vom DÖW. 21 Verbindungen seien im WKR vertreten, nur ein Teil derer die es in Österreich gibt. Es gibt für studentische Verbindungen keine Verpflichtung, beim WKR Mitglied zu werden - die, die sich dazu entscheiden, sind klar auf der extremen Seite des Korporiertenwesens einzuordnen. Immer wieder kommt es vor, dass gemäßigte Verbindungen, etwa Sängerschaften oder Corps, aus dem WKR austreten oder sich distanzieren, weil sie mit der dort vertretenen Politik nicht zurecht kommen.

2) Was passiert auf dem WKR-Ball?

"Wichtig ist, daß unsere Gäste an einem Abend im Jahr, herausgerissen aus dem Alltag, eine stilvolle, lustige und vielleicht auch ausgelassene Nacht mit Freunden und ihren Damen in der Wiener Hofburg verbringen können." So die Eigendefinition des Ball-Organisators in einem Interview mit einem Burschenschafterblatt. Offiziell ist der Ball eine Freizeitveranstaltung ohne politischen Charakter. "Man kann aber durchaus davon ausgehen, dass dort genug rechte und rechtsextreme Fäden gesponnen werden", so Peham. Dafür spricht die "illustre" Gästeschar, die regelmäßig am WKR-Ball teilnimmt.

Zusätzlich zur lokalen Szene sind auch jedes Jahr internationale Gäste, meist hochrangige Aktivisten europäischer Rechstparteien, mit von der Partie. In den vergangenen Jahren zum Beispiel immer wieder Politiker von Vlaams Belang, Pro Köln oder der NPD. Dieses Jahr wird gemunkelt, dass das neue Sternchen der Rechtsextremen, Le Pens Tochter Marine, erstmals seit ihrer Inthronisation als Nachfolgerin ihres Vaters an der Spitze der "Front National" als "Stargast" teilnimmt.

3) Wer geht dort eigentlich hin?

Der WKR-Ball ist so etwas wie das Familientreffen der rechten Szene. Gemeinsam mit dem "Heldengedenken" am 8. Mai stellt er einen der jährlichen Höhepunkte für österreichische und europäische Rechte dar - und das seit 1952. Nach außen versuchen Politiker anderer Parteien als der FPÖ die Distanz zu wahren, zumindest in offiziellen Positionen finden sich weder Schwarze, Rote noch Grüne. Unter der schwarz-blauen Regierung, so heißt es, gab es allerdings vereinzelt Besucher aus katholischen Verbindungen.

Für Aufregung sorgt dieses Jahr die Tatsache, dass angeblich ein  österreichischer Rektor als Ehrenredner auf dem Ball vertreten sein wird. Kolportiert wird der Name des Rektors der Uni Leoben, Wolfhard Wegscheider. In dessen Büro heißt es dazu allerdings: "Von einer Einladung ist uns nichts bekannt, und von einem Ehrenschutz oder einer Rede auch nicht". Nachdem in den vergangenen Jahren Rektoren, die den Ball besuchten, dafür einige öffentliche Häme einstecken mussten, halten sich die Veranstalter heuer bedeckter was ihre Gästeliste angeht.

4) Ist die ganze FPÖ vertreten?

Es ist kein Geheimnis, dass die FPÖ, vor allem in Wien, eng mit der Burschenschafterszene verknüpft ist. Dementsprechend wie die Fische im Wasser fühlen sich auch die blauen Funktionäre am WKR-Ball. Der dritte Nationalratspräsident Martin Graf ist als "ranghöchster" Burschenschafter der FPÖ-Führungsriege so etwas wie die graue Eminenz des Balls. Organisiert wird der Ball seit Jahren von Udo Guggenbichler, FPÖ-Gemeinderat in Wien. Eines der stärksten Bindeglieder der aktuellen politischen FPÖ-Führungsriege zu den Korporierten ist Barbara Rosenkranz.

Dieses Jahr könnte dagegen der oberste Blaue fehlen: Heinz-Christian Strache. Er steht mit den Burschenschaften momentan nicht gerade auf bestem Fuß, hat er sie doch mit einigen Aktionen vergrämt. Da war zunächst das Fallenlassen von Burschenschafter-Ikone Barbara Rosenkranz im Präsidentschaftswahlkampf. Dann die FPK-Fusion in Kärnten, die das deutschnationale Lager so erzürnte, dass der Doyen des Dritten Lagers, Otto Scrinzi, gar seine Ehrenmitgliedschaft zurücklegte. Und schließlich wird auch Straches Israelreise von einigen als Verrat angesehen.

Strache muss aufpassen: Die Burschenschafter scheuen sich nämlich auch nicht, anwesende Politiker auszubuhen - so etwa Herbert Haupt 2005. Und das wäre eine eindeutige Schmach für den FPÖ-Chef. Sollte der den Ball dieses Jahr wirklich auslassen, könnten an seiner Stelle Barbara Rosenkranz und Johann Gudenus die FPÖ vertreten.

5) Wieso dürfen die Burschenschafter in der Hofburg feiern?

Der WKR-Ball, und insbesondere sein Stattfinden in der Hofburg, erregt seit Jahren die Gemüter. Antifaschistische Organisationen demonstrieren jährlich gegen den Ball. Und immer wieder taucht die Frage auf: Wieso darf eine Veranstaltung, bei der maßgebliche Vertreter der rechtsextremen Szene sich die Klinke in die Hand geben, in den ehrenvollen Räumen der Hofburg stattfinden?

Aus der Presseabteilung der Hofburg, genauer der "Wiener Kongresszentrum Hofburg Betriebsgesellschaft mbH", heißt es dazu, der WKR-Ball sei einer der Traditionsbälle und habe seit über 50 Jahren seinen Platz in der Hofburg. Man sei als Veranstalter der politischen Neutralität verpflichtet, wer die Veranstaltungsbedingungen erfülle und nicht gegen ein Gesetz verstoße, sei willkommen. "Stellen Sie sich vor, wir würden einer Partei verwehren, bei uns Veranstaltungen zu machen, damit würden wir die politische Neutralität aufgeben", so die Pressesprecherin zu derStandard.at. Außerdem fühle man sich in dieser Linie bestätigt, wenn politische Repräsentanten der Republik Österreich den Ball mittragen, indem sie den Ehrenschutz dafür übernehmen. (Anita Zielina, derStandard.at, 28.1.2011)

Kommentar posten
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nasowasaberauch
03
2.12.2011, 17:29
ausgelassene nächte gabs schon viele...

...und ich bin froh dass es in den letzten jahren zu keinen progromen mehr kam.

alkohol, dumpfe rechte propaganda und nationales gedankengut waren und sind gift für ein friedliches zusammenleben von menschen. deshalb wünsch ich den rechten recken dir krätze an den sack und die eiterpusteln auf die schmisse

suboptimal
 
01
5.12.2011, 11:35
ich auch ... ich auch

aber wenn ich dasselbe meine, kriegt der Foromat die Krise
:-)

Donald McRonald
00
kommunarisch

Woran liegt das das über NS ideologe Sarraizin in wien über facebook so viele sich getraut und ihren meinungen geschrieben haben aber nicht über den europaweiten führende treff der NS in wiener hoffburg.!

Strache Bürgermeister a.D. aber Kreisky haha!
21
31.1.2011, 10:08
Haben wir das Fest auch bezahlt?

Oder waren es dieses erste Mal die Schwindulaner selbst?

Kunz Johannes
11
30.1.2011, 13:18
Gegenball der Komunisten gefordert

Was wäre, wenn die K. Partei eine Woche vor / nach dem Ball der Rechten einen eigenen veranstalten würde? "..wer die Veranstaltungsbedingungen erfülle und nicht gegen ein Gesetz verstoße.."
Auf die offizielle Verweigerung wäre ich gespannt...

cato48
22
29.1.2011, 14:43
Wieso darf man nicht gegen Rechtsrechten...

...Auftritten Demonstrieren?

Ist das vieleich schon eine Vorleistung der Fekterin für eine zukünftige Schwarz/Braune Koalition?

michelkholhaas
22
29.1.2011, 18:11
schwarzbraun ist die Mitzi am Schluss

werwolfi
34
29.1.2011, 14:21

"Man sei als Veranstalter der politischen Neutralität verpflichtet, wer die Veranstaltungsbedingungen erfülle und nicht gegen ein Gesetz verstoße, sei willkommen."

wäre interessant wie viele der dort anwesenden braunen tanzbären schon mal gegen das verbotsgesetz verstoßen haben....

Hubert Ungeist
 
00
29.1.2011, 14:41
Na dann schauen sie sich die Anzeigen und Verurteiliungen

zu den Wiederbetätigungsesetzen an. Die meisten werden wohl dort sein - und trotzdem ist es nur eine Handvoll.

Die schauen schon drauf, nicht die Grenze zu überschreiten

Nathaniel Winerib
52
29.1.2011, 14:40

eine veranstaltung wird nicht durch die teilnahme vorbestrafter rechtswidrig. stellen sie sich mal eine weihnachtsfeier in der bewaehrungshilfe vor...

werwolfi
23
29.1.2011, 17:24

wer redet von rechtswidrigkeit der veranstaltung?

die hofburg redet sich auf "politische neutralität" raus, lies was ich zitiert habe.

wenn also dort nach dem verbotsgesetz vorbestrafte tanzen, macht das nicht die veranstaltung illegal, aber sehr wohl die verwendung eines historischen repräsentationsbaus der republik illegitim.

und verbotsgesetz ist auch was anderes als vorstrafe wegen diebstahls oder schnellfahrens, denn es geht um politische neutralität, auf die sich die hofburg ja beruft.

Nathaniel Winerib
63
29.1.2011, 14:02

Die Linke fordert stets Toleranz fuer ihre Ideen, ist jedoch nicht bereit, Toleranz gegenueber anderen Ideen walten zu lassen.

Dass dies schade ist, moechte ich hier ohne jegliche Polemik und durchaus selbstkritisch anmerken: ich war ja selbst frueher mal ein "Linker" und war damals halt auch nicht gerade tolerant gegenueber konservativen Meinungen. Mit der Matura hat sich dann mein linker Eifer gelegt und gleichzeitig die Toleranz eingestellt.

wurzen sepp
 
00
erstens sind es keine rechten "ideen"

sondern gedanken- und gefühlsschlamm...

zweitens verpflichtet toleranz nicht zu stiller duldung.

überhaupt ist "toleranz" wie "freiheit" eins der amorphsten wörter, ohne festen sinngehalt, daher von jedem nach belieben strapazierbar.

Anticitizen1
00
2.12.2011, 20:29
made my day!

toleranz IST duldung, oder anders gesagt: wenn ich jmd gegenüber tolerant bin, aber ihn nicht dulde, bin ich nicht tolerant.

werwolfi
24
29.1.2011, 17:28

du verwechselst da etwas:
nur weil du vor der matura intolerant warst, warst du deswegen noch lange nicht links, denn das sind orthogonale konzepte.
ich glaube du hast noch nicht mal eine ahnung, was "links" ist.

und dass du jetzt "tolerant" sein willst, erschließt sich mir aus deinen postings ebensowenig.

FalscherProphet
24
29.1.2011, 16:06
Wie meinen - der FPÖ-Winnereib war früher links -

und verteidigt heute den gewalttätigen Neonazi Gottfried Küssel in Foren:
http://derstandard.at/plink/129... 8/19307760

Der FPÖ-Winnereib vollzog damit ja eine Mutation ähnlich der Barbara Rosenkranz, die früher in Linken Kreisen verkehrte:
http://derstandard.at/1271375128219

(Also ich persönlich glaube dem FPÖ-Winnereib kein Wort.)

Steverino
11
29.1.2011, 15:54
Wie kommen Sie zu der pauschalisierenden und dadurch doch recht intoleranten Ansicht, dass ALLE Linken intolerant seien?

Kennen Sie alle links denkenden Menschen persönlich?

Vielleicht hatte Ihre Intoleranz vor der Matura auch einfach nur mit spätpubertärer Sturheit und Ignoranz zu tun.

p1234
12
29.1.2011, 14:57

Keine Toleranz für Intoleranz. nfc

Frankensteins Fekternich
27
29.1.2011, 13:51

Ich werde in den nächsten Tagen eine Sachverhaltsdarstellung zu folgenden Themen an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte schicken:

1. Skandalprozess gegen Tierschützer in Wiener Neustadt.

2. Demonstrationsverbot gegen Ball europäischer Neonazis und Nazis im repräsentativsten Gebäude Österreichs.

3. Schubhaft für Kinder, angeordnet durch das Innenministerium.

Wer macht mit?

Hubert Ungeist
 
00
29.1.2011, 14:42
Ad 2) wenns das belegen können

wären allen gedient - dann känntens sie sie wegen des Wiederbetätigungsgesetzes anzeigen.

Nathaniel Winerib
52
29.1.2011, 14:38

Wenn ihre Bewschwerde Beweise fuer Menschenrechtsverletzungen beinhaltet, braucht niemand "mitmachen". Der EMRG ist eine juridische Institution, nicht eine politische, bei der die Zahl der Untestuetzer ueber das Anliegen entscheidet. Ich fuerchte bloss Sie irren sich:

- Eine Tanzveranstaltung ist auch dann nicht menschenrechtswidrig, wenn die Taenzer problematische politische Ansichten teilen.

- Ein Gerichsprozess ist auch dann nicht menschenrechtswidrig, wenn die Medien die Unschuld des Angeklagten vermuten.

- 2 Moeglichkeiten: Kinder von Eltern trennen, die Kinder kommen ins Heim, die Eltern in Schubhaft. Oder Eltern und Kinder zusammenlassen und kurzfristig in Schubhaft geben. Aus Sicht der Menschenrechte ist ersteres zu vermeiden!

werwolfi
22
29.1.2011, 17:32

"- Eine Tanzveranstaltung ist auch dann nicht menschenrechtswidrig, wenn die Taenzer problematische politische Ansichten teilen."

nein, das problem ist, dass mit zweierlei maß gemessen wird:
die rechten kriegen die hofburg, die demonstranten (die nicht mal notwendig "linke" sein müssen) nicht mal die straße.

"Ein Gerichsprozess ist auch dann nicht menschenrechtswidrig, wenn die Medien die Unschuld des Angeklagten vermuten."

selbes problem wie oben, zweierlei maß:
wirklich mafiöse strukturen werden nicht angetastet, missliebige tierschützer dagegen werden auf persönliche intervention eines einzelhändlers wie eine mafiaorganisation behandelt, ohne dass dafür der geringste beweis gebracht werden konnte.

Nathaniel Winerib
22
29.1.2011, 21:02

was sie hier beschreiben sind moeglicherweise ungerechtigkeiten ("mit zweierlei mass messen"), aber sicher keine menschenrechtsverletzungen.

werwolfi
10
30.1.2011, 14:18

der tierschützerprozess ist definitiv eine einzige verletzung der rechte der angeklagten, inkl. mediale vorverurteilung und durchsetzung des privaten rachefeldzugs eines (mutmaßlich schwarzen) einzelhändlers.

Nathaniel Winerib
01
30.1.2011, 16:59

Vorverurteilung? Das ist eher ein "Vor-Freispruch".

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