Neuer Kapitän soll Beiboot in der Freizeit benutzt haben
Berlin - Das deutsche Segelschulschiff Gorch Fock kommt nicht aus den
Schlagzeilen. Nun könnte auch der neue Kapitän, Michael Brühn, in Turbulenzen
geraten. Die Bild-Zeitung veröffentlichte ein Foto, das ihn vor Lanzarote
beim Wasserskifahren zeigt.
Grundsätzlich kein Problem. Doch ein Mitglied der Stammbesatzung schildert,
wie es im Jahr 2004 dazu kam, als das Schiff eigentlich gerade den Hafen
verlassen hatte: "Wir mussten wieder alle Segel raffen. Unser Kommandant wollte
unbedingt Wasserski fahren. Er ist mit dem Beiboot runter und dann circa zwanzig
Minuten immer auf- und abgefahren. Wir waren alle fassungslos."
Fotografieren verboten
Laut Schilderungen der Mannschaft ist ihr verboten worden, Fotos zu machen.
Brühn war von 2001 bis 2006 Kapitän, nun ist er es wieder. Er soll das Schiff
nicht nur nach Hause (nach Kiel) bringen, sondern auch mit einem siebenköpfigen
Team die Todesumstände einer im November tödlich verunglückten Kadettin klären.
Die Abberufung des eigentlichen Kapitäns, Norbert Schatz, bringt Unruhe in
die Marine. In der Rheinischen Post klagt der Vorsitzende der Marine im
Bundeswehrverband, Kapitänleutnant Uwe Sonntag: "Gerade Offiziere mit
Führungsverwendung fragen sich: Wie viel Vertrauen können wir noch in die
politische Führung haben? Aus unserer Sicht hat der Minister überreagiert."
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) versucht derzeit auch
für die im Rahmen seiner Heeresreform geplanten Schließungen von Kasernen um
Verständnis werben. Kritischen Kommunalpolitikern sagt er im
Bayernkurier, die Bundeswehr sei "nicht primär da, Strukturpolitik zu
betreiben". (bau)