Kurzfristiger Erfolg statt langfristige Strategie

23. Februar 2011, 14:06
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Krise bewirkte starke Veränderungen in der Unternehmenssteuerung

A.T. Kearney und das Institut für Unternehmensführung der WU Wien haben 120 österreichische Top Manager befragt, wie sie ihre Unternehmen erfolgreich steuern und wie sie durch die Krise gekommen sind. Die Studie zeigt, dass die meisten Top-Unternehmen zukunftsorientierte Steuerungsgrößen zwar als bedeutend bewerten, bei der internen Steuerung jedoch doch eher auf Kennzahlen mit kurzfristig-finanziellem Bezug setzen. Stakeholder wie Kunden, Eigentümer und Mitarbeiter beeinflussen wesentlich unternehmenspolitische Entscheidungen.

Veränderungen in der Unternehmenssteuerung

61 Prozent der befragten Unternehmen haben ihr internes Steuerungssystem neu ausgerichtet. Bei wichtigen Entscheidungen bezieht das Top-Management vermehrt die Interessensgruppen des Unternehmens mit ein (Stakeholder-Orientierung). Den höchsten Stellenwert haben dabei die Kunden (81 Prozent aller Befragten), dicht gefolgt von den Eigentümern. Auf Platz drei landen die Mitarbeiter (51 Prozent). "Einen überraschend geringen Einfluss auf unternehmenspolitische Entscheidungen in Österreich haben die Gewerkschaften, die Medien und die Banken", so Gerhard Speckbacher, Vorstand des Instituts für Unternehmensführung der WU Wien.

Auch das Thema Nachhaltigkeit hat Einzug in die Vorstandsbüros gehalten. So setzen 68 Prozent von Österreichs Top-Unternehmen stark bis sehr stark auf eine umweltfreundliche Leistungserbringung und 77 Prozent auf Abfallminimierung. Auf sozialer Ebene ist es 90 Prozent der Unternehmen wichtig bis sehr wichtig als guter Arbeitgeber wahrgenommen zu werden.

Kurzfristige finanzielle Kennzahlen im Vordergrund

Unternehmenssteuerung und Mitarbeiterführung heiße für Österreichs Unternehmen aber in erster Linie Steuerung nach kurzfristigen finanziellen Kennzahlen. Die Orientierung an der langfristigen Wertschaffung bleibe in vielen Fällen ein Lippenbekenntnis, so Speckbacher: "Obwohl 80  Prozent der Unternehmen um die Bedeutung der langfristigen Wertschaffung wissen, setzt die Mehrheit immer noch auf kurzfristige Erfolgskennzahlen."  Auch die variable Entlohnung für das Top-Management sei immer noch eher kurzfristig ausgelegt, wobei nicht-finanzielle Kennzahlen und langfristig angelegte Bonusbanksysteme kaum eine Rolle spielten.

"Nachhaltig erfolgreich und krisensicherer sind Unternehmen vor allem dann, wenn sie verstärkt auf zukunftsorientierte Kennzahlen und bei der Mitarbeiterführung stark auf langfristig orientierte Vergütungsmodelle und immaterielle Anreize setzen", so Kurt Oswald, Vice President bei A.T. Kearney. (red, derStandard.at)

Erfolgsfaktoren

A.T. Kearney sieht vier Charakteristika, welche erfolgreiche Unternehmen auszeichnen:

  • Verstärkter Einsatz von zukunftsorientierten Kennzahlen: 60 Prozent der in der Krise erfolgreichen Unternehmen wenden zukunftsorientierte Kennzahlen stark bis sehr stark an, während das die vergleichsweise weniger erfolgreichen Unternehmen nur zu 36 Prozent tun
  • Leistungsabhängige Vergütungsmodelle mit Mitarbeiterpartizipation bei der Zielvereinbarung: 80 Prozent der erfolgreichen Unternehmen setzen auf eine partizipative Zielvereinbarung während das die weniger erfolgreichen Unternehmen nur zu 44 Prozent machen
  • Langfristig orientierte Vergütungsmodelle wie Bonusbanken: 20 Prozent der erfolgreichen Unternehmen setzen auf Bonusbanken, während das nur bei zwei Prozent der schwach performenden Unternehmen der Fall ist
  • Einsatz von immateriellen Anreizen (z.B. Autonomie, Anerkennung, Trainings): 84 Prozent der erfolgreichen Unternehmen ergänzen leistungsabhängige Bonuszahlungen im Gegensatz zu 66 Prozent bei weniger erfolgreichen Unternehmen
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