Lebensbedingungen haben sich seit 2001 verschlechtert

27. Jänner 2011, 22:27
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"Ein Drittel hungert, drei Viertel ohne sauberes Trinkwasser" - Afghanistan auf dem vorletzten Platz der UN-Entwicklungstabelle

Berlin  - Die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete internationale Organisation "Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung" (IPPNW) prangert an, dass der Afghanistan-Einsatz der NATO die Lebensbedingungen der Bevölkerung nicht verbessert habe. "Ein Drittel hungert, drei Viertel haben kein sauberes Trinkwasser und die Kinder- und Müttersterblichkeit ist eine der höchsten der Welt. Jedes vierte Kind stirbt vor dem fünften Lebensjahr", hieß es in einer am Donnerstag in Berlin veröffentlichten IPPNW-Erklärung. Die Lebenserwartung liege durchschnittlich bei 44 Jahren. In der Entwicklungstabelle der Vereinten Nationen sei Afghanistan seit 2001 um sechs Plätze zurück auf den vorletzten Platz gefallen.

Die IPPNW kritisierte, dass die deutsche Regierung die wahren Kosten für den Afghanistan-Krieg verschleiere. Die Erklärung wurde vor der Abstimmung im deutschen Bundestag über eine Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan veröffentlicht. 2010 sei für die Zivilisten das tödlichste Jahr seit 2001 gewesen, klagte die Vorsitzende Angelika Claußen. Es sei zudem das verlustreichste Jahr für die NATO-geführten ISAF-Truppen seit Kriegsbeginn gewesen. "Neun deutsche Soldaten starben. Auch die Zahl der deutschen Soldaten mit posttraumatischen Belastungsstörungen hat 2010 einen neuen Höchststand erreicht."

In Afghanistan fehle "eine verantwortungsvolle Zukunftsvision", sagte Claußen. Statt auf Krieg und fortgesetzte Bewaffnung afghanischer Dorfmilizen sollte die westliche Staatengemeinschaft auf Verhandlungen und Rückzug der eigenen Truppen setzen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) habe eine Gesamtsumme für den Einsatz zwischen 18 und 33 Milliarden Euro errechnet - für den Fall, dass die deutschen Truppen das Land Ende ab 2011 verlassen. Sollten die Truppen aber bis 2016 in Afghanistan bleiben, stiegen die Kosten nach der Studie auf einen Betrag zwischen 26,2 und 46,8 Milliarden Euro. Laut Verteidigungsministerium hat der Einsatz in Afghanistan zwischen 2001 und 2010 4,1 Milliarden Euro gekostet.

"Die deutschen Ausgaben für die Entwicklungshilfe in Afghanistan sind dagegen marginal", sagte Claußen. Die Mittel für den zivilen Wiederaufbau Afghanistans bis 2013 beliefen sich pro Jahr auf etwa 430 Millionen Euro (250 Millionen Euro Entwicklungshilfeministerium und 180 Millionen Euro Auswärtiges Amt). Sie forderte, die durch einen Abzug der Bundeswehr freiwerdenden Gelder zur Verbesserung der Lebensbedingungen der afghanischen Bevölkerung einzusetzen. (APA/dapd)

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    foto: epa/jalil rezayee

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