Lehrerausbildung: Trennung Hauptschul- und AHS-Lehrer soll fallen

27. Jänner 2011, 15:16

Karl und Schmied in Salzburg für gemeinsame Lehrerausbildung - Kooperationen zwischen PH und Unis soll sich unterschiedlich entwickeln können

Salzburg - Bis Jahresende sollen die Grundzüge der neuen Lehrerausbildung in Österreich feststehen. Dieses Ziel gaben Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) und Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) am Donnerstag bei einer Diskussion im Rahmen einer Tagung zur "Forschung der Wirksamkeit von LehrerInnenbildung" in Salzburg vor. Sie legten dabei ein Bekenntnis zu einer gemeinsamen Ausbildung für alle im Lehrberuf tätigen Personen ab. Die Differenzierung zwischen Hauptschul- und AHS-Lehrer werde - auch unter Hinblick auf die geplante Mittlere Reife - fallen, meinte Schmied.

Entscheidend sei, dass es sich um eine Ausbildung auf tertiärem Niveau handle, in die auch die Frühkindpädagogik miteinbezogen werde, sagte Schmied. Gemeinsames Ziel sei, dass die neue Ausbildung noch in dieser Legislaturperiode starte. Gleichzeitig müsse man auch an einem neuen Dienst- und Besoldungsrecht arbeiten. Noch ist der künftige Weg zum Lehrerberuf allerdings recht unkonkret.

Keine Differenzierung zwischen Hauptschul- und Gymnasiallehrern

"Sowohl Pädagogische Hochschulen als auch Universitäten haben ihre Stärken. Wir brauchen beide", meinte Karl. Sie stellt sich vor, dass der Bund Qualitätskriterien vorgibt, die konkreten Kooperationen zwischen den beiden derzeit für die Lehrerbildung zuständigen Institutionen aber vor Ort entwickelt werden. Diese Kooperationen könnten von Standort zu Standort unterschiedlich sein, meinte die Wissenschaftsministerin: "Es wird kein starres Korsett geben." Überlegt wird ein Akkreditierungssystem für die Angebote. Am Ende des Weges könnten auch Pädagogische Universitäten stehen, meinte Schmied.

Die Differenzierung zwischen Hauptschul- und Gymnasiallehrer wird fallen: "Es gibt kein Argument mehr, warum man in der Ausbildung differenzieren soll, wenn wir in Richtung Mittlere Reife gehen", sagte Schmied. Gedacht ist im Rahmen der Lehrerausbildung an einen gemeinsamen pädagogischen Kern für alle, Differenzierung über Schwerpunktsetzungen und eine fachwissenschaftliche Ausbildung. Ziel ist es, eine Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Stufen zu erreichen. So sollte ein Volksschullehrer irgendwann mit weiterführenden Ausbildungsmodulen an ein Gymnasium wechseln können, meinte Karl.

Einig sind sich die Ministerinnen darüber, dass es ein Aufnahmeverfahren für den Lehrerberuf geben wird. "Wir wollen nur die besten und motiviertesten Lehrer im Klassenzimmer", sagte Karl. Eine Eingangsphase, bei der auf Eignung und Neigung geachtet werde, sei im Interesse aller Beteiligten, erklärte auch Schmied. (APA)

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mountaineer
00
10.3.2011, 14:02

Nachdem man die Hauptschulen unter de-facto Einsparungsmaßnahmen in Neue Mittelschulen umtauft, ist es ein Leichtes, auch die Lehrerausbildung zu verkürzen, vereinheitlichen und zu den PÄDAK-Leuten in Zukunft Herr Hofrat, Professor Studienrat zu sagen, bei schlechterer Bezahlung, versteht sich!

uwe wolf
00
15.2.2011, 15:23
Weniger ist mehr

fachlich weniger firm sein ist gut, vor allem für das
Lehrerbashing

Alfred Moosbrugger
13
31.1.2011, 07:34

Also, ich finde es gut, wenn die Lehrer endlich eine kürzere Ausbildung mit weniger fachlichen Inhalten bekommen, denn dann kann man auch eine niedrigere Entlohnung rechtfertigen.
Außerdem kann man dann den eklatanten Lehrermangel relativ schnell beheben, denn wenn die Ausbildung plötzlich nur mehr drei Jahre dauert, werden in drei Jahren einige Jahrgänge gleichzeitig fertig: die letzten wenigen Lehramtsabgänger, die länger an einer Uni studiert haben und deshalb Dünkel sowie die dreijährigen Bachelors von der Lehrerbildungsanstalt neu.

P.S.: die Neue Mittelschule gab es bereits einmal: im 19. Jahrhundert (1860er). Und sie war kein großer Wurf.

annea
02
30.1.2011, 12:09

Liebe Frauen Minister!
Anschauen, auch wenns Deutschland betrifft, es ist in Ö nix anders. Ich bin Lehrer, und den Teufel werd ich tun, wieder zu unterrichten, solange sich das Berufsbild in der Öffentlichkeit nicht bessert. Und ihr arbeitet ja brav daran, dass es immer schlimmer wird.
http://www.youtube.com/watch?v=D... _embedded#

EricderRote
00
29.1.2011, 19:13
schon mal gerechnet?

Die Gewerkschaft beharrt auf einheitlicher Bezahlung der PflichtschulelehrerInnen, also die 70.000 PflichtschullehrerInnen werden an die 40.000 AHS, BHS usw, LehrerInnen angeglichen.
derzeit besteht ein monatlicher Unterschied von ca. 450 € mal 14 (Gehälter) mal 70.000, ergibt in etwa knappe 500.000.000 pro Jahr!
Zur Umsetzung der NMS wurden 130.000 angekündigt, die dazukämen. Hat irgendjemand im Ministerium das schon durchgerechnet?

D/E
01
30.1.2011, 11:57
Sie haben sich da mehrmals verrechnet: Die NMS kostet pro Klasse 20.000 Euro mehr, das geht doch eher in Richtung eines zweistelligen Millionenbetrags.

Was die Angleichung der Gehaltssysteme betrifft, fordert die Gewerkschaft für die neu auszubildenden Lehrer (!!!) die Anpassung an das Akademikerschema.

Vermutlich wird das nicht gelingen. Der Dienstgeber sorgt ja mit seiner Reduktion auf das Bachelor-Niveau schon einmal vor. Lehrer, deren Dienstverwendung einen Master-Grad erfordert, müssten dann eben ein Akademikergehalt bekommen, die Bachelor entsprechend weniger. (Im Entwurf für das neue Dienstrecht wird die Bezahlung nach Verwendung vorgeschlagen.)

Verhandelt wird auf der Basis einer niedrigerwertigen Ausbildung über neue Dienstverträge, die höhere Anfangsbezüge und eine (nach dem Wunsch des Ministeriums) deutlich erhöhte Lehrverpflichtung bringen.

EricderRote
00
verrechnet

wo soll ich mich verrechnet haben. Die NMS nur 20.000 pro Klasse?
ergibt nach Stand dass teamteaching in den Hauptgegenständen 8im letzten entwurf kämen sogra noch realienstunden doppelt dazu) stattfindet pro jahr und klasse ca. 600 stunden. oder pro stunde ca 33,- euro, wobei hier noch die nebenkosten (krankenstände, lohnnebenkosten) abzuziehen sind. um 20;- € pro stunden bekommen sie nicht einmal ungelernte arbeiter.
der rechenfehler liegt bei ihnen...

Sche
01
30.1.2011, 18:19
Lustig in diesem Zusammenhang...

...und daher ergänzend bemerkt:
Österreich hatte in der Vergangenheit ja im OECD-Vergleich eine zu niedrige Akademikerquote, die unter anderem durch die Einführung des Bachelors für PflichtschullehrerInnen jetzt natürlich nach oben korrigiert wird.
Gleichzeitig wird der Bachelor im öffentlichen Dienst nicht als akademischer Grad anerkannt und die jungen KollegInnen, die die PH abgeschlossen haben, werden gleich bezahlt wie Absolventen der ehemaligen PädAk.

Immer wieder erheiternd, wie man sich die Dinge in diesem Land richtet.

D/E
01
29.1.2011, 15:39
Ich hätte da ein paar Anmerkungen:

1. Die "Lehrerausbildung NEU" (klingt blöd, heißt aber so) sieht vor, dass alle Lehrer/innen die gleiche Ausbildung machen. Gleichzeitig sollen aber durch ein modulares System auch Quereinsteiger aus anderen Studienrichtigungen übernommen werden. Ist das eigentlich konsistent?

2. Grundsätzlich soll der Bachelor-Grad für den Lehrberuf genügen. Nach einem 2-jährigen "Turnus" (bislang Unterrichtspraktikum) kann man vollausgebildeter Lehrer werden. Gilt das für den Schultyp, an dem man den "Turnus" gemacht hat oder für alle Schulen?

3. Für bestimmte Aufgaben benötigt man ein weiterführendes Masterstudium, für Leiterstellen z. B. wahrscheinlich ein Doktorat. Bedeutet das am Ende, dass Leiterstellen nicht mehr parteipolitisch vergeben werden?

D/E
02
30.1.2011, 12:05
4. Jetzt sollen also in der Sekundarstufe II (HS/AHS-Unterstufe)

gleich ausgebildete Lehrer/innen unterrichten. In den nächsten 2 Jahrzehnten wird das nicht ganz gelingen, da ja noch eine Menge "Altverträge" bestehen. Besonders die Höhe der Lehrverpflichtung wird da für Ungerechtigkeiten sorgen.

2. Statt ständig neue Pressemitteilungen über die wunderbare neue Ausbildung und das neue Dienstrecht zu verbreiten, sollte man nicht endlich ein Modell ausverhandeln und dann damit an die Öffentlichkeit gehen?

Ich weiß ja nicht, in welchem Managerhandbuch steht, dass nur völlig verunsicherte Mitarbeiter/innen gute Arbeit leisten. Ich persönlich glaube auch nicht daran. Die Frustration in den Lehrerzimmern nimmt langsam bedrohliche Ausmaße an.

Voll in die Kaldaunen!
00
28.1.2011, 22:00
Hinweis

Schauen wir uns doch einmal das Abstimmungsergebnis (mein Posting vom 27. 1. 16:18) an. Es spricht Bände ...

Wolfgang SALZER
 
00
28.1.2011, 18:02
Und die Oberstufe?

An Unterstufen/NMS soll natürlich gleich ausgebildete Lehrer/-innen unterrichten, da spricht nichts dagegen.
Das Problem ist nur, dass derzeit, vor alle an kleineren AHS-Langformen, kein/e Lehrer/-in nur in der Untertufe unterrichten kann! Und für den anspruchsvollen Fachunterricht an der Obrstufe braucht es schon mehr als die Ausbildung für die Unterstufe...
Für manche wohl ein Argument, die Unterstufe abzuschaffen, allerdings sicher nicht im Interesse der dort Ausgebildeten!

mountaineer
11
28.1.2011, 14:09
Das wird lustig werden:

Lehrer, die nie eine echte Uni von innen gesehen haben, bereiten die Maturantinnen auf die Universität vor!

lehrer
10
29.1.2011, 20:32
pessimist...

wie bereiteten ahs lehrer menschen auf die wirtschaft vor..? und unis und fh? bwl, jus, medizin,....also ihr beispiel hinkt ja unglaublich...!

ride my pimp
11
10.2.2011, 11:29

Ihr Schablonendenken ist ein Wahnsinn. Ich bin AHS-Lehrer und habe gleichzeitig auch Wirtschaft studiert (Doktorat) und in internationalen Konzernen gearbeitet (u. a. Mercedes in Stuttgart-Vaihingen, Marketing).
Aber für Sie ist die Welt Schwarz-Weiß.

a_ch
10
28.1.2011, 13:35
Endlich!

Den Sand im NMS-Getriebe - zwei unterschiedlich bezahlte Lehrern in einer Klasse - hätte man sich sparen können. Eine einheitliche Lehrerausbildung ist längst überfällig. Aber bitte auf möglichst hohem Niveau und ohne die VS-Lehrer zu vergessen!

mountaineer
00
28.1.2011, 13:48

Träumer!

Physikus75
23
28.1.2011, 12:29

Das ist der Untergang eines qualitativ hochwertigen Oberstufenunterrichts in genau jenen Fächern, die laut Schmied/Karl so wichtig für unsere Zukunft sind, also Mathe Informatik Naturwissenschaften (MINT). Genau die Fächern von denen diese 2 Personen absolut keine Ahnung haben.

Vor allem die HTL wird ihre Freude haben, wenn die zukünftigen Mathe-Lehrer in ihrer Ausbildung noch nie eine Differentialgleichung auch nur gesehen haben oder Laplace-Transformation nicht mal vom Hören-Sagen kennen. Mangels der nötigen Grundkenntnisse ist dann wohl auch ein Selbststudium der "höheren Mathematik" nicht mehr drinnen.

carven
01
28.1.2011, 18:16

wir haben bzw. hatte Kinder in HS, AHS Unter- und Oberstufe. die absolut unfähigste MA-Lehrerin fand sich in der AHS Unterstufe. Nicht fähig, irgend etwas zu erklären, Hausübungen zwar verlangt aber nicht verbessert und dann Schularbeiten über 5 und mehr Seiten. Nachschularbeiten seit der 3. Klasse üblich, Intervention beim Direktor brachte genau nichts. A ja, und das Kind in der HS ist dank einer Superlehrerin in MA ohne jedes Problem in die AHS-Oberstufe übergetreten. Note in der fünften Klasse: 1. Es gibt halt überall Fähige und Unfähige, wobei meiner Ansicht nach die Unfähigeren (sprich Fauleren) eindeutig in der AHS sitzen. Zeigt der Lehrer Einsatz, zeigen ihn meist die Kinder auch.

D/E
00
30.1.2011, 12:33
Dass die Qualität der Lehrkraft mehr Einfluss auf den Unterrichtsertrag als die Schulform hat,

wird niemand bestreiten.

Aus einem solchen Erlebnis lässt sich aber auch nur diese Erkenntnis ableiten.

Weder sind AHS-Lehrer/innen generell besser noch schlechter als HS-Lehrer/innen. (Mir fallen gerade ein paar ziemlich unerfreuliche Fälle ein, in denen die HS Kinder nachhaltig beschädigt hat.)

Das Problem mit der neuen Lehrerausbildung ist, dass sie angeblich die Qualität steigern wird, jedoch praktisch nur nach Unten nivelliert.

Besonders lächerlich finde ich die angekündigte Aufnahmeprüfung, die (Wie bitte?) feststellen soll, ob jemand ein guter Lehrer wird. Unfug.

Offenkundig ungeeigneten Student/innen raten ihre Betreuungslehrer schon heute, den Beruf zu wechseln. Meist vergeblich.

mountaineer
20
28.1.2011, 18:38
Oberstufe hat nur 4 Klassen

Mein lieber Schwan - die AHS-Oberstufe hat nur vier Schulstufen bis zur 8.

Dass Sie von der 5. AHS-Oberstufe schreiben, deutet darauf hin, dass hier irgendwo der Hund begraben ist.

Mathematik scheint in Ihrer Familie ein rotes Tuch zu sein - aber bei mir auch, also grämen Sie sich nicht.

annea
00
30.1.2011, 12:25

Wo ist das Problem? eine AHS hat 8 Klassen, 14-4. ist Unterstufe, 5.-8. ist Oberstufe. Wenn jetzt das Kind nach der HS in eine AHS-Oberstufe übertritt dann ist es in der 5. Klasse und macht 4 Jahre später, also in der 8., die Matura. Wer hat jetzt ein Mathematikproblem?

mountaineer
00
31.1.2011, 07:18

Wenn ich vier Jahre nach der fünften die Matura mache, dann bin ich wohl einmal - in Mathe sitzen geblieben.

carven
00
30.1.2011, 18:09

Danke, dass Sie es dem netten Poster so anschaulich erklärt haben! Ich habe auch das Mathematikproblem nicht unbedingt auf meiner Seite erkannt. Zusätzlich dürfte es auch noch beim sinnerfassenden Lesen Schwierigkeiten geben.

Grantscherben
01
28.1.2011, 13:37
Wird dann so wie ...

In den EDV Fächern an der HTL ist das Nichtauskennen anscheinend das wichtigste Anstellungskriterium.
Was in der HTL Wien XXII an Flaschen rumrennt ...
Von fünf Leuten hat einer ne Ahnung und der arbeitet meist hauptberuflich an EDV-Projekten für Wirtschaftsunternehmen.
... aber bei den Tests dann mächtig verlangen und es regnet 25 Fetzn bei 30 Schülern. Konsequenzen der Schulführung: keine, nichts, NIX, GAR NICHTS!!!

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