Japanische Geschenke für Liszt

27. Jänner 2011, 15:02
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2011 feiert Raiding den 200. Geburtstag seines großen Sohnes Franz Liszt. Um die vielen Musiker adäquat unterzubringen, sollen für das Jubiläum zehn Häuser gebaut werden. Die Entwürfe kommen aus Tokio

Wien/Raiding - Im Oktober 2011 jährt sich der 200. Geburtstag des Pianisten und Komponisten Franz Liszt. Die burgenländische Gemeinde Raiding, Geburtsort Liszts mit gerade einmal 850 Einwohnern, wird zum Jubiläum fest in die Tasten hauen - sehr zum Leidwesen der Gemeinde, denn noch weiß niemand, wo man die vielen Künstler und Musiker wird unterbringen können.

Der österreichische Autor, Fotograf und Filmemacher Roland Hagenberg, derzeit in Tokio lebend, hatte die Idee zum Problem: Er addierte Heimat A und Wahlheimat B zu einem hübschen und berührenden Summenspiel namens Japan Liszt Raiding und beauftragte zehn japanische Architekturbüros - darunter auch weltweit bekannte wie etwa Toyo Ito, Kengo Kuma sowie die diesjährigen Pritzker-Preisträger Sanaa - mit der Planung von temporären Künstlerunterkünften. Die Entwürfe waren bis 27. September im Architekturzentrum Wien (AZW) zu sehen. Geht alles nach Plan, sollen die japanischen Ideen im Sommer in die Realität umgesetzt werden.

"Auf Gedeih und Verderb liefern sich zehn Tokioter Architekten dem Land aus", sagt Hagenberg. "Die Latte liegt hier eindeutig höher als in der anonymen Großstadt." Architekt Terunobu Fujimori zeigt sich von der Strenge der Pampa völlig unbeeindruckt. Mit Humor und Selbstironie befestigt er eine Art Nussschale auf einem Seil. Betreten werden die kleinen Domizile in Form von Obst und Gemüse jeweils über eine Leiter. Tezuka Architekten planen ein schlichtes Haus mit Bett und Klavier, bei dem man das Dach, einem Konzertflügel gleich, nach oben aufklappen kann. Und Jun Aoki träumt von einem Haus aus altem, vergilbtem Pergamentpapier. Das ist Nippon.

"Wir werden alles Erdenkliche tun, um das Projekt zu realisieren", meint Bürgermeister Markus Landauer (ÖVP). "So eine Chance dürfen wir uns nicht entgehen lassen." (Wojciech Czaja/ DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.9.2010 / red)

  • Künstlerdomizil in Schwebe: Architekt Terunobu Fujimori träumt davon, 
die Künstlerinnen und Musiker in der Luft aufzuhängen. So sieht sein 
Haus für Raiding aus.
    foto: fujimori

    Künstlerdomizil in Schwebe: Architekt Terunobu Fujimori träumt davon, die Künstlerinnen und Musiker in der Luft aufzuhängen. So sieht sein Haus für Raiding aus.

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