Letzte Chance für KESt-freie Gewinne

27. Jänner 2011, 15:03
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Für Aktien-Investments gibt es kein Entrinnen mehr vor der KESt. Zertifikate-Anleger können die Steuer noch bis zum 1. Oktober umgehen

„Rien ne va plus – nichts geht mehr" heißt es für Aktien-Anleger seit Anfang dieses Jahres: Die Zeit der steuerfreien Gewinne ist vorbei. Wer seit dem 1. Jänner Dividendenpapiere kauft, dem werden ab 1. Oktober 2011 vom Profit pauschal 25 Prozent Kapitalertragsteuer (KESt) abgezogen – auch wenn er die Aktien länger als ein Jahr, und damit über die bisherige Spekulationsfrist hinaus, hält. Der nahende Stichtag führte gegen Ende Dezember zu einem regelrechten Run auf österreichische Aktien: „In den letzten Tagen wurden die Effekte der Wertpapier-KESt-Vorziehkäufe auf den ATX nochmals kräftig sichtbar", sagt Erste Group-Aktienchefanalyst Günther Artner.

Was viele Anleger nicht wissen: Für Zertifikate steht der Stichtag erst noch bevor! Strukturierte Produkte werden von der neuen KESt nämlich erst dann erfasst, wenn sie nach dem 30. September 2011 angeschafft werden. Für vor diesem Tag erworbene Zertifikate „laufen die Spekulationsbesteuerung und die maßgeblichen Fristen weiter", heißt es beim Bundesministerium für Finanzen. Durch diese Regelung können bestimmte Zertifikate-Investments sogar bei Verkäufen nach dem 1. Oktober 2011 KESt-frei sein – nämlich die, für die es bislang auch schon Ausnahmen gab.

KESt-frei sind demnach Index-Zertifikate mit Emissionsdatum vor dem 1. März 2004, und wenn die betreffende Emission vor dem 1. August 2005 geschlossen wurde. „Diese sogenannten ‚Altemissionen‘ bieten für Anleger, die von steigenden Aktienmärkten ausgehen, eine steueroptimale Anlagemöglichkeit", erklärt Heike Arbter, Chefin der Zertifikate-Abteilung der Raiffeisen Centrobank (RCB). Anleger sollten sich allerdings beeilen: „Noch ist bei einem knappen Dutzend solcher RCB-Altemissionen Volumen vorhanden, darunter zum Beispiel Papiere auf den ATX (ISIN AT0000340161) und auf den Euro Stoxx 50 (ISIN AT0000340146)", so Arbter. „Ich erwarte allerdings, dass das Anlegerinteresse bei diesen Papieren im Jahresverlauf spürbar zunehmen wird. Da es sich um geschlossene Emissionen handelt, könnte es also sein, dass wir in einigen Papieren irgendwann ausverkauft sein werden."

Sämtliche elf KESt-freien Zertifikate, welche die RCB derzeit verfügbar hat, sind in einem gesonderten Informationsblatt aufgeführt. Anleger können diese Liste auf der Homepage www.rcb.at herunterladen. Eine noch etwas größere Auswahl bietet die Volksbank AG: „Wir verfügen derzeit über 13 KESt-freie Index-Zertifikate mit genügend Volumen auf unseren Büchern", erklärt Albert Skorepa, Zertifikate-Experte der Volksbank AG. „Über den Zertifikatefinder können Sie einfach beim Suchkriterium ‚KESt-frei‘ ein Häkchen setzen und es listet Ihnen alle Index-Zertifikate auf", Skorepa weiter. Der Clou: Sogar das aktuell verfügbare Volumen wird mit angezeigt. Von einem Tracker (ISIN AT0000432703) auf den Dow Jones-Index beispielsweise sind derzeit 840.078 Stücke vorhanden.Als besonderen Service listet Zertifikate // Austria ab sofort alle Index- und Partizipations-Zertifikate mit Steuervorteil auf der Homepage auf.

Ebenfalls weiterhin KESt-frei sind Turbo-Zertifikate mit einem anfänglichen (zur Emission) Hebel größer als fünf sowie sämtliche Optionsscheine – vorausgesetzt, Anleger kaufen sie vor dem 1. Oktober 2011 und halten sie länger als ein Jahr. „Wir haben etliche KESt-freie Turbos im Angebot", sagt Andre Albrecht, Zertifikate-Experte von der Erste Group Bank. Über den KESt-Status zu ihren Turbos informiert die Emittentin auf ihrer Homepage produkte.erstegroup.com, und zwar auf den jeweiligen Detail-Seiten zu den einzelnen Zertifikaten.

Auch für konservative Anleger sind die KESt-freien Turbos nicht uninteressant, lässt sich neben dem Steuervorteil durch den Hebeleffekt zudem doch der Kapitaleinsatz erheblich reduzieren. Beispiel: Statt 5.000 Euro in die OMV-Aktie zu stecken, genügen bei einem Investment in ein Turbo Long-Zertifikat auf OMV (ISIN AT0000A0CZU1) mit einem Hebel von 1,90 lediglich 2.632 Euro, um das gleiche Ergebnis zu erzielen. Der Knock-Out von 16,30 Euro liegt aktuell komfortable 49,5 Prozent vom aktuellen OMV-Kurs entfernt. Für besonders interessant erachtet Erste-Experte Albrecht Turbos auf Raiffeisen Bank International (ISIN AT0000A0K5A1, Hebel 2,71), Telekom Austria (ISIN AT0000A0DLQ7, Hebel 4,25), Voestalpine (ISIN AT0000A0DM55, 1,64) und Erste Group Bank (ISIN AT0000A0L9S4, Hebel 3,86). Auch die RCB offeriert zahlreiche KESt-freie Turbos. Die Infos hierüber erhalten Anleger am einfachsten über die Zertifikatesuche auf der Homepage.

Für Spezialisten gibt es eine weitere Möglichkeit, KESt-freie Gewinne zu erzielen: Mit Garantie-, Index- und Partizipations-Zertifikaten, die unter Emissionspreis notieren, können Anleger die Steuer umgehen. Denn sofern diese Papiere bis zum 30. September gekauft werden, ist die Grundlage für die KESt-Berechnung die Differenz zwischen Verkaufskurs und Ausgabepreis.

Wird beispielsweise das Zertifikat auf den CECE Mid Cap Index (ISIN AT0000A07YR4) von der RCB zum aktuellen Kurs von 16,51 Euro angeschafft, ist ein Verkauf bis zum einstigen Ausgabekurs von 38,94 Euro KESt-frei. Die drei Wiener Emittenten haben etliche Papiere unter Emissionspreis im Angebot, wobei sich wiederum bei der Volksbank AG per Mausklick gezielt und komfortabel nach Zertifikaten „unter pari" suchen lässt.

Fazit: Das ATX Index-Zertifikat von der Raiffeisen Centrobank (RCB) ist eine von zahlreichen Möglichkeiten, wie Sie die neue KESt noch umgehen können. Voraussetzung dafür ist ein Kauf vor dem Stichtag 1. Oktober 2011. Weil es sich um eine geschlossene Emission handelt, das Volumen also nicht mehr aufgestockt werden kann, empfiehlt es sich, bereits einige Zeit vor dem Stichtag zuzugreifen. Die RCB hat weitere solcher „Altemissionen" im Angebot, mit denen Sie sich den langfristigen Steuervorteil sichern können – darunter Zertifikate auf die Indizes CECE, DAX, Euro Stoxx 50 und Nikkei 225. Insgesamt 13 KESt-freie Index-Zertifikate mit genügend Volumen offeriert die Volksbank AG, darunter beispielsweise Papiere auf den Dow Jones Industrial Average, den Hang Seng China Enterprises und den Stoxx Health Care 600. Eine Übersicht über die erhältlichen KESt-freien Index-Zertifikate finden Sie ab sofort auf unserer Homepage.

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