Kein Wehrdienst, kein Zivildienst: Das Sozialsystem wird darunter leiden

31. Jänner 2011, 10:00
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Wie soll das Sozialsystem aufrecht erhalten bleiben, wenn die allgemeine Wehrpflicht und damit auch der Zivildienst abgeschafft werden? Die Verantwortlichen haben sich bisher zu wenige Gedanken gemacht

150 Euro pro Monat sind für einen Minister oder einen Bundeskanzler nicht viel Geld. Für einen jungen Menschen, der mit 18 Jahren am Anfang des Erwachsenwerdens steht, sind 150 Euro nahezu überlebenswichtig. Es ist jene Summe, die das Sozialministerium normalerweise Personen im Alter von 18 bis 26 Jahren zuschießt, die ein "Freiwilliges Soziales Jahr" absolvieren. Heuer kommt es zu Verzögerungen bei der Auszahlung (derStandard.at berichtet). Die jungen Freiwilligen helfen etwa in Wohnheimen für Menschen mit Behinderung aus und leisten wertvolle Arbeit.

Ihre Arbeit ist vergleichbar mit jener, die Zivildiener leisten. Auch sie sind derzeit unverzichtbare Stützen im Sozialsystem, leisten großartige Hilfe, helfen bei der Rettung, in Krankenhäusern oder Pflegeheimen aus. 

Dass sich die Auszahlung heuer verzögert ist insofern besonders kritikwürdig, weil derzeit EU-weit das Jahr der Freiwilligenarbeit gefeiert wird. Auch das österreichische Sozialministerium organisiert Veranstaltungen und wirbt dafür. 

Wie wichtig die Hilfe der Freiwilligen in Zukunft sein könnte, dürfte Sozialminister Rudolf Hundstorfer aber nicht ganz entgangen sein. Es ist begrüßenswert, dass er Menschen, die diese Sozialdienste leisten, künftig besser entlohnen will. 1300 Euro brutto pro Monat sind im Gespräch. Und nicht nur junge Erwachsene sollen zum Zug kommen, auch ältere, die sich etwa neu orientieren wollen.

Nun kommt es ja nicht von ungefähr, dass Hundstorfer sich Gedanken macht, wie es mit dem Zivildienst weitergeht. Denn sollte der Wehrdienst abgeschafft werden, was derzeit ja heftig debattiert wird, hat das zur Folge, dass es auch keine Zivildiener mehr geben wird. Die jungen Männer werden nicht mehr gezwungen, sich zwischen Bundesheer und Zivildienst zu entscheiden, sondern können, wenn sie so wollen, gleich mit 18 auf die Uni wechseln, oder andere berufliche Wege weitergehen. 

Das bedeutet, die aktuelle Wehrpflicht-Debatte ist noch um einiges komplexer als sie derzeit geführt wird. Es geht nicht nur darum, ob der Wehrdienst abgeschafft wird oder nicht bzw. ob ein Berufsheer eingeführt werden soll oder nicht. Es geht auch um Österreichs Sozialsystem, das erheblich darunter leiden könnte, sollte es keine Zivildiener mehr geben.

Hundstorfers Vorschlag mit der Entlohnung in der Höhe von 1300 Euro klingt zwar gut, aber das Geld muss auch erst aufgestellt werden. Zur Zeit scheinen ja schon die monatlich 150 Euro für das Freiwillige Soziale Jahr ein Problem zu sein. Außerdem ist fraglich, wieviele Menschen sich für den Sozialdienst melden werden. Die Jungen werden immer mehr unter Druck gesetzt, schnell zu studieren, schnell ihre Ausbildung abzuschließen. Da bleibt keine Zeit für ein Jahr "Auszeit". (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 31.1.2011)

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