Schwerer Sturz von Scheiber verlief relativ glimpflich

27. Jänner 2011, 13:32
130 Postings

Osttiroler nach Verschneider in Chamonix kurzzeitig bewusstlos - Schlüssel- und Nasenbein gebrochen

Nur eine Woche nach dem verhängnisvollen Sturz von Hans Grugger im Abfahrtstraining in Kitzbühel muss das ÖSV-Team mit dem nächsten Schock fertig werden: Mario Scheiber stürzte am Donnerstag im Auftakt-Training in Chamonix schwer und musste mit dem Hubschrauber ins Mont-Blanc-Krankenhaus nach Sallanches geflogen werden. Erst nach einer Computertomographie durfte aufgeatmet werden, der Osttiroler überstand den Crash ohne Kopf- und Wirbelsäulenverletzung.

Schlüssel- und Nasenbeinbruch sowie Nasen-Nebenhöhlenfraktur

"Mario hat sich das rechte Schlüsselbein gebrochen. Zudem hat er sich einen Nasenbeinbruch und eine Nasen-Nebenhöhlenfraktur zugezogen. Die gute Nachricht ist, dass keine Blutungen im Gehirn erkennbar sind. Auch die Wirbelsäule, der Schädel-Knochen sowie die Arme und Beine sind in Ordnung. Mario ist ansprechbar, sein Zustand ist stabil. Er wird die Nacht im Krankenhaus zur weiteren Beobachtung verbringen", teilte ÖSV-Teamarzt Martin Gruber mit.

Bewusstlos ins Sicherheitsnetz

Scheiber war mit Nummer 14 gestartet und auf dem Weg zu einer Bestzeit, als es ihm unmittelbar vor einer Welle die Ski verschnitt. In der Folge hob es den 27-Jährigen aus, nach einer Drehung schlug er mit dem Kopf und Rücken hart auf der Piste auf und schlitterte in der Folge bewusstlos ins Sicherheitsnetz. "Er war zuerst bewusstlos, war aber dann ansprechbar und orientiert. Er hat bekannte Personen noch an der Unfallstelle erkannt", betonte Gruber.

Aufgrund der Hubschrauber-Bergung musste das Training für eine halbe Stunde unterbrochen werden. Scheiber, der auch Schürfwunden im Gesicht erlitt, erhielt noch vor dem Abtransport mit dem Helikopter eine Infusion. "Hoffentlich bringt der Arzt diesmal gute Nachrichten ins Hotel", meinte Romed Baumann, am Sonntag Dritter der Hahnenkamm-Kombination in Kitzbühel, sichtlich geschockt. Sein Wunsch wurde diesmal im Gegensatz zur Vorwoche Realität.

Im Gegensatz zur Kitzbüheler Streif, die Hans Grugger zum Verhängnis wurde, zählt die 3.370 m lange "Piste La Verte" in Chamonix nicht zu den großen Herausforderungen im alpinen Ski-Weltcup der Herren. "Aber solche Verschneider sind typisch für so eine eher leichte Abfahrt", merkte ÖSV-Routinier Michael Walchhofer an, der das erste Training als Achter beendete.

Walchhofer fordert Umdenken

Gleichzeitig appellierte der 35-jähriger Salzburger aufgrund des immer höher werdenden Tempos in der Königsdisziplin an die Verantwortlichen des Weltverbandes (FIS): "Man muss sich etwas überlegen mit den Geschwindigkeiten, es ist einfach zu schnell. Und das Material darf auch nicht so aggressiv bleiben, wie es ist. Das muss wieder humaner werden."

Angesichts der jüngsten Ereignisse fällt Walchhofer, der mit Saisonende seine aktive Karriere beenden wird, sein Rücktritt nicht mehr schwer. "Irgendwie denkst du dir dann schon, wenn's in zwei Monaten vorbei ist, dann passt das eh", betonte der Ex-Weltmeister.

Training Nebensache

Durch den schweren Sturz von Scheiber wurde das Trainings-Ergebnis wieder einmal zur Nebensache: Wengen-Sieger Klaus Kröll erzielte in 2:02,53 Minuten knapp vor seinem ÖSV-Teamkollegen Georg Streitberger (+0,04 Sek.) Bestzeit. Auch der 30-jährige Salzburger Hannes Reichelt landete trotz Startnummer 44 als Vierter (0,14) im Spitzenfeld.

Cuche abgewunken

Allerdings war Kitzbühel-Triumphator Didier Cuche nach dem Sturz von Scheiber noch im oberen Streckenteil nach famoser Bestzeit abgewunken worden. Erst nach der Hubschrauber-Bergung des Osttirolers durfte der 36-jährige Schweizer seine Trainingsfahrt fortsetzen - und war dann trotzdem im unteren Teil sogar noch schneller als Kröll und Co. Im offiziellen Trainingsklassement schien Cuche jedoch nur als 70. mit 30:49,28 Minuten Rückstand auf. (APA/red)

Wichtigere Ergebnisse vom Donnerstag-Training für die Weltcup-Abfahrt der Herren in Chamonix (Samstag, Start: 12.00 Uhr/live ORF eins):

1. Klaus Kröll (AUT) 2:02:53 Min. - 2. Georg Streitberger (AUT) +0,04 Sek. - 3. Christof Innerhofer (ITA) 0,10 - 4. Hannes Reichelt (AUT) 0,14 - 5. Yannick Bertrand (FRA) 0,28 - 6. Ambrosi Hoffmann (SUI) 0,34 - 7. Ivica Kostelic (CRO) 0,58 - 8. Michael Walchhofer (AUT) 0,59 - 9. Patrick Küng (SUI) 0,65 - 10. Adrien Theaux (FRA) 0,67. Weiter: 16. Joachim Puchner (AUT) 1,38 - 33. Björn Sieber (AUT) 2,43 - 35. Romed Baumann (AUT) 2,45 - 56. Max Franz (AUT) 4,41 - 59. Philipp Schörghofer (AUT) 5,48

  • Erstversorgung des schwer gestürzten Mario Scheiber.
    foto: epa/nicolas bouvy

    Erstversorgung des schwer gestürzten Mario Scheiber.

  • Der Osttiroler wurde ins Mont-Blanc-Krankenhaus nach Sallanches geflogen.
    foto: epa/nicolas bouvy

    Der Osttiroler wurde ins Mont-Blanc-Krankenhaus nach Sallanches geflogen.

Share if you care.