Stuxnet: Russlands Warnung vor einem "neuem Tschernobyl"

27. Jänner 2011, 11:54
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Moskau sorgt sich nach dem Cyber-Angriff auf das iranische Atomprogramm vor einer Atomkatastrophe

Russland hat nach dem Cyber-Angriff auf das iranische Atomprogramm vor einer möglichen Atomkatastrophe gewarnt. Dies berichtet die Nachrichtenagentur DAPD. Der Computerwurm Stuxnet hätte in der iranischen Atomanlage bei Bushehr, das mit russischer Hilfe gebaut wurde, zu "ernsten Folgen" und einem "neuen Tschernobyl" führen können, erklärte der ständige russische Botschafter bei der Nato, Dmitri Rogosin. Er rief die Nato dazu auf, Russlands Bemühungen um eine Aufklärung der Vorfälle zu unterstützen.

Stuxnet-Nachahmung schwierig, aber nicht unmöglich

Auch Deutschland macht sich Gedanken um einen möglichen Cyberwar. In der am Mittwochabend ausgestrahlten ARD-Sendung "Angriff aus dem Internet: Wie Online-Täter uns bedrohen" bestätigte der deutsche Innenminister Thomas de Maizière, dass Unbekannte Stuxnet kopiert hätten, um weitere Angriffe auf Industrieanlagen auszuführen.

Die Nachahmung des Wurms sei nicht einfach, «aber in bescheidenerem Umfang gibt es das bereits, deswegen müssen wir uns gegen solche Programme so gut wie nur irgendmöglich wappnen». Laut Jörg Ziercke, dem Chef des Bundeskriminalamts (BKA), ist Deutschland indes kaum gerüstet: Bei Saboteuren, die Computer-Netzwerke von Regierungen, Militäreinrichtungen oder Unternehmen durch Einfügen von Viren direkt infizieren, bekäme Deutschland Probleme.

"Sonst hätten wir es sicherlich gemacht"

Laut dem ehemaligen US-Sicherheitsberater Richard Clarke, der ebenfalls in der ARD-Reportage zu Wort kommt, haben bislang rund 20 Staaten Cyber-Einheiten aufgebaut, um Informatiksysteme anderer Länder zu zerstören.

Er selber habe nach dem Einmarsch in Afghanistan eine Cyberstrategie in Auftrag gegeben: "Da bekam ich zur Antwort, dass es dort nichts gibt, was man mit Cyberwaffen attackieren könnte. Sonst hätten wir es sicherlich gemacht."

Woher Stuxnet stammt und wer den Wurm entwickelt hat, ist nicht bekannt. Laut einem Bericht der "New York Times" wurde das Schadprogramm von Israel und den USA gebaut und in der Negev-Wüste getestet. Der Einsatz von Stuxnet sei höchst erfolgreich gewesen: Gemäss Recherchen der US-Zeitung wurden etwa 20 Prozent der iranischen Uranzentrifugen lahmgelegt. (Reto Knobel, Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)

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    Die iranische Atomanlage Bushehr

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