Diverse Einkünfte

Grasser hinterzog als Finanzminister Steuern

27. Jänner 2011, 20:04

Der Ex-Finanzminister brachte im Herbst 2010 Selbstanzeige ein

Wien - Karl-Heinz Grasser soll im Herbst 2010 eine Selbstanzeige beim Finanzamt in Wien eingebracht haben. Brisant dabei: Die Anzeige soll den Zeitraum 2002 bis 2008 umfassen und somit in Grassers Amtszeit als Finanzminister fallen, berichtet das Wirtschaftsmagazin "Format".

Die Selbstanzeige an das Finanzamt wurde von der Steuerberatungskanzlei Ernst & Young verfasst. Grasser soll seit 1999 diverse Einkünfte aus Spekulationsgewinnen, Zinsen und Dividenden nicht deklariert haben. Dabei geht es um 18.000 Euro, die er von 2002 bis 2008 nicht versteuert haben soll. Was vor dem Jahr 2002 geschah, gilt allerdings als verjährt.

Karl-Heinz Grasser war zwischen 2000 und Anfang 2007 Finanzminister. "Der oberste Steuereintreiber entpuppt sich als kongenialer Steuersünder", zitiert das Magazin die Grüne Nationalratsabgeordnete Gabriela Moser.

Auch der Zeitpunkt der Selbstanzeige könnte interessant sein - sie ging nämlich nur wenige Wochen nach Grassers erster Einvernahme durch den Buwog-Staatsanwalt ein und hat strafbefreiende Wirkung. Trotzdem wurde ein Finanzstrafverfahren gegen Grasser eingeleitet, um dessen undurchsichtige Stiftungskonstruktionen in Liechtenstein zu prüfen.

Laut Grasser-Anwalt Manfred Ainedter hat die Sache mit der Buwog-Affäre nichts zu tun. Vielmehr gehe es um Geld, das Grasser in seiner Zeit als Magna-Manager im Ausland verdient und auf ein kanadisches Wertpapierdepot gelegt habe, sagte der Anwalt.

Die Selbstanzeige hat jedenfalls strafbefreiende Wirkung. Grasser habe die 18.000 Euro mit dem Einbringen der Selbstanzeige "unverzüglich" bezahlt, betonte Ainedter.

Erst Verlust, dann Gewinn

In Summe habe das Wertpapierdepot in Kanada sogar einen Verlust von rund 10.000 Euro gemacht, so der Anwalt. Zwischenzeitlich habe es allerdings Gewinne abgeworfen. Und die hätte Grasser in Österreich versteuern müssen.

Warum sich sein Mandant erst nach der Einvernahme in Sachen Buwog selbst angezeigt hat? Im Zuge der Affäre habe Grasser begonnen, seine Unterlagen zu durchforsten, da habe er festgestellt, dass er die Gewinne versteuern hätte müssen, so Ainedter.

Die Sache sei jedenfalls gegessen, es gebe keinerlei Zusammenhang mit dem Finanzstrafverfahren rund um Grassers Stiftungsgeflecht in Liechtenstein, meinte sein Anwalt.

Grüne und SPÖ empört

Die Selbstanzeige ruft auch die  Politik auf den Plan.  Gabriela Moser kündigte eine parlamentarische Anfrage an den jetzigen Finanzminister Josef Pröll an. Auch der SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter schoss scharf gegen Grasser: Dieser geselle sich nun endgültig zu Walter Meischberger und Co.

Moser will vom amtierenden Finanzminister Pröll unter anderem wissen, wie er das Verhalten eines Vorgängers, während seiner Amtszeit "wiederholt unvollständige" Steuererklärungen abzugeben, beurteilt. Weiters fragt die Oppositionspolitikerin, ob die Selbstanzeige Grassers als zulässig und rechtzeitig akzeptiert wurde und wann Grassers Konten, "auf denen die unversteuerten Beträge liegen", geöffnet wurden. Weiters interessiert Moser: "Gab es in der Steuersache Karl-Heinz Grasser Besprechungen oder Beratungsgespräche, an denen, so wie es 2005 der Rechnungshof in der Homepageaffäre feststellte, ein Sektionschef und/oder ein Präsident der Finanzlandesdirektion und/oder ein Vorstand eines Finanzamtes teilnahm?"

Für Kräuter ist nun "das Maß endgültig voll, der weinerliche offene Brief an die Justiz und die peinlichen TV-Interviews mit dem Ziel der Selbstreinwaschung sind ab sofort Makulatur." Jegliches "supersauber", "transparent" und "im Interesse der Steuerzahler" sei nunmehr als "Spott und Hohn gegenüber der Bevölkerung entlarvt", meinte der SP-Politiker. Er forderte Justizministerin Claudia Bandion-Ortner  auf, die Ermittler anzuhalten, "umgehend alle Finanzströme Grassers nach Liechtenstein auf Höhe und Herkunft penibel zu überprüfen." Moser indes urgierte erneut einen U-Ausschuss im Parlament, die ÖVP könne sich dem nicht länger verweigern. (ch/APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1584
karl heinz marilyn, supersauber
00
30.1.2011, 22:33
das system grasser

as ri
00
30.1.2011, 19:44
"Der oberste Steuereintreiber entpuppt sich als kongenialer Steuersünder"

Nichtwissend, daß mit dem Begriff (kongenial)
Grasser auf Mosers Ebene herangezogen wurde..

kongenial! Hat eines der posts das erkannt..
Man erwartetä sich mähr von den "Audeckern Österreichs" als fußfrei abgedruckte Fehler - die den Sinn völlig verzehren und ungewollte Situationsgimmick erzeugen

Gerhard Schwarz
 
00
29.1.2011, 02:11

Nicht vergessen: DER hat Schüssel eine Wahl gewonnen..

Tschuri Cazzino
 
02
28.1.2011, 18:58
Ich stelle fest, dass die Unschuldsvermutung für den Steuerkriminellen Karl-Heinz Grasser nur noch mit Einschränkungen gilt.

Gerhard Schwarz
 
00
29.1.2011, 02:13

Wies? DER hält sich sogar noch von sich selber für unschuldig verfolgt.

Columbo_der_neue
00
28.1.2011, 17:19
bestes Posting

war das von "Politiker???":

Hallo Karl-Heinz,wir freuen uns
schon ,das du zu uns kommst.Wir
haben schon extra ein Bett
bezogen,und der grüne Bernd
kann schon vor Aufregung nicht
mehr schlafen.Wenn du willst
kannst du bei unsere Blaskapelle
mitmachen,so ein feschen
Burschen können wir immer
brauchen.Wir haben für dich auch
eine Seife besorgt,die so richtig
schön aus den Händen am Boden
fällt.In freudiger und inniger
Erwartung der Schwesternchoor
von Stein.

Jetseta
10
28.1.2011, 15:07

Grasser kann wie jeder andere Politiker auch als Nettosteuerempfänger keine Steuern "hinterziehen". Er zahlt ja unterm Strich sowieso keine. Sie können nur ihren "legalen" Anteil am staatlichen Raub "illegal" noch weiter vergrößern.

Dagmar Rehak Wien
 
00
28.1.2011, 13:14

Hat er die 18.000 Eier jetzt nicht versteuert oder nicht bezahlt?
Wenn nicht versteuert, glaub ich nicht, dass das schon alles war.

Part of the Game
00
28.1.2011, 15:17

Wieso?

Dagmar Rehak Wien
 
10
28.1.2011, 16:27

Weil ich ein bisschen mehr als 18.000 Euro vermisse.

Part of the Game
00
29.1.2011, 00:53

Das ist in beiden Fällen einerlei.

alpentiger
00
28.1.2011, 13:01
Nun ja, der "Hellste" war er nie, der "Schrllste" sicher ....

und die Höchststrafe hat er ohnehin schon ausgefaßt: "Er wurde zu vielen Jahren Fiona verurteilt" und hat keine Chance auf Wiederaufnahme des Verfahrens.

Da ist die "hinkende" Selbstanzeige eigentlich nur mehr das Gewürzstreuserl auf der "Grassersuppe", die zunehmend "geistigen Dünnpfiff" verursacht.

Wenn sich einer schon einen "Meischnberger" hält, ab dann war er für mich schon gelocht und abgelegt unter "Unverbindlches".

nosferatus4
01
28.1.2011, 12:34
peanuts

für grasser sind 18.000,- peanuts, immerhin ist das aber mehr als ein jahreseinkommen für vermutlich mehr als 30 prozent der österreichischen bevölkerung.
was war eigentlich vor 2002?

Mathias
 
00
28.1.2011, 23:52
zählen Sie Pensionisten und geringfügig Beschäftigte dazu ...

... dann kommen wir locker auf 40%!

Ingrid Goeschl1
04
28.1.2011, 12:27
Da zum Tatzeitpunkt Gewinne aus der Veräußerung von Wertpapieren nur dann steuerpflichtig waren, wenn der Verkauf innerhalb eines Jahres erfolgte,

dürfte es sich um solche Transaktionen gehandelt haben, wo die Wertpapiere vor Ablauf eines Jahres mit einem Gewinn von 18.000 EUR weiterverkauft wurden (also nicht um Dividendengewinne).

Dies ist aber eine Transaktion, die einem Fachkundigen nicht einfach "durchrutscht", wie es bei ein Dividendengewinnen noch möglich wäre.

Dazu kommt, dass Kreti und Pleti gar nicht in die Lage kommen werden, ein Wertpapier anzukaufen und innerhalb eines Jahres mit EUR 18.000,00 Gewinn zu verscherbeln, dies bedarf Insiderwissens.

Dass ausgerechnet ein Finanzminister sein Insiderwissen für solche Spekulationsgeschäfte verwertet ist ein weiterer Punkt, der höchst fragwürdig ist.

*-_-*
06
28.1.2011, 11:30

wo ist dieses gfrastsackl von schüssel? kann den bitte jemand rausziehen. ich möchte noch einmal von ihm hören, khg wäre der ursupertollste finanzminister gewesen. wo bist du wolfi?

die övp hat uns fpö (deren gefühlte 24 minister), grasser, einen heftigen rechtsruck, den dubiosen eurofighter-deal und andere machenschaften eingebrockt. mit ein bissl verstand in der wahlurne müsste diese partei für die nächsten 25 jahre in der opposition hocken

Tina Tsornigg
03
28.1.2011, 12:08

Wegen fehlenden Verstands der Klientel ist diese Partei überhaupt gewählt worden. Ihre Hoffnung, das könnte sich ändern, ist völlig unbegründet. Bis auf wenige Supertrickster gibt es dort nur Schafe, die Ihre eigenen Schlachturkunden unterfertigen würden, nur um den verhassten Sozis eins auszuwischen.

Arielle die nichtMehr-Jungfrau
02
28.1.2011, 11:09

mit dem Grasser konnte der Schüssel SEINE Eurofighter kaufen

Gott hab ihn selig

Guybrush Threepwood
09
28.1.2011, 10:55

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ein ehemaliger Finanzminister erklärt im Jahr 2010, dass er von 1999 bis 2008 Steuern hinterzogen hat und zahlt jetzt den Betrag ab 2002 zurück. Den Rest nicht, denn der ist ja schon verjährt.

Ein paar Wochen später setzt er sich in die ZIB2 und erklärt, er habe eine supersaubere Weste und habe immer alles brav versteuert.

Und dann schreibt er sogar noch einen offenen Brief an die Justizministerin, dass er sich durch die ständigen Ermittlungen gegen seine Person in seinem Familienleben gestört fühlt.

Warum noch mal hat sich Andreas Khol damals gegen seine Aufnahme in den ÖVP-Parteivorstand und gegen seine Wahl zum Vizekanzler ausgesprochen?

ja aber
01
28.1.2011, 10:26
danke liebe oevp fuer so ein leuchtendes vorbild an steuermoral

ein finanzminister der steuern hinterzieht. da fuehlt sich jeder steuerzahler veraeppelt. der sittenverfall der republik unter schuessel.

jetzt wuerde mich noch interessieren, wieso grasser ueber nacht sich fuer den eurofighter entschieden hat. aber die oevp wird ihn eh wieder wie bei der homepage von allen suenden freisprechen. sonst kaeme ja der dreck der damaligen schuessel regierung ans tageslicht.

trollvottel
01
28.1.2011, 11:10

Naja ... ein Kreisky hat noch einen Androsch rausgeschmissen, weil der getrickst hat.

... aber der Schüssel hat sich entweder von solchen dummdreisten Blendern reinlegen lassen, oder war selber einer.

Althase
00
28.1.2011, 11:58

mir scheint zweiteres plausibler

Tabakgesetz
02
28.1.2011, 10:23
Bei ihm ist ja

alles so transparent...ja, ja...Und wann zahlt er die hinterzogene Steuer aus den verjährten Steuerjahren zurück? Das ist moralisch gesehen das Mindeste, was dieser ehemalige Finanzminister machen muss.

Trotzki
00
28.1.2011, 10:18
Schwarz/Blau haben Österreich bestohlen

Es mag ja in jeder Partei "Gauner" geben und das SIe bei den Schwarzen und Blauen in einer besonderen Häufigkeit auftreten mag ja Zufall sein. Aber die Schwarz/Blaue Regierung ab dem Jahr 2000 hat Österreich mit System bestohlen wie ja jetzt alles schön langsam ans Tageslicht kommt. Aber ein Ex-Minsiter Grasser darf nicht mit einer Selbstanzeige davon kommen. Das wäre das Ende jeglicher politischen Glaubwürdigkeit.

Shazmandur
01
28.1.2011, 10:12
... "super-sauber" ist wohl nun "super-nackt" ...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1584

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.