Begabter Provokateur ohne Portefeuille

27. Jänner 2011, 10:31
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Der steirische ÖVP-Klubobmann Christopher Drexler kämpfte jahrelang gegen Franz Voves und gegen das Sommerloch - Die steirische ÖVP wird es ihm bald danken - oder auch nicht

Früher wollte Christopher Drexler Tempo 160, jetzt steckt seine Karriere im Stau. Nach der Landtagswahl im Herbst handelten steirische Zeitungen den scharfzüngigen 39-Jährigen schon als neuen Landesrat. Aber er blieb ÖVP-Klubobmann im steirischen Landtag. Bis zur nächsten Wahl 2015? "Davon gehe ich aus, also das hoffe ich sehr", gibt sich Drexler gegenüber derStandard.at ganz bescheiden.

Seit Drexler 2003 zum Klubchef aufrückte, kennt ihn die steirische Politszene als talentierten, wenn es sein muss auch knüppelharten Rhetoriker. "Wirklich ein Blitzgescheiter" sei er, attestiert ihm Andreas Schnider, einst ÖVP-Geschäftsführer in der Steiermark. Kreuzworträtsel in großformatigen deutschen Zeitungen löse Drexler in Rekordzeit, berichten enge Bekannte. "Ein konstruktiver Politiker", sagt der steirische SPÖ-Klubchef Walter Kröpfl, "der sich im Landtag aber mit seiner rhetorischen Gabe ein bissl anders verkauft." Bis zum Tag der Landtagswahl war Drexler der härteste Kritiker von Franz Voves (SPÖ). Als Scharfmacher gegen den Landeshauptmann machte er sich wenig Freunde, auch in der eigenen Partei. Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) hieß ihn nach der Wahl indirekt einen "Kettenhund", was Drexler zwar nicht kommentierte, ihn aber doch gekränkt haben dürfte.

Die besten Ideen hatte er im Sommerloch

Auf Bundesebene pflegt Drexler ein anderes Image: jenes des kühnen Querdenkers. Wie dem steirischen Ex-Landesrat Gerhard Hirschmann (ÖVP) kamen ihm die besten Einfälle just immer im Hochsommer. Mit Tempo 160 auf der Autobahn, einer Pflicht-Pflegeversicherung für Kinderlose oder der Abschaffung der Neutralität unterhielt er die Öffentlichkeit und schreckte seine ÖVP-Spitze in Wien auf. "Ich habe da regelmäßig viel einstecken müssen", sagt Drexler heute. Würde er es wieder so machen? "Absolut. Das gehört ja zu unserem Geschäft." Nur zu Tempolimit 160 habe er die Meinung geändert, das habe ihm ja Hubert Gorbach abgenommen, sagt er ironisch. Erfolgreich sei hingegen der Vorstoß zur Homo-Ehe gewesen - den wagte Drexler bereits 2004. Damals war Kanzler Wolfgang Schüssel not amused, 2009 stimmte die ÖVP dem Gesetz zu. Ein weiter Weg, "und ich glaube, dass ich da durchaus einen erheblichen Anteil habe", sagt Drexler.

"Er lässt ein Thema nicht nur fallen, sondern schafft es auch, es zwei Wochen am Leben zu halten", lobt Schnider. Drexler beherrsche das politische Spiel, sei mit allen Wassern gewaschen, sagen auch seine Gegner. Das Geschäft lernte er zunächst bei Gerhard Hirschmann. Gemeinsam hauchten sie in den Neunzigern dem "Modell Steiermark" neues Leben ein, und der junge Jurist Drexler verdiente sich als Geschäftsführer des Think-Tanks erste Meriten in der Partei. Drexler nennt Hirschmann, obwohl der später viel zu Waltraud Klasnics Wahldebakel beitrug, auch heute noch einen "persönlichen Freund" und wichtigen Mentor. "Der wichtigste war Hermann Schützenhöfer."

Neue Rolle für den Angreifer

Den verhinderten Landeshauptmann Schützenhöfer hat er bereits als Steiermark-Obmann des ÖAAB und als Klubchef beerbt. Der logische Schritt in die Landesregierung blieb im vergangenen Herbst aber aus. Für Drexler ohnehin das kleinere Problem, munkelt man. Schwerer falle ihm die neue Rolle, die ihm die von Voves und Schützenhöfer ausgerufene "Reformpartnerschaft" aufzwingt. Die neue Eintracht degradiere den sonst so wortgewandten Angreifer Drexler seit Monaten zu einem Fußballstürmer, der keine Tore schießen darf.

"Er ist in einem gewissen Vakuum", glaubt die steirische Grüne Ingrid Lechner-Sonnek, "er ist jetzt in der Warteschleife." Drexler selbst sieht das natürlich nicht so: "Obwohl das manche nicht glauben können: Mir fällt das gar nicht schwer, mich hier umzustellen." Im Gegenteil, er freue sich auf eine bessere Arbeit mit der SPÖ. Wohlmeinende Parteifreunde sagen, seine neue, nicht ganz freiwillige Rolle als friedlicher Verbinder werde Drexler nützen, um ein freundlicheres, honorigeres Image für ein späteres Regierungsamt zu gewinnen.

Zu Karriereplänen hält sich Drexler bedeckt

Dass Drexler im Oktober nicht zum Landesrat gekürt wurde, liegt zunächst an Schützenhöfers verpasstem Wahlsieg. Und die Konkurrenz sieht Drexlers aggressiven Stil daran nicht unbeteiligt. "Dass die Wahl nicht gewonnen wurde, ist Drexler stärker zuzuschreiben als Schützenhöfer", meint Lechner-Sonnek. "Der Wähler hatte den Eindruck des ständigen Streits und hat der ÖVP, glaube ich schon, die Hauptschuld gegeben", formuliert es Kröpfl freundlicher. "Da hat der Christopher seinen Teil dazu beigetragen." Der Angesprochene sieht dagegen die Wahlergebnisse auf seiner Seite: 2005 lag die SPÖ drei Prozent vorne, 2010 nur ein Prozent. "Sollte es ein strategisches Kalkül für Konfrontation gegeben haben - was ich natürlich nicht bestätige -, dann ist die Strategie in weiten Teilen aufgegangen."

Wie auch immer: Die ÖVP blieb auf vier Landesräten sitzen und tauschte keinen. Als Option gilt aber, dass Schützenhöfer zur Halbzeit Landtagspräsident wird und seinem politischen Ziehsohn Drexler das Ressort überlässt. Das würde ins Generationendenken der steirischen Volkspartei passen, die seit den legendären Krainer-Tagen ihr Faible für geregelte Hofübergaben pflegt. "Wir können nicht schauen, ob die Geschichtsbücher der Zukunft einen hübschen Inhalt haben und sich diese Traditionen tatsächlich fortsetzen", kommentiert Drexler solche Überlegungen lakonisch. Und schiebt ernster hinterher: "Da gibt es überhaupt noch keine Entscheidungen, Überlegungen oder sonst irgendetwas."

Auch Gegner attestieren ihm Talent

Sollte er der nächsten Landesregierung wieder nicht angehören, würde er möglicherweise sein Glück auf Bundesebene versuchen, meinen manche. "Ich könnte ihn mir mit seinen intellektuellen Fähigkeiten auch als Klubobmann in Wien vorstellen", sagt Schnider.

Sein Traumjob wäre aber wohl Landesrat in der Steiermark unter einem ÖVP-Landeshauptmann. "Er hätte mit Sicherheit das Talent", sagt Lechner-Sonnek. Spätestens nach der nächsten Wahl 2015 wäre der Konjunktiv kein Kompliment mehr für Drexler. (Lukas Kapeller, derStandard.at, 31.1.2011)

  • In politischen Debatten gewitzt und wortgewaltig, zu eigenen Karrierewünschen gibt sich Christopher Drexler zurückhaltend, fast scheu.
    foto: teresa rothwangl

    In politischen Debatten gewitzt und wortgewaltig, zu eigenen Karrierewünschen gibt sich Christopher Drexler zurückhaltend, fast scheu.

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    Drexlers frühere Attacken gegen Voves hinterließen nicht nur am Image des Landeschefs Schrammen.

  • Übervater Josef Krainer (80), Vize-Landeshauptmann Schützenhöfer, Klubobmann Drexler: Geregelte Hofübergaben haben Tradition.
    foto: teresa rothwangl

    Übervater Josef Krainer (80), Vize-Landeshauptmann Schützenhöfer, Klubobmann Drexler: Geregelte Hofübergaben haben Tradition.

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