Besser in der Tube als im Tiegel

27. Jänner 2011, 08:14
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Bestes Testergebnis für teuerstes Produkt - Drei Cremen mikrobiologisch verunreinigt - Verzicht auf Konservierungsstoffe erhöht Keimzahl

Naturkosmetik-Gesichtscremen stehen für das Versprechen, verträglicher als herkömmliche Kosmetika zu sein. Ideal für all jene, die keine Chemie auf ihre Haut lassen wollen. Getestet wurden neun Feuchtigkeitsprodukte für normale Haut - zwei davon speziell für Männer. Die Mehrzahl der Produkte erhielt eine gute Bewertung.

Drei Gesichtscremen wurden abgewertet, da sie bei der mikrobiologischen Untersuchung durchgefallen waren: Beim Fluid von i+m Naturkosmetik wurde bereits unmittelbar nach dem Öffnen eine bedenkliche hohe Keimzahl gemessen. Bei den Cremen von Logona und Sante vermehrten sich die nachträglich hinzugefügten Keime über Maßen - ein Anzeichen, dass diese Produkte nicht sorgfältig hergestellt wurden.

Gut aber teuer

Das beste Testergebnis erzielte das teuerste Produkt: Santaverde Aloe vera Creme medium um 8,53 Euro pro 10 ml. Wesentlich günstiger, aber nahezu ebenso gut ist die getestete Gesichtscreme von dm/alverde um nur 69 Cent pro 10 ml. Alle Testergebnisse im Detail sind auf www.konsument.at und in der Konsument- Februarausgabe nachzulesen.

Der Großteil der Hersteller verzichtet auf Konservierungsstoffe - mit dem Nachteil, dass Naturkosmetik daher anfälliger für Keimbefall ist. „Deshalb raten wir, beim Kauf von nichtkonservierten Produkten darauf zu achten, dass die Creme in einer Tube und nicht in einem Tiegel angeboten wird. Je kleiner die Öffnung, desto kleiner auch die Chance einer Verunreinigung", rät Konrad Brunnhofer, Kosmetikexperte des Vereins für Konsumenteninformation (VKI).

Keine einheitliche Definition

Ob tatsächlich reine Natur in Naturkosmetik steckt, ist für Konsumenten kaum erkennbar. „In der EU gibt es bisher keine einheitliche, rechtlich verbindliche Definition des Begriffs Naturkosmetik", kritisiert Brunnhofer, „Dazu kommt, dass die Inhaltsstoffe oft nur auf Englisch angegeben werden und selbst wenn diese übersetzt sind, können sich nur Kundige einen Reim darauf machen, ob es sich dabei um natürliche oder synthetische Stoffe handelt."

Orientierungshilfe bieten Siegel der Naturkosmetikhersteller, wie etwa „BDIH. Kontrollierte Naturkosmetik" oder „NaTrue". Ein österreichisches Naturkosmetik-Label ist derzeit im Entstehen. Sämtliche getesteten Cremen tragen zumindest das BDIH-Siegel und bewiesen auch im Rahmen des Kontrolltests im Labor, dass sie die Aufschrift Naturkosmetik verdienen. Weniger verdient machten sich einige Cremen dagegen in puncto Füllmenge: Bei Logona, Sante, Weleda (für Männer) und Yalia täuscht die Packung mehr Inhalt vor als vorhanden. (red)

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    Ob reine Natur in Naturkosmetik steckt, ist für Konsumenten kaum erkennbar.

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