Blutdruckregler funktioniert durch Wassertrinken

27. Jänner 2011, 05:02
30 Postings

Forscher entdeckten Mechanismus in der Leber von Mäusen - Anwendung auch im Klinikalltag

Hannover/Berlin - In der Leber von Mäusen haben Wissenschafter aus Berlin und Hannover Blutdruckregler entdeckt. Diese Schaltzentrale außerhalb des Gehirns werde allein durch Wassertrinken aktiviert, was zu erhöhtem Blutdruck führe, teilten die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) und das Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin am Mittwoch mit. Bei jungen Menschen, deren vegetatives Nervensystem durch Medikamente angeregt worden sei, löse Wassertrinken ebenfalls eine Blutdruckerhöhung aus.

Die Forscher hatten im Mausmodell beobachtet, dass bestimmte Nervenzellen in der Leber aktiv auf Wasserzufuhr reagieren. Das von den Mäusen aufgenommene Wasser wird im Dünndarm resorbiert und gelangt über die Leber in das Blutsystem. Durch die plötzliche Wasserzufuhr sinkt die Osmolalität in den Blutgefäßen der Leber unter ihren Sollwert. Diese Abweichung wird von Sensoren in der Leber, den so genannten Osmorezeptoren, registriert, wie die Forscher jetzt nachweisen konnten. Diese Rezeptoren wandeln die Information in ein elektrisches Signal um, das wiederum einen Reflex auslöst und die Leberblutgefäße anregt, den Blutdruck zu erhöhen.

Nach Angaben von MHH-Professor Jens Jordan ist das Wassertrinken bei der Blutdruckregulation bereits Klinikalltag. "Wir lassen Patienten, die aufgrund von Störungen der Blutdruckregulation im Stehen Ohnmachtsanfälle erleiden, gezielt Wasser trinken", sagte er. "So lindern wir die Symptome und senken gleichzeitig den Medikamenteneinsatz." Auch gesunde Menschen könnten bei langem Stehen oder anderen Belastungen Ohnmachtsanfälle erleiden, die in vielen Fällen durch Wassertrinken vermeidbar seien, sagte Jordan. (APA/red)

Share if you care.