Obama 2.0

26. Jänner 2011, 18:30
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Wahlen werden üblicherweise in den Brieftaschen der US-Bürger gewonnen

Was sich bereits vor den verlorenen Wahlen im November abzuzeichnen begann, ließ die "State of the Union"-Rede des Präsidenten glasklar werden: Barack Obama rückt vom halblinken Flügel in die politische Mitte, er tauscht seinen sendungsbewussten Sozialarbeiter-Zugang gegen den in Washington eher gelittenen Pragmatismus des Geschäftsmannes. Weil in weniger als zwei Jahren gewählt wird, ringt er gerade selbst um das, was er den Amerikanern in einer schönen Metapher vor Augen führen will: einen persönlichen "Sputnik-Moment", der einen Systemwechsel zu Obama 2.0 signalisieren soll.

Wahlen werden üblicherweise in den Brieftaschen der US-Bürger gewonnen - oder wie es unter Bill Clinton hieß: "It's the economy, stupid!" Dementsprechend drehte sich Obamas Rede inhaltlich insbesondere um innere Angelegenheiten, um Wirtschaftsfragen, Budgetkonsolidierung, Bildung, Innovation - und ganz allgemein das Verbreiten von Zuversicht. Denn ohne die wird es nicht gelingen, die immer noch angeschlagene Wirtschaft wieder flott zu bekommen.

Auch wenn der Präsident (finanzielle) Details schuldig bleibt, seine Visionen skizzieren tatsächlich ein modernisiertes Amerika, das seine "Zukunft gewinnen" könnte - vorausgesetzt, die Republikaner spielen diesmal im Kongress mit. Auch mit neu gefundenem Pragmatismus wird diese Hürde schwer zu nehmen sein. (Christoph Prantner/DER STANDARD, Printausgabe, 27.1.2011)

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