Köpferollen nach Casino-Coup

26. Jänner 2011, 17:31
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Innenministerin lehnt Rücktritt ab

Riga - Nach dem von uniformierten Polizisten verübten Raubüberfall auf ein Casino in der Stadt Jekabpils hat die lettische Innenministerin Linda Murniece Forderungen nach ihrem Rücktritt zurückgewiesen. Sie werde dafür bezahlt, derartige Situationen zu bewältigen, entgegnete Murniece am Mittwoch. Medien und Polizeigewerkschaft hatten politische Konsequenzen nach dem kriminellen Coup gefordert, doch auch Regierungschef Valdis Dombrovskis sprach seiner Ministerin das Vertrauen aus. Als sicher gilt, dass mehrere hohe Polizeibeamte ihren Hut nehmen müssen.

Die Räuber, zwei aktive Kriminalbeamte und zwei Angehörige der Sondereinheit "Alfa" sowie eine weitere Person, hatten bei dem Überfall auf das Casino neun verschiedene Waffen verwendet. Im Zuge der dramatischen Verfolgungsjagd wurde am Dienstag ein 33-jähriger Polizeibeamter erschossen. Sechs weitere Personen, zwei im Sinne ihres Berufes agierende Polizisten und ein Sicherheitsangestellter des Casinos sowie drei der Räuber wurden ebenfalls von Kugeln getroffen. Ein Räuber erlitt eine Schussverletzung im Gesicht, ein verfolgender Polizist im Hals. Ihren Zustand beschrieben die Ärzte am Mittwoch als "ernst, aber stabil".

Die Polizei versuchte zuerst vergeblich, das flüchtende Fahrzeug zu stoppen. Dabei kam es zum ersten Schusswechsel, bei dem der eine Beamte starb. Als das Fluchtauto nach einer Fortsetzung der Jagd in eine Sackgasse geraten war, gelang es, zwei der Räuber festzunehmen. Die drei anderen versuchten zu Fuß zu entkommen. Dabei kam es erneut zu einer Schießerei, bei der zwei der Räuber niedergeschossen wurden. Der letzte Flüchtende ergab sich schließlich freiwillig.

Das überfallene Spielcasino gehört zur Kette Fenikss, an der die österreichische Spielautomaten-Betreiberfirma Novomatic in Form eines Joint-Ventures beteiligt ist.

Die lettische Polizeigewerkschaft wies auf die "katastrophale Situation im lettischen Polizeiwesen" hin. Polizisten, aber auch Feuerwehrleute und Grenzwachebeamten erhielten "Hungerlöhne", mit denen sie ihre Familien nicht versorgen könnten. Daher wären die meisten von ihnen gezwungen, zwei oder drei Zusatzjobs zu machen. (APA/DER STANDARD, Printausgabe, 27.1.2011)

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