Das Freiwilligenheer schöngerechnet

26. Jänner 2011, 17:23
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Verteidigungsminister Norbert Darabos soll bei der Kostenberechnung der Wehrmodelle interveniert haben, um das von ihm bevorzugte Modell 3 im präsentierten Entwurf kostengünstiger erscheinen zu lassen

Wien - Ein Bundesheermodell, zwei Berichte - zwei unterschiedliche Zahlen: Dem Standard liegen zwei Papiere der Bundesheer-Arbeitsgruppe "Grundsatzplanung" vor, in der jeweils die sieben möglichen Heeresmodelle durchgerechnet wurden.

Die Kosten variieren auffallend. Die höchste Differenz zwischen den Berechnungen des Generalstabs und dem von Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) öffentlich und ohne Zuziehung uniformierter Experten präsentierten Konzept gibt es ausgerechnet bei dem vom Minister politisch präferierten "Modell 3" (Berufsheer mit Freiwilligen nach schwedischem Vorbild).

Der Grund für die unterschiedlichen Zahlen soll eine Intervention von Darabos selbst sein. Das berichtet ein ranghoher Militär im Gespräch mit dem Standard.

Die Vorgeschichte: Am 22. Dezember des Vorjahres schloss die Arbeitsgruppe des Generalstabs ihre Durchrechnung diverser Heeresmodelle ab. Das Ergebnis: Modell 1 (Wehrpflicht, aktuelles Modell) war am preiswertesten, mit der Summe von 2,1 Milliarden.

Zu diesem Zeitpunkt war Darabos noch ein Verfechter der Wehrpflicht. Über die kommenden Wochen änderte sich das. Und infolgedessen soll er einige Getreue aufgefordert haben, erneut zu kalkulieren. Mit klarem Auftrag: Modell 3 dürfe nicht teurer sein als Modell 1. Das Ergebnis präsentiert er seither als "Modell des Generalstabs" - in der Erwartung, dass die hintergangenen Spitzenoffiziere nicht widersprechen würden.

Die Unterlagen belegen, dass es zu einer massiven Kostenänderung kommt. Modell 3 steht im ersten Entwurf bei 2,6 Milliarden Euro - im vom Minister präsentierten Entwurf vom 17. Jänner aber nur noch bei 2,1 Milliarden. Fast eine halbe Milliarde wurde einfach weggerechnet - und zwar aufgrund von unrealistischen Annahmen, wie mit Sandkastenspielen vertraute Offiziere sagen.

So hätte man zum Beispiel die erwarteten Verkaufserlöse durch Bundesheer-Liegenschaften höher geschraubt und geschönt. Die Kosten für Auslandseinsätze seien dafür hinuntergedreht worden.

Für die anderen Modelle habe es die ergänzende Order gegeben, "die anderen Ziffern so zu modifizieren, dass es nicht auffällt".

Schon Anfang Jänner hatte Darabos angekündigt, das neue Heer werde "keinen Cent mehr kosten", dafür aber das Gleiche leisten wie die aktuelle Wehrpflicht. Anderer Meinung ist der Militär, der namentlich nicht genannt werden will: "Falls Modell 3 zustande kommt, wird es entweder mehr kosten, oder wir werden eine geringere Leistung bringen können, als sie das aktuelle Heer hergibt."

Der abberufene Generalstabschef Entacher hat unterdessen den von der Gratiszeitung Heute erhobenen Vorwurf zurückgewiesen, er hätte aus dem Optionenbericht zur Zukunft des Bundesheeres Passagen gestrichen, die für die Abschaffung der Wehrpflicht sprechen würden. Er habe von den Streichungen zwar gewusst, diese aber nicht selbst durchgeführt. (Saskia Jungnikl, Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 27.1.2011)

  • Die auf zehn Jahre berechneten Kosten für die unterschiedlichen 
Heeresmodelle (in Millionen Euro):
    foto: standard/cremer

    Die auf zehn Jahre berechneten Kosten für die unterschiedlichen Heeresmodelle (in Millionen Euro):

  • Vor allem die Zahlen bei Modell 3 
weichen stark von dem von Minister Darabos veröffentlichtem Entwurf am 
17. Jänner 2011. Er soll hier interveniert haben.
    quelle: der standard

    Vor allem die Zahlen bei Modell 3 weichen stark von dem von Minister Darabos veröffentlichtem Entwurf am 17. Jänner 2011. Er soll hier interveniert haben.

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