"Eurozone stellt Ge­fahr für Weltwirtschaft dar"

26. Jänner 2011, 17:27
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Der renommierte US-Ökonom Nouriel Roubini sieht ein steigendes Risiko, dass die Währungsunion in Europa auseinanderbricht

Der renommierte US-Ökonom Nouriel Roubini sieht ein steigendes Risiko, dass die Währungsunion in Europa auseinanderbricht. Nicht jetzt, aber in zwei, drei Jahren könnte dies der Fall sein, sagte er zu Alexandra Föderl-Schmid.

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STANDARD: Wie sehen Sie die Entwicklung der Weltwirtschaft zu Beginn des Jahres 2011?

Roubini: Man kann das Glas halbvoll oder halbleer sehen. In den vergangenen drei Jahren haben wir mit den Konjunkturpaketen viel Positives erlebt. Aber jetzt muss gespart werden. Das könnte sich auf die Märkte auswirken. Positiv ist vor allem das starke Wachstum in den Schwellenländern, vor allem in Asien, aber auch in Lateinamerika. Dafür ist die Konjunktur in den USA und in Europa schwach. Die Gefahr einer Double-Dip-Rezession (Anm.: Rezession mit zwei Talsohlen) ist geringer, selbst wenn die neuesten Zahlen in Großbritannien und am Rand der Eurozone dies nicht als ausgeschlossen erscheinen lassen. Die Eurozone stellt sicherlich eine Gefahr für die Weltwirtschaft dar.

STANDARD: Was sind die größten Probleme in der Eurozone?

Roubini: Man braucht mehr Liquidität. Es gibt Länder, die fast bankrott sind. Griechenland hat 150 Prozent Schulden, gemessen am Bruttoinlandsprodukt. In Irland muss der Bankensektor saniert werden. Spanien ist eigentlich zu groß, um gerettet zu werden. Deshalb engagiert sich Deutschland stark. Es gibt keine Gesamtstrategie, die das Wirtschaftswachstum ankurbelt. Die Fundamentalprobleme in Europa sind ungelöst.

STANDARD: Was ist die wichtigste Aufgabe, die die sogenannten PIIGS-Staaten, also Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien, in Angriff nehmen müssen?

Roubini: Sie müssen mit den Problemen im Finanzsystem umgehen. Man braucht ein Programm, das zu Sparhaushalten, zu einer Stabilisierung der Schulden und gleichzeitig zu einer Rückkehr zu Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit führt. Das ist viel auf einmal. Die Herausforderungen sind sehr groß.

STANDARD: Ist der Rettungsschirm und das Programm von Währungsfonds und EU ausreichend, wird die Konjunktur dadurch abgewürgt?

Roubini: Es gibt keine andere Wahl. Das Geld hilft, denn ohne wäre es viel schlimmer. Aber es muss so schnell wie möglich wieder ein Wachstum geben.

STANDARD: Erwarten Sie ein Auseinanderbrechen der Eurozone?

Roubini: Nicht im Moment. Aber es gibt ein steigendes Risiko, dass einige der schwächeren Mitgliedstaaten aussteigen könnten, aber nicht in den nächsten zwei oder drei Jahren.

STANDARD: Welche Staaten könnten dies Ihrer Meinung nach sein?

Roubini: Wir haben über diese Staaten gerade gesprochen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.1.2011)

NOURIEL ROUBINI, New Yorker Wirtschaftsprofessor, sagte präzise die jüngste Finanzkrise vorher. Seither gilt er nicht nur in Davos als Star unter den Ökonomen mit dem Spitznamen Dr. Doom (Dr. Untergang). Roubini wurde 1958 in Istanbul geboren, er wuchs in Italien auf.

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    Seit er die jüngste Finanzkrise vorausgesagt hat, wird auf ihn nicht nur in Davos gehört: US-Ökonom
    Nouriel Roubini, gefragt nach der Wirtschaftsentwicklung, sieht "das Glas halbvoll und halbleer".

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