Gemeinderat debattierte über beste Schulform

26. Jänner 2011, 13:56
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Rot-Grün verteidigt Ausbau von Ganztags- und Neuer Mittelschule - FPÖ gegen "kommunistische Bildungspolitik" - ÖVP: Bereits vor zehntem Lebensjahr ansetzen

Wien - Die aktuelle Bildungsdebatte hat am Mittwoch auch den Wiener Gemeinderat erreicht. In einer regen Diskussion zeigten sich einmal mehr die unterschiedlichen Positionen der Parteien hinsichtlich des besten Schulmodells für die Zukunft des Wiener Nachwuchses. Die rot-grüne Koalition verteidigte dabei ihre Pläne, ganztägige Schulformen und die Neue Mittelschule weiter ausbauen zu wollen. FPÖ und ÖVP warfen der SPÖ wiederum Versäumnisse in der Vergangenheit vor und erteilten der Gesamtschule als "Allheilmittel" eine Absage.

"Schule der Zukunft entsteht in Wien"

Behandelt wurde das Bildungsthema in der Aktuellen Stunde, welche die Sozialdemokraten innehatte und den Titel "Die Schule der Zukunft entsteht in Wien" trug. SPÖ-Gemeinderat Heinz Vettermann ließ in seiner Rede keinen Zweifel daran, dass sich seine Fraktion weiterhin für die Ganztagsschule starkmache. Deshalb baue man in diesem Bereich auch aus. So wird es im kommenden Schuljahr fünf neue Ganztagsschulen geben, im Jahr 2012/13 sollen weitere sieben hinzukommen, kündigte Vettermann an. Der Vorteil liege auf der Hand: Anstatt den Stoff in den Vormittag "hineinpressen" zu müssen, wechselten Lernen und Freizeit ab.

FPÖ: "Sprachliche Integration"

FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus beklagte, dass Studien das jahrzehntelange Versagen der SPÖ belegen würden - und als einzige "Therapie" werde nun über Veränderungen der Schulform geredet. Stattdessen sollte mehr Augenmerk auf sprachliche Integration oder auf Lehrerausbildung gelegt werden. Wenn man die Gesamtschule als "Allheilmittel in der Schuldiskussion" ansehe, befinde man sich auf dem falschen Dampfer, warnte Gudenus vor einer "sozialistischen, kommunistischen Bildungspolitik", die auf Wiener Schüler losgelassen werde.

ÖVP für Wahlfreiheit

"Die gemeinsame Schule als einzige Lösung zu sehen, halte ich für falsch und zu kurz gegriffen", befand auch ÖVP-Chefin Christine Marek. Man müsse bereits vor dem zehnten Lebensjahr ansetzen - etwa bei der Schaffung ausreichender Kindergartenplätze verbunden mit einem Rechtsanspruch. Zudem würden derzeit rund 8.000 Volksschüler als "außerordentlich" geführt, da diese nicht über genügend Deutschkenntnisse verfügten. Sie bekenne sich grundsätzlich zu Ganztagsschulformen im urbanen Raum, dafür brauche es aber entsprechende Räumlichkeiten und genügend Personal, betonte Marek. Außerdem müsse für Eltern die Wahlfreiheit bleiben, ob sie ihre Kinder in eine klassische Schule mit Nachmittagsbetreuung oder in eine Schule mit verschränkten Unterrichts- und Freizeitangebot schicken.

Grüne: "Aktuelles Schulsystem schlecht"

Grün-Mandatarin Martina Wurzer stärkte dem Koalitionspartner den Rücken, betonte jedoch, dass man im Zuge des Ausbaus von Ganztagsschulen viel Geld für neue Gebäude in die Hand nehmen müsse: "Es genüg nicht, nur Küchen und Speisesäle einzubauen." Das aktuelle Schulsystem sei schlecht - "und das sage ich ganz deutlich in Richtung ÖVP", so Wurzer. SP-Gemeinderat Jürgen Wutzlhofer ergänzte, dass es bei der Neuen Wiener Mittelschule nicht - wie teils behauptet - um Gleichmacherei gehe, sondern um Individualisierung. Heute noch werfe die ÖVP mit Begriffen um sich, die die Christlich-Sozialen schon 1922 im Zusammenhang mit der Bildungsdebatte benutzt hätten, so sein Befund. (APA)

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