Pensionskassen: 45 Prozent der Betriebspensionen steigen

26. Jänner 2011, 13:51
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Ebenfalls 45 Prozent bleiben gleich - Kürzungen für 6.000 Pensionisten - Durchschnittsertrag 2010 bei 6,6 Prozent

Wien - Die österreichischen Pensionskassen haben 2010 durchschnittlich einen Ertrag von 6,6 Prozent erwirtschaftet, nach 9 Prozent im Jahr 2009. Man lag damit aber auch im Vorjahr über dem langjährigen Durchschnitt von 5,95 Prozent, sagte Andreas Zakostelsky, Obmann des Fachverbands der Pensionskassen, am Mittwoch vor Journalisten. Für weniger als die Hälfte der Pensionsbezieher (45 Prozent) schlägt sich dies in höheren Pensionen nieder. Kritik kommt vom Schutzverband der Pensionskassenberechtigten (Pekabe).

Von den insgesamt rund 66.000 Pensionisten erhalten 6.000 eine geringere Pension, 30.000 erhalten gleich viel, und für ebenfalls 30.000 gibt es um durchschnittlich rund 4 Prozent mehr. Von den Kürzungen betroffen seien vor allem Pensionisten mit alten Sonderverträgen, für die in den 90er Jahren eine ein hoher Rechnungszinssatz vereinbart worden sei. Das Ausmaß der Kürzungen liege für den Großteil bei 2 bis 3 Prozent.

Keine Entwicklungen bei Pensionskassengesetz

Der Schutzverband der Zusatzrentner kritisierte in einer Aussendung, dass auch ein glücklich zu Ende gegangenes Börsejahr 2010 nichts an der "Verlustsituation 10.000er Pensionsanwärter im österreichischen Pensionskassensystem" ändere. Weit mehr als die Hälfte der Pensionsbezieher erhielten 2011 unveränderte oder gekürzte Pensionen. Nach den Verlusten von zuletzt bis zu 45 Prozent der zugesagten Pensionen sei dies weiterer Beweis für den dringenden Reformbedarf.

Eine Novellierung des Pensionskassengesetzes, die im wesentlichen auf ein "Lebenszyklusmodell" abzielt, wird seit Sommer 2009 diskutiert. Derzeit gibt es laut Fachverband keine neuen Entwicklungen. Nicht betroffen sind die Pensionskassen, ebenso wie etwa die Zukunftsvorsorge, von der neuen Wertpapier-KESt.

Verwaltetes Vermögen bei  fast 15 Mrd. Euro

Die Zahl der Anspruchsberechtigten lag 2010 den heute präsentierten vorläufigen Zahlen zufolge bei rund 770.000 (Vorjahr: rund 742.400) Personen. Die Zahl der Pensionsbezieher stieg von gut 62.000 auf 66.000 Personen. Von den alten Sonderverträgen betroffen sind insgesamt weniger als 3 Prozent der 770.000 Anwartschafts- und Leistungsberechtigten.

Mit Auszahlungen von 465 (453) Mio. Euro waren die 17 betrieblichen und überbetrieblichen Pensionskassen auch im Vorjahr wieder die größten privaten Pensionszahler. Die durchschnittlich Höhe der Zusatzpension lag 2010 bei rund 510 Euro, im Jahr davor waren es 474 Euro.Pensionskassen 2 - Verwaltetes Vermögen bei fast 15 Mrd. Euro

Im Vorjahr 800 Mio. Euro erwirtschaftet

Die 17 österreichischen Pensionskassen verwalten ein Vermögen von fast 15 Mrd. Euro: Ende 2010 waren es den heute vorgelegten vorläufigen Zahlen zufolge 14,8 (13,7) Mrd. Euro. An den Kapitalmärkten konnten die Pensionskassen im Vorjahr 800 Mio. Euro erwirtschaften. "2010 war ein gutes Jahr für unsere Kunden", betonte Andreas Zakostelsky, Obmann des Fachverbands Pensionskassen in der Wirtschaftskammer Österreich und Chef der Valida Vorsorge Holding, heute, Mittwoch, vor Journalisten. Die durchschnittliche Performance von 6,6 Prozent lag über dem langjährigen Durchschnitt von knapp 6 Prozent.

Negative Erträge erwirtschafteten die Pensionskassen seit 1991 nur zwei Mal: 2001 lag die Durchschnittsperformance bei minus 6,31 Prozent, 2008 bei minus 12,93 Prozent.

30 Prozent in Aktien veranlagt

In Aktien waren im Vorjahr rund 30 Prozent veranlagt, in Staatsanleihen 45 Prozent, in Unternehmensanleihen 10 bis 12 Prozent, in Alternative Investments 7 bis 8 Prozent und der Rest in Cash. Bei den Anleihen sei das Management wichtiger geworden, Differenzierungen seien entscheidend, so Zakostelsky. Das Engagement in einzelnen Euro-Krisenländern dürfte unter 1 Prozent liegen. Wichtiger geworden sind Anleihen in Emerging Markets mit einem Anteil am verwalteten Vermögen von rund 5 bis 6 Prozent, nach rund 3 Prozent Ende 2009.

Impulse für die dritte - betriebliche - Säule der Altersvorsorge sieht Zakostelsky im Grünbuch der EU: Die Experten legten den Ländern mit einem hohen Anteil aus der ersten - staatlichen - Säule einen Ausbau der Firmenpensionen nahe, darunter auch Österreich. Dies werde der Firmenpension "Schubkraft" verleihen. Angesicht von demografischer Entwicklung und Staatsverschuldung sei ein nationaler Schulterschluss für den Ausbau der zweiten und dritten Säule wichtig. Es werde eine Schubkraft geben.

Große Unterschiede innerhalb einzelner Branchen

Derzeit kämen hierzulande rund 91 Prozent aus der gesetzlichen Pension und je rund 4,5 Prozent aus der betrieblichen und privaten Säule. "Realistisch" ist für Zakostelsky, dass längerfristig 50 bis 60 Prozent aus der staatlichen Pension kommen, 25 bis 30 Prozent aus Firmenpensionen und der Rest aus einer privaten Pension. Zakostelsky sprach heute von einer "doppelten Pensionslücke", einerseits gebe es die Differenz zwischen Aktivbezug und Rente, zudem gebe es für die erste Säule schon jetzt Zuschüsse aus dem Budget. Es gehe nicht um eine Diskussion - Umlagesystem oder kapitalgedecktes System -, wichtig sei eine breitere Aufstellung.

Große Unterschiede gebe es innerhalb der einzelnen Branchen. So haben beispielsweise im Gastgewerbe weniger als 4 Prozent der Beschäftigten einen Anspruch auf eine Firmenpension, in der Bauwirtschaft sind es knapp 8 Prozent. Im Österreich-Durchschnitt sind es 20 Prozent. Zakostelsky wies darauf hin, dass bei einem Jobwechsel das angesparte Kapital zum neuen Arbeitgeber mitgenommen werden kann, falls dieser für seine Mitarbeiter eine Betriebspension anbietet. Sollte der neue Arbeitgeber keinen Pensionskassenvertrag haben, bleibt das Geld in der Pensionskasse.

Einen kräftigen Schub für die Firmenpensionen könnte eine Einbindung in die Kollektivverträge bringen. Für die Pensionskassenvertreter wäre dabei schone eine Empfehlung hilfreich. (APA)

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