Russische Medien spekulieren über Hintergründe

26. Jänner 2011, 13:44
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Selbstmordattentäter könnte islamistischer Untergrundgruppe angehören - Weiterer Terrorangriff auf den Manege-Platz im Zentrum Moskaus soll gescheitert sein

Moskau/New York (APA/dpa/dpad/RIA) - Nach dem Selbstmordanschlag auf dem Moskauer Flughafen Domodedewo haben in russischen Medien die Spekulationen über Hintergründe begonnen. Medienberichten zufolge könnte der Selbstmordattentäter einer islamistischen Untergrundgruppe angehören, die im südrussischen Gebiet Stawropol aktiv ist. Die mehrheitlich von orthodoxen Christen bewohnte Region liegt unweit der Konfliktregion Nordkaukasus. Medien veröffentlichten zudem Bilder vom Kopf des mutmaßlichen Terroristen.

Das Attentat sei bereits seit November vorbereitet worden, schrieb das Boulevardblatt „Moskowski Komsomolez" am Mittwoch. Nach Angaben der Regierungszeitung „Rossijskaja Gaseta" war der Anschlag womöglich eine Reaktion auf die ausländerfeindlichen Ausschreitungen tausender russischer Jugendlicher im Dezember. Nach dem Tod eines Fußballfans im Streit mit Kaukasiern hatten Ultranationalisten Jagd auf Migranten gemacht.

Terrorangriff auf den Manege-Platz

Dem jüngsten Selbstmordanschlag ist einem Zeitungsbericht zufolge ein durch Zufall gescheiterter Terrorangriff auf den Manege-Platz im Zentrum Moskaus vorausgegangen, berichtete die russische Agentur RIA Novosti. Ursprünglich hätten die aus dem Nordkaukasus stammenden Terroristen demnach einen Anschlag in der Silvesternacht auf den nahe dem Kreml liegenden Manege-Platz geplant, der aber gescheitert sei, schrieb die Zeitung „Moskowski Komsomolez" in ihrer Mittwochausgabe. Über jene Explosion in einem Park im Südosten Moskaus hatten russische Medien berichtet, damals kam nur die mutmaßliche Attentäterin ums Leben. Nach dem gescheiterten Anschlag auf den Manege-Platz habe man mit der Vorbereitung auf die Explosion im Flughafen Domodedowo begonnen, hieß es weiter.

Ein deutscher Manager des Moskauer Flughafens wies indes die scharfe Kritik von Russlands Präsident Dmitri Medwedew an den laxen Sicherheitskontrollen auf dem Airport zurück. „Was uns passiert ist, kann auf jedem Großflughafen passieren", sagte der Direktor für Internationale Angelegenheiten und Geschäftsentwicklung des Flughafens, Daniel Burkard, der in Hannover erscheinenden „Neuen Presse" (Mittwoch). Medwedew hatte die Vorkehrungen in Domodedowo hingegen als „Anarchie" gegeißelt und gefordert, die Verantwortlichen zu bestrafen.

New Yorker Polizei in Moskau

Unterdessen traf am Dienstag ein Beamter der New Yorker Polizei in Moskau ein, um Informationen über das Bombenattentat zu sammeln. Er sei an einem Programm beteiligt, in dessen Rahmen New Yorker Polizisten versuchen, aus Anschlägen in aller Welt Lehren zur Prävention solcher Attentate in New York zu ziehen, teilte die New Yorker Polizeibehörde mit. Es sei nicht der erste Besuch des Beamten in Moskau. Bereits nach einem Anschlag auf die Moskauer U-Bahn sei er vor Ort gewesen.

Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin rief die Taxiunternehmen auf, bei Katastrophen wie dem Selbstmordattentat am Flughafen auf überhöhte Fahrtpreise zu verzichten. Nach dem Anschlag hatten Taxifahrer bis zu 500 Euro für eine Fahrt vom Airport in die Stadt und damit etwa zehnmal so viel wie üblich verlangt. Allerdings arbeiten die meisten Fahrer illegal.

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