Insiderprozess gegen OMV-Ruttenstorfer

26. Jänner 2011, 13:35
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Wien - Noch-OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer muss auf der Anklagebank am Straflandesgericht Wien wegen Insider-Vorwürfen. Ihm wird von der Finanzmarktaufsicht (FMA) und von der Staatsanwaltschaft ein Insidergeschäft im Vorfeld des Ausstiegs der OMV beim ungarischen Konkurrenten MOL Ende März 2009 vorgeworfen. Ruttenstorfer, der Ende März plangemäß den OMV-Vorstand wie 2009 festgelegt verlässt, hat die Vorwürfe stets bestritten. Nachfolgend eine kurze Übersicht über wesentliche Ereignisse des am Prüfstand stehenden "Director's Deals":

14. März 2009: Kontakt von OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer mit russischem Ölkonzern Surgutneftegaz rund um ein OPEC-Treffen in Wien, MOL dabei nur "zwei Minuten Thema".

18. März 2009: Ruttenstorfer gibt "profil" Interview: "Werden MOL heuer durchaus behalten."

23. März 2009: "profil"-Interview erscheint. Ruttenstorfer erwirbt OMV-Aktien für knapp 632.000 Euro und meldet den Kauf ordnungsgemäß der FMA.

26. März 2009: Ruttenstorfer verhandelt zu MOL mit Surgutneftegaz in Moskau, die Gespräche werde als gescheitert bezeichnet.

28. März 2009: Surgutneftegaz nimmt von sich aus wieder Kontakt mit OMV auf, es beginnen erneut Verhandlungen.

29./30. März 2009: Nach Mitternacht gibt die OMV überraschend die Einigung mit den Russen über Verkauf des MOL-Anteils bekannt.

21. April 2009: FMA bestätigt Ermittlungen gegen OMV-Chef wegen Verdacht auf Insiderhandel und Marktmanipulation.

6. August 2009: FMA erstattet Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen Insiderhandels.

17. November 2010: Staatsanwaltschaft Wien erhebt Anklage wegen Insiderhandels gegen den OMV-Chef (Delikt: missbräuchliche Verwendung einer Insiderinformation) per Strafantrag. Demnach wird Ruttenstorfer gemäß Paragraf 48b Absatz 1 Ziffer 1 Börsegesetz angeklagt. Damit drohen dem OMV-Chef als sogenanntem "Primärinsider" bis zu drei Jahren Haft. Sollte er einen Vermögensvorteil von über 50.000 erzielt haben, würde ihm eine Strafe zwischen sechs Monaten und der Höchststrafe von fünf Jahren drohen. Im Strafantrag wird der Vermögensvorteil mit etwas über 44.000 Euro beziffert. Eine Geldstrafe könnte über den Weg der Diversion (außergerichtlicher Tatausgleich) verhängt werden.

27. Jänner 2011: Verhandlung am Landesgericht Wien im Strafprozess gegen den OMV-Chef wegen Insiderhandels. Der OMV-Vertrag von Ruttenstorfer läuft Ende März 2011 aus. (APA)

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