"Wir haben es nicht geschafft, uns umzustellen"

26. Jänner 2011, 13:35
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Österreichs Slalomtrainer Höflehner über die Ursachen der Niederlagen in Kitzbühel und Schladming

Wien/Schladming - Naturgemäß weist Christian Höflehner auf Marcel Hirscher hin, der auf der Planai im vorletzten Tor eingefädelt hatte. "Er wäre Dritter geworden, dann würde alles anders ausschauen", sagt der Trainer der österreichischen Slalomspezialisten. Nicht ganz, wendet man ein, schließlich habe er, Höflehner, nach dem Slalom in Kitzbühel davon gesprochen, dass jederzeit der Knoten platzen könne, das Team einen Fünffachsieg drauf habe. Davon aber wären die Herrschaften auch ohne Hirschers Missgeschick weit entfernt gewesen.

In der Wirklichkeitsform schaut es so aus, dass der französische Kitzbühel-Sieger Jean-Baptiste Grange in Schladming vor den Schweden Andre Myhrer und Mattias Hargin gewann, Allrounder Benjamin Raich als Bester der österreichischen Skifahrt Neunter wurde.

Warum der Knoten nicht geplatzt ist? "Wir haben es einfach nicht geschafft, uns auf die Verhältnisse einzustellen, auf die Piste, den Kurs und das Wetter." Sowohl am Ganslernhang als auch auf der Planai sei der Schnee feucht, griffig, aggressiv gewesen. Und so richtig toll vorbereitet ist man auf glatte, eisige und harte Posten. "Wenn's glatt wird, sind wir gut gesattelt."

Materialfrage

Es fiel beispielsweise auf, dass im ersten Durchgang Myhrer mit der Nummer eins eine Bestzeit fuhr, an die lange keiner herankam, das schaffte erst Hargin mit der Nummer neun, und der war auch auf Nordica unterwegs. Liegt die mangelnde Anpassungsfähigheit auch am Material? Höflehner will das nicht weiter kommentieren, sagt nur, "dass es auch in unserer Verantwortung liegt, gemeinsam mit den Skifirmen das beste Material für alle Verhältnisse zu finden". Daran gelte es nun intensiv zu arbeiten. Denn der nächste Slalom steigt am 20. Februar anlässlich der WM in Garmisch-Partenkirchen. Also wird man auf ähnlicher Seehöhe üben, etwa in Schladming. Wie die Verhältnisse auf dem WM-Hang dann sind, lässt sich freilich nicht vorhersagen.

Vorhersagen lässt sich das Team, wenn sich keiner verletzt. Titelverteidiger Manfred Pranger (33) hat einen Fixplatz, die anderen vier Kandidaten sind Marcel Hirscher (20), der in Val d'Isère für den einzigen Saisonsieg sorgte, Reinfried Herbst (32), Benjamin Raich (32) und Mario Matt (31). Mit Ausnahme Hirschers ist das eine sehr reife Mannschaft. "Und das wird sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern", sagt Höflehner (36). Supertalente stehen noch nicht direkt vor der Weltcuptür. Und Rainer Schönfelder (33), der es nach seinem Comeback nach Verletzungspause noch nicht in ein Finale geschafft hat, aber weiter hart daran arbeiten will, nimmt deshalb auch keinem Nachwuchsläufer einen Platz weg.

"Wir haben im Slalom eine Spezialeinheit von Nachwuchsläufern gebildet, die bei Fis- und Europacuprennen an den Weltcup herangeführt werden soll", sagt Höflehner, "aber die braucht noch Zeit." Und er geht davon aus, dass man mit der derzeitigen Mannschaft noch viel Freude haben werde. "Ich bin überzeugt, dass sie einen Fünffachsieg drauf haben, auch wenn es blöd klingt. Die Jungs sind gut." Die nächste Gelegenheit ist Garmisch. (Benno Zelsacher, DER STANDARD Printausgabe 27.01.2010)

 

Benno Zelsacher

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    Reinfried Herbst carved in Schladming die Planai hinunter.

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