Eigentümer segnen Deal am Freitag ab

26. Jänner 2011, 10:15
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Wien - Die Wiener Börse ist bald um ein Schwergewicht leichter. Der Online-Sportwettenanbieter bwin schließt sich mit seinem britischen Mitspieler PartyGaming zum weltgrößten börsenotierten Internet-Glücksspielanbieter zusammen. Sitz der neuen Gesellschaft ist Gibraltar, die Aktie von "bwin.party" wird an der Londoner Börse notieren. Im Zuge der Fusion könnten in Wien zahlreiche Arbeitsplätze wegfallen, die IT des neuen Konzerns kommt nämlich überwiegend aus Indien. Die drohende Steuernachzahlung bwins schwebt wie ein Damoklesschwert über der Verschmelzung.

Am Freitag ist es soweit: Die Hauptversammlungen von bwin und PartyGaming sollen die Fusion absegnen. Es müssen jeweils 75 Prozent des anwesenden Kapitals "ja" sagen. Beobachter rechnen mit einer hohen Zustimmungsrate. bwin-Aktionäre bekommen für ihre untergehenden Papiere 12,23 junge bwin.party-Aktien. Eigentümer, die nicht mitziehen wollen, können ihre bwin-Aktien entweder über die Börse verkaufen oder die angebotene Barabfindung von 23,52 Euro in Anspruch nehmen. Schlussendlich werden alte bwin-Aktionäre 51,7 Prozent an der neuen Gesellschaft halten, alte PartyGaming-Eigentümer 48,3 Prozent.

bwin.party wird es "aufgrund der Kursentwicklung" nicht wie angestrebt in den FTSE 100 schaffen, sondern lediglich in den FTSE 250, wo PartyGaming jetzt schon notiert, sagte bwin-Investor-Relations-Chef Konrad Sveceny auf APA-Anfrage. Die neuen Papiere werden dann ab Juni in den FTSE 250 aufgenommen, "da ist die nächste Indexsitzung". In Wien werden die bwin-Aktien wahrscheinlich bis 25. März handelbar sein, dann wird der Handel ein paar Tage ausgesetzt, um ausstehende An- und Verkäufe abzuwickeln. Ab 1. April werden die Papiere in London gelistet sein. Eine Zweitnotierung in Wien ist mittlerweile vom Tisch.

Internationaler Player

Chefs von bwin.party werden der bisherige bwin-Co-CEO Norbert Teufelberger und PartyGaming-Boss Jim Ryan. Teufelbergers Vorstandskollege bei bwin, Manfred Bodner, wird Non-Executive Director (Aufsichtsrat) der neuen Gesellschaft. bwin-Großaktionär und -Aufsichtsrat Hannes Androsch wird entgegen früherer Spekulationen nicht im bwin.party-Board vertreten sein. Statt ihm zieht sein Anwalt Georg Riedl ein. Androsch hält derzeit über seine Privatstiftung rund 8,8 Prozent an bwin, durch die Fusion schrumpft sein Anteil an bwin.party auf etwa 4,6 Prozent. Die Kernaktionäre von bwin und PartyGaming hatten sich bereits im Sommer verpflichtet, dem Merger zuzustimmen. Bodner, der mit Teufelberger gemeinsam über die New Media Gaming and Holding auf Malta 5,58 Prozent hält, hatte die Möglichkeit, vor dem Merger 600.000 bwin-Aktien zu verkaufen, davon aber bisher nicht Gebrauch gemacht.

Mit dem Merger entsteht ein international bereit aufgestellter Player. Die Österreicher und die Briten ergänzen sich gut: Während bwin in den ersten neun Monaten 2010 rund 54 Prozent seiner Nettospielerträge mit Sportwetten machte, war PartyGaming in den Bereichen Casino (43 Prozent) und Bingo (15 Prozent) stark. Online-Poker haben beiden Konzerne im Angebot. Gemeinsam wollen sie nun den US-Markt eintreten, der schon bald geöffnet werden und Riesensummen hereinspielen könnte. Generell hat bwin.party ein Auge auf alle regulierten Märkte "und Märkte geworfen, in denen eine Regulierung absehbar ist". Außerdem will man an der "zukünftigen Konsolidierung der Online-Gaming-Branche" teilnehmen. Durch die Verschmelzung, die bilanziell rückwirkend zum 30. September 2010 vorgenommen werden soll, sollen jährliche Synergieeffekte von 55 Mio. Euro entstehen, wobei im ersten Jahr nur etwa drei Viertel realisiert werden.

Synergieeffekte werden wohl unter anderem im Bereich Personal entstehen, was vor allem den rund 850 bwin-Mitarbeitern in Wien, davon knapp 600 IT-Kräfte, Sorgen bereitet. Laut früheren Angaben von Teufelberger soll die IT der neuen Gesellschaft großteils aus der indischen Stadt Hyderabad kommen, dort sitzen bereits hunderte PartyGaming-Computerspezialisten. Das hat auch historische Gründe: Mitbegründer von PartyGaming war ein Softwareingenieur aus Hyderabad. Von offizieller Seite wird ein großflächiger Jobabbau in Abrede gestellt. "Es wird Veränderungen geben, aber ein konkreter Abbau ist nicht ins Auge gefasst." Dem Vernehmen haben viele bwin-Beschäftigte in Wien keine allzugroße Lust, nach Gibraltar zu übersiedeln. Einige Mitarbeiter sind dem Konzern schon abhandengekommen: Technikchef Thomas Kiessling wechselte zur Deutschen Telekom, Sprecherin Katharina Riedl zu S&T. Der derzeitige Kommunikationsverantwortliche Matthias Winkler, früher Kabinettschef von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser, macht sich nach dem Merger selbstständig.

Derzeit beschäftigt bwin weltweit rund 1.600 Mitarbeiter, PartyGaming 1.300.

Was vor allem den Aktionären Kopfzerbrechen bereitet, ist das Steuerrisiko. bwin droht in Österreich seit längerem eine Steuernachzahlung in der Höhe von 7 Mio. Euro. Die Finanz meint nämlich, dass bwin aufgrund seiner Serverfarm in Österreich steuerpflichtig geworden ist, wogegen bwin beim Unabhängigen Finanzsenat (UFS) einwendete, seinen Sitz in Gibraltar zu haben. Das Verfahren könnte sich noch länger ziehen, die Rechtslage ist alles andere als klar. bwin ist zuversichtlich, schlussendlich zu obsiegen, dennoch wurde dem Thema Steuerrisiko im Börseprospekt der neuen Gesellschaft ein ausführliches Kapital gewidmet: Sollte das Finanzamt Recht bekommen, müsste bwin schlimmstenfalls 130 Mio. Euro nachzahlen, was einen "signifikant negativen Einfluss" auf bwin.party hätte, heißt es dort.

Das Unternehmen betandwin wurde 1997 gegründet, ein Jahr später ging die Sportwettenplattform online. 2000 folgte der Börsegang, 2006 die Umbenennung in bwin. Mittlerweile hat der Wiener Konzern rund 20 Mio. registrierte Kunden. In den ersten neun Monaten 2010 kam bwin auf Nettospielerträge von rund 305 Mio. Euro, Partner PartyGaming auf umgerechnet 260 Mio. Euro. Die beiden Marken bwin und PartyGaming sollen nach der Verschmelzung bestehenbleiben.

Die bwin-Aktie notiert derzeit bei 26,96 Euro, das ist ein Minus von 0,15 Prozent. Seit Jahresbeginn hat das Papier schon mehr als 9 Prozent verloren. PartyGaming liegt aktuell 0,53 Prozent höher bei 191,1 Pence. (APA)

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