Eric Schmidt sagt zum Abschied leise Servus

26. Jänner 2011, 09:33
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Zum Abschied zeigte sich der Google-Chef schmeichelweich: Das Beste kommt erst, dank mobilem Internet, Handy und "Cloud"

Noch vor wenigen Jahren beschuldigte der Verleger Hubert Burda den Onlinekonzern Google, dass es mit seinen Links zu Artikeln die Verlage "schleichend enteignet". Aber als Burda am Dienstag endlich den obersten Enteigner höchstpersönlich vor sich hatte und der scheidende Google-Chef Eric Schmidt die Schlussrede bei Burdas jährlich veranstalteter Innovationskonferenz DLD (Digital Life Design) halten durfte, zeigte sich der Verleger von seiner charmantesten Seite: Ein Held sei Schmidt, schwärmte Burda, eine mythische Figur wie Odysseus, der erfolgreich die Labyrinthe der neuen Onlinewelt durchsegelt hat.

"Wir sind nicht am Ende, wir sind erst am Anfang der Entwicklung"

Schmidt bedankte sich für die Lobpreisung artig mit großen Visionen - "Wir sind nicht am Ende, wir sind erst am Anfang der Entwicklung" - und einer kleinen Beruhigungspille für das Land, in dem ein angeblicher Volksaufstand den Start von Google Street View etwas verzögert hatte. Über tausend Arbeitsplätze werde Google heuer in Europa schaffen, und mehrere hunderte davon in einem Forschungs- und Entwicklungszentrum in München.

Auf die Kontroversen, die Google im vergangenen Jahr durch seine Schnüffelaktion in privaten Wi-Fi-Netzen, durch seine Straßenaufnahmen für Street View und durch die Preisgabe persönlicher Daten beim missglückten Start seines Vernetzungsprojekts "Google Buzz" ausgelöst hat, ging Schmidt hingegen nicht ein. Aber er bot dafür ein neues Mantra zu den "großartigen" Diensten, die uns Google noch bringen wird: "Mit Ihrer Zustimmung!"

"Kriege wurden begonnen, weil sich die Menschen nicht verständigen konnten."

Warum "das Beste" erst vor uns liege, erklärte Schmidt mit dem Zusammentreffen wichtiger technologischer Entwicklungen: die nächste Generation von mobilem Internet, LTE, das interaktives Video auch auf Handys ermöglicht, Smartphones in jeder Tasche und Cloud Computing, das enorme Rechenleistung zur Verfügung stellt. Als Beispiel nannte er die - vor kurzem als Beta vorgestellte - Übersetzung gesprochener Sprache am Handy. "Kriege wurden begonnen, weil sich die Menschen nicht verständigen konnten. (...) Das ist nicht nur das Handy, das ist die Kombination von Geräten, von Software und von Information."

Google werde - "mit Ihrer Zustimmung!" - durch Einbeziehung des persönlichen Kontextes, des Wissens um unseren Standort, unsere Beziehungen, unsere Interessen noch viel persönlicher werden. "Wie wird das Wetter?" - diese Frage kann im Zusammenhang entsprechend der Bedürfnisse des Benutzers genau interpretiert werden. "Aus Worten entsteht Sinn." (Helmut Spudich, DER STANDARD/Printausgabe, 26.1.2011)

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    Kein Wort zum Abgang oder zu den Kontroversen, die Google auslöste - dafür wird alles noch besser, weil persönlicher: Google-Chef Eric Schmidt.

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