Deutsche Ökonomen befürchten vier Prozent Inflation

26. Jänner 2011, 12:45
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Explodierende Importpreise schüren Teuerungsangst in Deutschland

Berlin - Der stärkste Anstieg der Importpreise seit fast drei Jahrzehnten schürt die Inflationssorgen in Deutschland. Die Einfuhren verteuerten sich im Dezember um 12,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, weil Energie, Rohstoffe und Nahrungsmittel deutlich mehr kosteten. Eine höhere Teuerungsrate hat es zuletzt im Oktober 1981 mit 13,7 Prozent gegeben, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit. Diese Kostenexplosion für die Unternehmen wird früher oder später auch die Verbraucher erreichen, warnen Experten. Einige befürchten gar eine mehrjährige Teuerungswelle.

"Sehr hohe Inflationsraten stehen nicht unmittelbar bevor", sagte die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro zu Reuters. "Dennoch ist die Gefahr einer höheren Inflation mittelfristig nicht ausgeschlossen." Das sieht auch der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, ähnlich. "Ein Anstieg der Inflationsrate in den nächsten zwei bis drei Jahren bis auf vier Prozent ist durchaus möglich", sagte Mayer der Bild-Zeitung.

Für Jänner sagen die 29 von Reuters befragten Analysten bereits eine Inflationsrate von 2,0 Prozent voraus - es wäre die höchste seit Oktober 2008. Die Europäische Zentralbank (EZB) spricht nur bei Werten bis knapp unter zwei Prozent von stabilen Preise. Im Euro-Raum wird die Teuerungsrate den Analysten zufolge mit 2,5 Prozent sogar klar über dieser Schwelle liegen.

Das bringt die Frankfurter Währungshüter in die Bredouille, weil sie mit ihrer lockeren Geldpolitik den Preisauftrieb noch verstärken. Sie halten ihren Leitzins seit bald zwei Jahren auf dem Rekordtief von einem Prozent. Heben sie ihn an, drohen sie die ohnehin schwache Konjunktur in Euro-Krisenstaaten wie Spanien, Griechenland und Irland ganz abzuwürgen.

Notenbanker in schwieriger Situation

Mayer befürchtet deshalb, dass die EZB zu einer "lockeren Geldpolitik ohne große Zinserhöhungen gezwungen sein könnte". Billiges Geld aber kann die Inflation im boomenden Deutschland zusätzlich anheizen, weil es Konsum und Investitionen treibt. "Die Situation für die Notenbank wird schwierig, wenn die Inflationsraten andauernd höher tendieren", sagt Weder di Mauro. Angesichts der schlappen Konjunktur in vielen Euro-Ländern rechnet sie aber nicht mit einer raschen Zinserhöhung. "Solange man mit krisenhaften Entwicklungen rechnen muss, ist ein Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik nicht abzusehen." Denkbar sei eher, dass die EZB unkonventionelle Maßnahmen wie den Kauf von Staatsanleihen beendet.

Der Leitzins gibt vor, zu welchem Preis sich Geschäftsbanken bei der EZB mit Geld eindecken können. Steigt er, werden auch Kredite an Unternehmen und Verbraucher teurer. Das wiederum dämpft die Nachfrage nach Investitionen und Konsum, was den Spielraum von Unternehmen für Preiserhöhungen einschränkt. Höhere Zinsen machen den Euro für Investoren attraktiver, was den Wechselkurs stützt und so den Import der vorwiegend in Dollar abgerechneten Rohstoffe wie Öl verbilligen kann.

Preistreiber Nummer eins bei den Importen waren Rohstoffe, die wegen der weltweiten Konjunkturerholung wieder stärker gefragte sind. Rohöl verteuerte sich im Dezember um 36,5 Prozent, Benzin und andere Mineralölprodukte um 33,8 Prozent sowie Rohgas um 31,2 Prozent. Der Preis für Eisenerz verdoppelte sich nahezu, das für die Stahlproduktion benötigte Nickel kostete 51,3 und Rohkupfer 41,4 Prozent mehr. Für Rohkaffee musste 65,1 Prozent mehr bezahlt werden, für Getreide 56,7 Prozent mehr. (APA/Reuters)

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