Viele Krisen sorgen für Gesprächsstoff in Davos

26. Jänner 2011, 13:47
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Fünftägiges Weltwirtschaftsforum beginnt heute - Faymann, Pröll und Spindelegger vertreten Österreich

Davos - Im schweizerischen Davos beginnt am heutigen Mittwoch unter strengen Sicherheitsvorkehrungen das Weltwirtschaftsforum. Bei dem fünftägigen Treffen debattieren etwa 2.500 Politiker, Konzernchefs sowie Vertreter der Zivilgesellschaft über die globalen Herausforderungen. Die Eröffnungsrede hält laut Veranstalter Russlands Staatschef Dmitri Medwedew, der Kreml wollte dies angesichts des Anschlags auf dem Moskauer Flughafen nicht bestätigen. Auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Premierminister David Cameron kommen.

Österreich wird sich beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos als Drehscheibe zwischen Europa und Zentralasien präsentieren. Den Rahmen bietet ein Österreich-OECD-Luncheon am Donnerstag, zu dem Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ), Vizekanzler und Finanzminister Josef Pröll und Außenminister Michael Spindelegger (beide ÖVP) in den Schweizer Skiort reisen. Diskussionsgrundlage ist eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zur Wirtschaftskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Länder Zentralasiens.

Globales Burn-out

Die ausufernden Staatsschulden in Europa, eine drohende Inflation und die Angst vor Wirtschaftskriegen werden auf dem diesjährigen WEF in Davos für viel Gesprächsstoff sorgen. Auch die steigenden Nahrungsmittelpreise und ungelöste Probleme im weltweiten Finanzsystem stehen auf der Tagesordnung. WEF-Chef Klaus Schwab sprach vor der Eröffnung von einem "globalen Burn-out-Syndrom". Nach seiner Ansicht ist die Staatengemeinschaft zu schwach, um die Risiken für Wirtschaft und Regierung anzugehen. Deswegen soll auf dem Forum in diesem Jahr ein weltweites Netz geschaffen werden, über das Informationen über potenzielle Risiken ausgetauscht werden sollen.

Riesen-Delegationen aus China und Indien

Das Motto des diesjährigen Forums lautet "Gemeinsame Normen für die neue Realität". Nachdem China im vergangenen Jahr Japan als zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt überholt hat, stellt sich die Frage nach den veränderten Machtverhältnissen und dem Rückgang der amerikanisch-europäischen Dominanz. China könne angesichts der neuen Stärke nicht mehr als Entwicklungs- oder Schwellenland bezeichnet werden, meinte zum Beispiel Martin Sorrell, Chef der WPP Group, eines der größten weltweiten Medien- und Kommunikationsunternehmen.

China und Indien haben noch nie so große Delegationen in den Schweizer Alpenort Davos geschickt wie in diesem Jahr. "In zehn Jahren wird die Wirtschaftskraft der Schwellenländer 20 Billionen Dollar übersteigen", sagte Azim Premji, Chef des indischen IT-Dienstleisters Wipro. Das werde dann mehr sein als die Wirtschaftsleistung der USA.

Der ehemalige Vizedirektor der chinesischen Zentralbank, Zhu Min, der den Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, berät, warnte aber vor zu großen Erwartungen in den Entwicklungsländern. Die genannten Zahlen zum Wirtschaftswachstum könnten besonders bei den Ärmsten der Welt Hoffnungen wecken, die nicht erfüllbar seien.

Der Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini, der durch seine Vorhersage der Finanzkrise zu Berühmtheit gelangt ist, sagte bei einer Diskussionsveranstaltung Mittwoch früh, das Risiko einer erneuten Rezession sei zurückgegangen. Europa versuche, den Euro zu stabilisieren, und die USA hätten die Absicht, die überbordenden Staatsausgaben zu begrenzen. Nun müsse China die Binnennachfrage ankurbeln, um seine Wirtschaft am Laufen zu halten. "Die Herausforderung Chinas ist, dass die USA nicht der erste und letzte Konsument sein können."

Die Konferenz dauert bis Sonntag. Neben vielen Diskussionen werden auch Geschäfte gemacht - allerdings eher diskret in Hotelzimmern als im Licht der Öffentlichkeit. (APA/Reuters/red)

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    Strenge Sicherheitsmaßnahmen für die Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos.

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