Abweisender Geist

25. Jänner 2011, 21:24
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Sie soll so etwas wie ein Meilenstein in Österreichs Fremdenpolitik werden: Deshalb wird die neue Aufenthalts- und Arbeitsberechtigung auch "Rot-Weiß-Rot-Card" heißen, in Anlehnung an die legendäre "Green Card" für USA- und Kanada-Immigranten.

Geworden ist die rot-weiß-rote Karte freilich ein weiterer Baustein im steten Bemühen der Innenministerin, die Niederlassung von Fremden in Österreich noch schwieriger zu gestalten. Zwar argumentiert die Politik, dass sie nur den Forderungen der Wirtschaft nachkommt, wenn sie festlegt, dass möglichst gut ausgebildete Menschen ins Land kommen. Doch der Geist, der hinter dem Gesetz steht, ist nach wie vor kein einladender - sondern ein abweisender.

Nach Kanada migrierende Menschen müssen zwar auch gewisse berufliche Fertigkeiten aufweisen - aber dass sie bereits perfekt Englisch oder Französisch sprechen, erwarten die Behörden nicht. Im Gegenteil: Einwanderer bekommen alle Möglichkeiten, die Sprache zu erlernen. Nach einer bestimmten Frist müssen sie dann ihre Sprachkenntnisse mittels Test beweisen.

In Österreich wird erwartet, dass Menschen aus strukturschwachen Drittstaaten bereits mehr als Grundkenntnisse in Deutsch haben - sonst dürfen sie nicht einmal ins Land. Wie sie das machen sollen, ist ihr Problem. Das ist Österreichs üblicher, schon bisher gepflegter Zugang zum Thema "Ausländer". Meilensteine sehen anders aus. (Petra Stuiber, STANDARD-Printausgabe, 26.01.2011)

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