Lebenlange Haft im ersten Prozess verhängt

25. Jänner 2011, 20:13

Schuldspruch gegen Ghailani war bereits im November erfolgt

Washington/New York - Mit einer lebenslangen Haftstrafe für den Angeklagten ist der erste Prozess gegen einen Guantanamo-Häftling vor einem US-Zivilgericht zu Ende gegangen. Ahmed Khalfan Ghailani stand im Zusammenhang mit den Anschlägen auf die US-Botschaften 1998 in Tansania und Kenia in New York vor Gericht.

Der 36-Jährige war im November für schuldig befunden worden, an einer Verschwörung zur Zerstörung von US-Eigentum beteiligt gewesen zu sein. Von allen anderen mehr als 280 Anklagepunkten, darunter allein 270 für Mord und versuchten Mord, hatte eine Jury den aus Tansania stammenden Mann allerdings freigesprochen. Bei den Terrorattacken waren 224 Menschen ums Leben gekommen.

Bei der Urteilsverkündung nannte Richter Lewis Kaplan die Tat Ghailanis entsetzlich. Die Verteidigung hatte um Milde gebeten, weil ihr Mandant vom Geheimdienst CIA gefoltert worden sei. Zudem habe Ghailani der US-Regierung wertvolle Informationen geliefert. Kaplan betonte jedoch, seine Rolle bei dem Anschlag sei "tausendmal schlimmer als die Misshandlungen durch die US-Regierung". Allein, dass er sich wissentlich an den Terroranschlägen beteiligt habe, sei Grund genug für eine Inhaftierung, sagte der Richter.

Dass Ghailani im November weitgehend freigesprochen worden war, wurde zunächst als schweren Rückschlag für US-Präsident Barack Obama gewertet. Die lebenslange Haft könnte nun wiederum als Sieg für die Politik des Weißen Hauses gesehen werden, meinten Beobachter.

Obama will das Lager Guantanamo Bay auf Kuba schließen und strebt normale Strafrechtsverfahren gegen möglichst viele der dortigen Gefangenen auf dem Boden der USA an. Schon vor dem Verfahren hatte es in den USA erheblichen Widerstand gegen den Präsidentenplan gegeben, einen Großteil der rund 170 verbliebenen Guantanamo-Häftlinge auf das US-Festland zu bringen.

Nach Ansicht von Menschenrechtlern zeigt das verhängte Strafmaß, dass Terrorverdächtigen durchaus vor einem zivilen Gericht der Prozess gemacht werden könne. "Das Justizsystem ist dafür entworfen, beiden Seiten eine fairen Prozess zu gewährleisten und ist vollständig in der Lage, fundamentale Rechte und Nationale Sicherheit zugleich zu schützen", so die Menschenrechtsorganisation ACLU.

Ghailani war 2004 in Pakistan gefasst und zwei Jahre später in das Gefangenenlager auf Kuba gebracht worden. Ihm war unter anderem vorgeworfen worden, ein Al-Kaida-Mitglied gewesen zu sein und die Sprengsätze für die Anschläge auf die US-Botschaften beschafft zu haben. Die belastende Aussage des Hauptzeugen der Anklage wurde den Geschworenen aber nicht präsentiert. Der zuständige Richter ließ sie nicht zu, weil der Zeuge nur aufgrund von Ghailanis Angaben während eines Folterverhörs aufgespürt worden sei.

Die US-Regierung will angeblich in Kürze grünes Licht für neue Terrorismus-Verfahren vor den umstrittenen Militär-Sondergerichten in Guantanamo Bay geben. Verteidigungsminister Robert Gates bereite die Aufhebung einer Anweisung vor, mit der die Eröffnung neuer Prozesse nach dem Amtsantritt von Präsident Obama vor zwei Jahren blockiert worden war, berichtete vor wenigen Tagen die "New York Times". Die Zeitung wertete den Schritt als Zeichen, dass das Lager auf lange Sicht geöffnet bleibt, nachdem sich der US-Kongress gegen Obamas Schließungspläne gesperrt hatte. (APA/dpa)

Able Danger
06
25.1.2011, 21:34
Wenn der Chodorkowski verurteilt wird

ist das Geschrei immer groß: "ungerecht", "politischer Prozess", "Putin will es so".

Aber in diesem Falle kümmert es niemanden, wenn unser großer Bruder den armen Kerl lebenslang für "Zerstörung von US-Eigentum" einbuchtet.

Der Zwersch
10
28.1.2011, 18:29

224 Tote ist etwas mehr als zerstörtes US Eigentum.

Micha Do
 
00
30.1.2011, 10:32
In diesem Punkt hat ihn die Jury aber nicht schuldig gesprochen...

Übrigens bin ich der Meinung dass Folter im Auftrag eines Staates der sonst bei jeder unpassenden Gelegenheit auf verletzte Menschenrechte hinweist (bei den Anderen, versteht sich) nicht nur "schlimm" ist sondern eine moralische und politische Ausnahme-Katastrophe darstellt. Dass die EU hier nicht SOFORT Konsequenzen setzt, zeigt sehr schön, welcher Hund da mit dem Schweif wedelt und wer der Schweif ist.

samron
00
25.1.2011, 21:02

Er wurde schuldig befunden bei der Zerstörung der Gebäude beteiligt gewesen zu sein, aber für die Toten und Verletzen trifft ihn dann keine Schuld, weil in diesen Punkten freigesprochen ?

Wenn ich den Plan für eine Sprengung eines Gebäudes austüftle und dann Menschen dabei zu Schaden kommen, werde ich doch auch nicht nur wegen Sachbeschädigung verurteilt.

Able Danger
00
25.1.2011, 23:59

Wahrscheinlich war er nur der Koch.

http://www.heute.de/ZDFheute/... 60,00.html

hansito
20
25.1.2011, 21:24

Ach so, und deshalb ist er zu lebenslang verurteilt worden? Des glaums doch selbst nicht !

Horst Holzinger
03
26.1.2011, 02:09

Dann lies den Text nochmal.
Und wenn du ihn dann immer noch nicht verstanden hast, ein drittes Mal.
Wenn´s dann immer noch nicht klappt, dann lass ihn dir von deiner Frau vorlesen und erklären.

Ok?

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