Biotop für Extremisten

25. Jänner 2011, 18:46
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Ohnmächtige Wut drückt sich in den Worten des russischen Präsidenten Dmitri Medwedew aus, wenn er dazu aufruft, "die Nester dieser Banditen zu vernichten" . Nur wenige Tage vor dem Anschlag auf den Moskauer Flughafen Domodedowo hatte Premier Wladimir Putin neue Investitionen im Nordkaukasus angekündigt, um den islamistischen Separatisten den Boden zu entziehen.

Putins Analyse ist vollkommen zutreffend: Armut, Arbeitslosigkeit und Korruption arbeiten den Extremisten in die Hände. Aber Putin selbst war es, der - noch als Präsident - dem berüchtigten tschetschenischen Milizenführer Ramsan Kadyrow praktisch freie Hand gab. Heute kontrollieren Kadyrow und sein Clan die Republik und entscheiden, wohin die Gelder aus Moskau fließen.

Das demonstriert die ganze Widersprüchlichkeit der russischen Regionalpolitik. Dort, wo starker Zentralismus im Sinne eines schlüssigen Entwicklungskonzepts für den gesamten Nordkaukasus gefragt wäre, hat Moskau bisher versagt. Gleichzeitig verhindert die streng hierarchische Staatsstruktur regionale und lokale Initiativen und begünstigt die Korruption. Davon profitieren lokale Clans, die allermeisten Bürger haben nichts davon.

Das entschuldigt zwar nicht, erklärt aber den ideologisch verbrämten Terror der Islamisten. Ließen sich ihre "Nester" allein mit Polizeimethoden "vernichten" , dürfte es sie längst nicht mehr geben. (Josef Kirchengast, STANDARD-Printausgabe, 26.01.2011)

 

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